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Rathenow Bahnhofstunnel wird mit Graffiti besprüht – diesmal legal
Lokales Havelland Rathenow Bahnhofstunnel wird mit Graffiti besprüht – diesmal legal
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19:03 10.02.2020
Die angehende Erzieherin Anja Menz betreut das Graffiti-Projekt und sorgt mit Jugendlichen dafür, dass der Bahnhofstunnel bunt wird. Quelle: Christin Schmidt
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Rathenow

Das Wort Graffiti löste bei den meisten Ärger, bei einigen sogar Wut hervor. Schuld daran sind die vielen illegalen Schmierereien an Fassaden, die mit der Kunstform Graffiti wenig zu tun haben.

In der havelländischen Kreisstadt gibt es etliche Beispiele für illegale Graffiti. Wer mit offenen Augen durch die Stadt fährt, findet sie in fast jeder Straße. Auch der Rathenower Bahnhofstunnel ist bei Sprayern beliebt.

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In den vergangenen Monate wurden die weißen Fließen gleich zweimal großflächig mit politischen und antisemitischen Parolen beschmiert.

In den letzten Monaten wurde der Bahnhofstunnel in Rathenow mehrfach großflächig mit politischen Parolen beschmiert. Quelle: Markus Kniebeler

Nun soll Jugendliche den Bahnhofstunnel ganz offiziell und legal mit Graffiti besprühen. Die Stadt Rathenow, die Deutsche Bahn, der Kreissportbund Havelland und das Diakonische Werk Havelland haben dazu ein gemeinsames Projekt gestartet.

Die angehende Erzieherin Anja Menz konnte dafür fünf Jugendliche gewinnen. „Ich habe mich im Freundeskreis umgehört und dann einige angesprochen. Sie waren sofort von der Idee begeistert und freuen sich nun, ihre Arbeit an so prominenter Stelle präsentieren zu dürfen“, erklärt die 35-Jährige.

Menz besucht die AWO Schule für Sozialwesen in Premnitz und hat im Rahmen eines sechsmonatigen Praktikums bei Streetworkerin Kathrin Wittek sich auch um das Graffiti-Projekt gekümmert.

Die Wahrzeichen der Stadt als Graffiti

Ihr Praktikum ist nun vorbei, das Projekt fängt aber eigentlich erst richtig an. Seit letzter Woche sind die fünf Sprayer dabei, die von der Bahn zur Verfügung gestellten Platten zu gestalten. Einen Monat haben sie Zeit, dann soll das Werk vollendet sein.

Anja Menz wird die Jungs dabei begleiten. „Ich habe die Sache angefangen und will das nun auch zu Ende bringen“, sagt die junge Frau.

20 Platten – je 2,50 mal 1,25 Meter groß hat die Bahn zur Verfügung gestellt. Darauf sprühen die Jugendlichen jetzt Schriftzüge aber auch Figuren und Wahrzeichen der Stadt Rathenow sowie Motive der Bahn – so war es vorab in einem Gespräch mit dem Unternehmen vereinbart worden.

Die Jugend will einbezogen werden

Die Stadt Rathenow unterstützt das Vorhaben mit 630 Euro aus dem Jugendhaushalt. Davon wurden die Materialien wie Spraydosen und Farbe – ein Projektteilnehmer arbeitet mit dem Pinsel – finanziert.

Bei der Auswahl der Teilnehmer hat Anja Menz darauf geachtet, dass es Sprayer sind, die in der Szene einen Namen haben. Das würde dazu beitragen, dass andere aus Respekt die Motive später nicht übermalen.

Darauf hoffen auch die jungen Sprayer. „Das Projekt ist eine gute Sache. Ich finde es wichtig, die Jugend einzubeziehen, das passiert zu selten. Für uns ist es natürlich super, dass wir uns mit unserer Kunst zeigen können. Ich sehe das als Anerkennung“, so einer der fünf Teilnehmer, die alle anonym bleiben wollen.

Illegale Schmierereien mit legalen Wänden eindämmen

Er findet es schade, dass viele Graffiti nur mit illegalen Schmierereien verbinden. Wenngleich er das durchaus verstehen kann.

„Wir werden es nicht schaffen, illegales Sprayen komplett zu verhindern. Wir können aber dazu beitragen, die künstlerische Ader der Jugend zu fördern, sie in die richtige Bahn lenken“, sagt KSB-Mitarbeiter André Neidt, der Anja Menz unterstützt.

Er hofft, dass sich das Projekt positiv auf andere Jugendliche auswirkt. „Es gibt die, die etwas Verbotenes tun wollen. Es gibt aber auch die, die einfach malen wollen und sich aus Mangel an Möglichkeiten illegal auslassen. Deshalb brauchen wir mehr legale Wände“, betont Neidt, der schon diverse Graffiti-Projekte begleitet hat.

Im Frühjahr sollen die besprühten Platten dann mit Bahnvertretern an die Tunnelwände geschraubt werden. Ähnliche Projekte in Berlin hätten spürbaren Rückgang illegalen Schmierereien bewirkt, so ein Bahnsprecher.

Von Christin Schmidt

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