Rathenows Förster schlagen Alarm: 30 Tonnen Müll im Wald entsorgt 
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Rathenow Förster schlagen Alarm: 30 Tonnen Müll im Wald entsorgt
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10:03 09.05.2020
Rathenows Stadtförster Thomas Querfurth und die Stinknormalen Superhelden schütteln den Kopf über Gartenabfälle im Stadtforst. Das ist nur eine Problemstelle von vielen. Quelle: Christin Schmidt
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Rathenow

Stadtförster Thomas Querfurth schüttelt den Kopf. Er kann es nicht fassen, was er in diesen Tagen mitten im Wald entdeckt hat: Alte Matratzen, ausrangierter Elektroschrott, Poolzubehör, alte Reifen, eine Waschmaschine und einen Kühlschrank, dazu weitere Säcke voll mit Dingen, die jemand loswerden wollte.

Statt all das bequem und kostenlos als Sperrmüll zu entsorgen, hat sich der Umweltsünder die Mühe gemacht und das gesamte Zeug in den Wald gekarrt.

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„Ich kann einfach nicht verstehen, warum Menschen so etwas tun“, sagt Querfurth mit ernstem Blick. Ein solcher Fund im Wald ist längst keine Seltenheit. Im Gegenteil. Gerade jetzt, wo die Gartensaison beginnt, leidet die Natur besonders.

Rathenows Stadtförster Thomas Querfurth hat mal wieder einen Haufen Müll im Stadtwald entdeckt. Quelle: Christin Schmidt

„Ich vermute, hier hat jemand seine Gartenlaube entrümpelt“, meint der Stadtförster. Inzwischen ist der Müllberg, der sich in der Nähe des Wasserwerks befand, verschwunden. Mitarbeiter des Landesforstbetriebs haben alles aufgeladen und zum Wertstoffhof nach Bölkershof gefahren.

Diese Arbeit ist längst keine Ausnahme mehr, sondern vielmehr die Regel. Allein im letzten Jahr holten die Waldarbeiter aus westhavelländischen Wäldern fast 30 Tonnen Müll. Das dies nicht ohne Folgen für die Pflanzen- und Tierwelt ist, sollte jedem klar sein.

„Die Förster und auch die Verwaltungen melden uns regelmäßig neue Fundstellen. Diese Infos sammeln wir und die Mitarbeiter des Landesbetriebs Forst sammeln dann alles ein. Oft sind sogar Traktoren, schwere Technik sowie Container für die Entsorgung nötig. Die Entsorgung übernimmt der Landkreis. Die Kosten werden dann natürlich auf alle Bürger umgelegt“, erklärt Antje Wilke, Försterin der Oberförsterei Rathenow.

Fast 30 Tonnen Müll in westhavelländischen Wäldern

Fünf Mitarbeiter kümmern sich um die rund 27 Hektar Wald der Oberförsterei Rathenow. Dazu gehören die Ämter Rhinow und Nennhausen, die Gemeinde Milower Land sowie die Städte Rathenow und Premnitz.

Allein 2019 holten die Waldarbeiter aus diesem Gebiet fast 30 Tonnen Müll.

Darunter 18 Tonnen Siedlungsabfälle, vier Tonnen Bauschutt, zwei Tonnen Teerpappe, zwei Tonnen Altreifen, 1,2 Tonnen Altholz, 0,7 Tonnen Asbest, 0,3 Tonnen Mineralien sowie 0,13 Tonnen Öle, Fette, Altfarben und andere Chemikalien.

Mitarbeiter des Landesbetriebs Forst sammeln regelmäßig illegal entsorgten Müll ein. Der Landkreis Havelland übernimmt die Entsorgung. Die Kosten werden dann mit den Müllgebühren auf alle Bürger umgelegt.

In den letzten Jahren habe dieser Frevel stark zugenommen. In den letzten Wochen, im Zuge des Corona-Lockdowns, sei es besonders schlimm gewesen. Viele nutzten die Zeit zu Hause zum Entrümpeln. Da auch die Wertstoffhöfe geschlossen waren, landete noch mehr in der Natur.

Auch Gartenabfälle wie Rasenschnitt kippen zahlreiche Bürger achtlos in den Wald. Diese zu entsorgen, gestaltet sich meist noch schwieriger. „Es gibt Stellen, da haben wir gar keinen natürlichen Waldboden mehr. Aber das scheint die Menschen nicht zu interessieren“, ärgert sich Thomas Querfurth.

Er weist daraufhin, dass alles, was nicht zum Wald gehört, dort auf keinen Fall abgeladen werden darf. „Viele denken, Grünschnitt und Ähnliches verrotte. Aber in den Abfällen sind Samen und Pflanzenreste drin, die zu Veränderungen in der Bodenvegetation führen“, warnt Antje Wilke.

Brennnessel statt gesunder Waldboden

Wer sehen will, wie sich das auswirkt, kann sich den Waldrand am Ferchesarer Weg anschauen. Dort liegen Unmengen Grünabfälle am Wegesrand, ringsum wuchern Brennnessel.

„Das hier sind Abfälle vom Rasen vertikutieren. Wer sich so etwas leisten kann, der kann es sich auch leisten, seine Abfälle ordnungsgemäß zu entsorgen“, sagt Thomas Querfurth.

Er ist sich sicher, die Vermüllung, unter der die Natur im Westhavelland leidet, ist kein Problem, für das einige wenige Bürger verantwortlich sind. „Das betrifft alle Schichten und alle Altersgruppen. Oft sind es auch Anwohner, die sich entleeren.“

Es gibt nichts, was nicht im Wald landet

Vom Grünschnitt über Hausmüll, Windeln und andere benutzte Hygieneartikel bis zum ausrangierten Fernseher. Es gibt nichts, was nicht im Wald landet. 

Was weder Thomas Querfurth noch Antje Wilke verstehen: Oft schmeißen die Menschen Dinge weg, die sie im Gelben Sack entsorgen können. Selbst Sperrmüll kann jeder zweimal im Jahr kostenlos direkt vor der eigenen Haustür abholen lassen. Das Ganze anzumelden, scheint aber für viele schon zu kompliziert zu sein.

Zugenommen habe in den letzten Jahre auch der gewerbliche Abfall von Handwerksbetrieben, so Antje Wilke. Sie weiß, die Verursacher auf frischer Tat zu ertappen, ist schwer. Die Revierförster halten aber stets die Augen offen. Das Thema Müll nimmt inzwischen einen großen Teil ihrer Arbeit ein.

Thomas Querfurth setzt jetzt auf die Zusammenarbeit mit den Stinknormalen Superhelden, um so das Thema noch mehr in die Öffentlichkeit zu bringen.

„Ich würde mir wünschen, dass alle Bürger genauer hinschauen. Wer sieht, dass der Nachbar seinen Hänger volllädt, sollte ihn ruhig ansprechen und fragen, was er damit vorhat“, schlägt der Stadtförster vor.

Er weiß, am Ende bezahlen alle dafür. Denn die Kosten für den Abtransport und die Entsorgung werden auf alle Einwohner im Landkreis Havelland umgelegt. Wer also nicht will, dass die Müllgebühren steigen, sollte seinen Müll ordnungsgemäß entsorgen und auch andere dazu anhalten.

Von Christin Schmidt

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