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Rathenow Reizgas in Notwehr versprüht – Freispruch
Lokales Havelland Rathenow Reizgas in Notwehr versprüht – Freispruch
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15:43 09.01.2020
Im Saal 1 des Rathenower Amtsgerichtes wurde der Fall verhandelt. Quelle: Christin Schmidt
Rathenow

Was sich am 14. Februar des vergangenen Jahres am Körgraben zugetragen hatte, wäre bei Polizei und Staatsanwaltschaft möglicherweise als normale Schlägerei abgeheftet worden. Aber es war Reizgas im Spiel und eine zerbrochene Bierflasche.

Erst ein Joint

Darum landete das Verfahren mit den Anklagepunkten schwere Körperverletzung vor Amtsrichter Axel Teckemeyer. Zugetragen hatte sich unbestritten das Folgende: die beiden Angeklagten saßen am Körgraben auf einer Bank, um sie herum offenbar auch ein paar leere Bierflaschen. Die beiden Männer aus Kamerun und Nigeria nahmen zusammen einen Joint, als zwei weitere Männer dazu kamen.

Ein Wortgefecht

Ab diesem Zeitpunkt gibt es von den Angeklagten und zwei Zeugen zu dem Tatverlauf diametral entgegengesetzt verlaufende Handlungsstränge. Die Angeklagten erklärten, sie hätten friedlich ihren Joint genommen, als einer der beiden anderen Männer auf sie zutrat und fragte, ob er mitrauchen dürfe. Das lehnte der eine Angeklagte ab. Vielmehr gab es ein Wortgefecht in dessen Verlauf der Angeklagte auch gefragt wurde, ob er etwas verkaufen wolle.

Ein Joint war der Grund für den Streit. Quelle: Torsten Leukert/dpa

Nachdem deutlich wurde, dass die beiden Männer auf der Bank nichts abgeben wollten, sei – so die Angeklagten – der eine Zeuge auf den rauchenden Angeklagten zugekommen. Beiden standen nun und schauten sich direkt ins Gesicht. Dabei verwendete der abgewiesene Käufer das unfeine Wort „Motherfucker“.

Abgeschlagene Bierflasche

Der Angeklagte wollte gehen, da stürzte der andere mit einer Bierflasche, die er abgeschlagen haben soll, auf den Angeklagten zu, um ihn von hinten zu verletzen. Im Gegenzug verpasste ihm der Angeklagte eine Ladung Reizgas und hebelte sein Bein aus. Noch am Boden liegend war der andere Mann einen Stein nach ihm. Geschlagen habe er niemand, sagte der Nigerianer. Der Mitangeklagte und der Begleiter hielten sich dabei weitgehend zurück und griffen nicht ins Geschehen ein, sie versuchten nur, die Situation zu beruhigen.

Andere Schilderung

Ganz anders schilderten die Zeugen – der Mann, der etwas Cannabis kaufen wollte und sein Begleiter – den Fall. Man sei auf die beiden Männer auf der Bank zugegangen und dann „haben wir geredet“, so der Zeuge. Jedenfalls sei einer plötzlich aufgestanden, habe ihn festgehalten und der andere habe ihm das Reizgas verpasst – ohne Grund. Zeuge Nummer zwei bestätigte das, er verhakelte sich aber auf Nachfragen des Richters in Widersprüche.

Das Rathenower Amtsgericht in der Bahnhofstraße. Quelle: Christin Schmidt

Auf die Frage von Richter Teckemeyer, wie der Zeuge sich erkläre, warum der Angeklagte eine ganz andere Version erzählt habe, gab es keine Antwort. Die hatte der Richter in einem Nachsatz parat: „Sie stehen hier demnächst in zwei Verhandlungen und müssen sich selbst verantworten, überlegen sie sich, ob das, was sie hier sagen, so stimmt.“

Zwei Versionen

Die Zeugen blieben bei ihrer Version. Zumindest einer von ihnen ist schon mehrfach aufgefallen. Der andere Zeuge räumte das sogar ein. Sein Begleiter habe schon viel „Mist gebaut“ aber diesmal habe man wirklich nichts gemacht. Alle blieben bei ihren Aussagen. Die Angeklagten – beide nicht vorbestraft – sowie die Zeugen, von denen zumindest einer schon öfter Bekanntschaft mit Polizei und Gericht gemacht hat.

Die Rechtslage

Da ein Angeklagter nur dann zu verurteilen ist, wenn die Schuld eindeutig bewiesen ist, stand für die Staatsanwältin fest, dass der Nigerianer, der das Reizgas versprühte, sich nur verteidigt, also in Notwehr gehandelt hat. Er habe den Angriff mit der abgeschlagenen Bierflasche abwehren wollen. Der Mitangeklagte sei gar nicht an den Ereignissen beteiligt gewesen.

Nicht geglaubt

So sah es auch der Richter. Der Aussage der Zeugen schenke er wenig Glauben, sagte er. Darum habe er auch erhebliche Zweifel an der Schuld der Angeklagten, zumal der eine der beiden nicht wirklich mitgemacht hatte.

Beide Männer wurden frei gesprochen und nahmen noch einen Rat von Richter Axel Teckemeyer mit nach Hause: „Ich würde an ihrer Stelle keine Joints mehr rauchen.“

Von Joachim Wilisch

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