Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Rathenow Premiere inmitten historischer Brillen
Lokales Havelland Rathenow Premiere inmitten historischer Brillen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:31 16.11.2018
Die Rathenower Autorin Rita König stellte im Optik Industrie Museum ihren zweiten Roman vor.
Die Rathenower Autorin Rita König stellte im Optik Industrie Museum ihren zweiten Roman vor. Quelle: Foto: Christin Schmidt
Anzeige
Rathenow

Besondere Anlässe sollten an besonderen Orten stattfinden. Das dachte sich Rita König und wählte für die Premierenlesung ihres zweiten Romans nicht wie sonst üblich eine Buchhandlung und auch kein schnödes Lokal, sondern das Optik Industrie Museum.

Zwischen historischen Brillengestellen und unter den Augen Dunckers las sie dort am Donnerstagabend aus „Fast schon ein ganzes Leben“ vor.

Im blauen Kleid und rotem Jäckchen stand die zierliche Rathenowerin vor dem Rednerpult, die Augen auf rund 30 Gäste geheftet. Ihr Blick verriet Freude und eine gehörige Portion Aufregung. Große Auftritte sind nicht ihre Sache, aber so eine Lesung gehört nun mal zum Schreiben dazu. Also Augen zu und durch.

Das Havelland dient als Kulisse

Gleich zu Beginn erklärte Rita König, warum sie ausgerechnet hier im Museum die Geschichte von dem ungleichen Paar Birgit und Paul vorlesen wollte.

Zum einen haben das Schreiben und das Museum einiges gemeinsam. Beide verlangen Fantasie und Neugierde vom Betrachter und Leser. Außerdem dienen das Havelland und die Optische Industrie in ihrem Roman als Kulisse.

Birgit und Paul ziehen nach ihrem Ökonomie-Studium in das Städtchen Havelfurth, das durchaus Ähnlichkeit mit der havelländischen Kreisstadt hat. Dennoch, der Roman „ist und bleibt Fiktion“, betonte Rita König, bevor sie ihre Zuhörer mitnahm in die DDR der 1970er Jahre.

Die Gäste nutzten die Gelegenheit mit der Autorin zu plaudern und sich ihr Exemplar signieren zu lassen. Quelle: Christin Schmidt

Ein verliebtes Paar inmitten grauer Betonblöcke. Die Musik von City und Silly, der Geruch von Kohlsuppe, Erinnerungen an die Enge des Studentenwohnheims und die Leichtigkeit der Jugend – Rita König durfte mit ihren Beschreibungen bei so manchem Gast Erinnerungen geweckt haben.

Sie laß mit ruhiger, fester Stimme und schien mit jedem Satz die Aufregung Stück für Stück abzulegen. Mühelos konnten die Zuhörer in Pauls Gedankenwelt eintauchen. Paul, der so stolz auf seine schöne, kühle Freundin ist, die später seine Frau wird.

Und Birgit, die eigentlich nie so richtig zufrieden ist, nicht mit der Altbauwohnung, die ihnen in Havelfurth zugeteilt wird – sie wollte doch in den Neubau. Und auch nicht mit dem neuen Haus an der Havel, in das die Familie nach der Wende zieht.

Das Buch weckt Erinnerungen

Birgit träumt von fernen Ländern, Reisen, Wohlstand. Während sich Paul darüber Gedanken macht, wie er das verkommene Gelände am Havelsee, an dem sie so viele schöne Stunden verbrachten, wieder zu einem Erholungsort machen kann.

Immer wieder huschte Rita König beim Lesen ein stilles Lächeln übers Gesicht, als schienen einzelne Passagen sie an die eigene Vergangenheit zu erinnern. Ähnlich ging es auch Peter Dietze, Vorsitzender des Fördervereins Heimatmuseum der Stadt Rathenow.

„Dieses Buch weckt Erinnerungen. Es ist zwar Fiktion, aber diese haben sie ganz wunderbar authentisch aufgeschrieben. Man findet sich wirklich darin wieder. Ganz toll!“ Lob gab es auch von Ilja Hübner, der extra aus Brandenburg/Havel gekommen war. Sogar aus Magdeburg und Leipzig waren Gästen da.

Susan Schwarzlose, Inhaberin der Buchhandlung Tieke, hatte mit ihren Mitarbeiterinnen einen Büchertisch vorbereitet und bereits zu Beginn der Veranstaltung das eine oder andere Exemplar verkauft. „Eine Lesung hier, in diesem Museum, das ist auch für uns ganz neu“, verriet die Buchhändlerin.

Von Christin Schmidt