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Rathenow Spielwaren-Sandbrink schließt nach 28 Jahren
Lokales Havelland Rathenow Spielwaren-Sandbrink schließt nach 28 Jahren
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17:03 08.01.2019
In Rathenow macht Spielwaren Sandbrink dicht. Quelle: Joachim Wilisch
Rathenow

Der graue, nasstrübe Tag war wie gemacht für diese Nachricht. Der Spielwarenladen von Petra Sandbrink in der Rathenower Innenstadt wird demnächst schließen. Prallgelb hängen die Plakate im Schaufenster des Geschäftes im Rathenower City Center am Märkischen Platz: Ausverkauf. Im Geschäft sieht es bereits traurig aus. Viele Regale sind leer, Restbestände sollen so weit es geht verkauft werden.

Familie Sandbrink möchte in Zukunft kürzer treten

Petra Sandbrink bestätigt: „Ja, wir werden schließen.“ Der Zeitpunkt war gekommen, zu dem der Mietvertrag gekündigt oder verlängert werden konnte. „Da war es günstig auszusteigen“, sagt Petra Sandbrink. Denn die Familie wolle in Zukunft kürzer treten.

Neben dem Spielwarenladen gibt es weitere Geschäfte in der Innenstadt, die von der Familie Sandbrink betrieben werden. Dreh- und Angelpunkt ist das Modegeschäft in der Berliner Straße, schräg gegenüber vom City Center. „Das bleibt“, sagt Petra Sandbrink.

Petra Sandbrink (2.v.li.) und ihr Team. Das Foto entstand 2016 anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Ladens. Quelle: Norbert Stein

Spielzeughandel in kleinen Städten mit Problemen

Das Personal, welches bisher in dem Spielzeuggeschäft angestellt war, werde in die anderen Läden mitgenommen. „Niemand wird entlassen“, bestätigt Petra Sandbrink. Allerdings räumt sie ein, dass der Spielzeugeinzelhandel mit erheblichen Problemen zu kämpfen hat.

„Das gilt bundesweit, insbesondere in kleineren Städten in der Größe von Rathenow.“ Der Internethandel, Fachabteilungen in großen Märkten und die nahe Großstadt mit einem umfangreichen Angebot seien einige Gründe.

Bürgermeister Seeger hofft auf Nachfolgemieter

Wenn Sandbrink den Spielwarenladen geschlossen hat, dann wird die gesamte Front des City Centers zur Berliner Straße – abgesehen von der Thonke-Filiale – leer stehen. „Das macht keinen guten Eindruck“, räumt auch Rathenows Bürgermeister Ronald Seeger (CDU) ein. Er hoffe, dass es dem Center-Management gelingen wird, einen Nachfolgemieter zu finden.

Wenn Spielwaren-Sandbrink (hinten) verschwunden ist, dann sind alle Ladenflächen an der Hauptfront des City Centers zur Berliner Straße leer. Quelle: Joachim Wilisch

Das hofft auch Petra Sandbrink. Sie kümmert sich um den Einzelhandelsverband in Rathenow, arbeitet im Verein „Unternehmer für Rathenow“ mit und hat ein großes Interesse daran, dass die leeren Ladenflächen wieder vermietet werden. „Vielleicht gelingt es ja, die leere Fläche zu einem Geschäft zusammenzuziehen und dann könnte da ein größerer Mieter rein“, sagt die Einzelhändlerin.

Centermanagement verhandelt mit Interessenten

Ob sich allerdings schnell neue Mieter für das City Center finden, ist offen. Aus dem Centermanagement ist das zu hören, was fast immer zu solchen Gelegenheiten vermittelt wird: es gibt angeblich „eine Reihe von Interessenten“, mit denen Gespräche geführt werden.

Verträge sind aber noch nicht abgeschlossen. Auf Nachfrage hieß es, ernsthafte Gespräche werden „jeden Tag“ geführt und alle Gesprächspartner hätten „ernsthaft Interesse bekundet“. Weitere Informationen gebe es nicht, das Centermanagement verweist „auf den Datenschutz“.

Kommunalpolitiker beim Thema Leerstand gefordert

In den sozialen Netzwerken wird die Entscheidung, das Geschäft zu schließen heftig diskutiert. Und viele Rathenower und Westhavelländer, die sich hier zu Wort melden, bedauern das, was passiert. „Vielen Dank für die immer gute Beratung“, heißt es in einem Kommentar. „Fürs Zurücklegen, fürs Bestellen, fürs Einpacken, fürs Kleingeld zählen, wenn der Kleine sein Sparschwein plündert und Danke für die großen Kinderaugen, wenn er sein neue Spielzeug abholen durfte.“ Ebenso betroffen reagieren Modelleisenbahnfreunde – und da sind längst nicht nur Kinder dabei. „Ich habe da immer gerne gestöbert“, heißt es in einem weiteren Kommentar.

Auch das Körcenter in Rathenow hatte einst viele Einzelhandelsflächen. Inzwischen wird es in Teilen zur Seniorenbetreuung genutzt. Quelle: Markus Kniebeler

Immer wieder wird die Forderung laut, die Stadtverordneten sollen sich mit dem Leerstand in der Innenstadt beschäftigen. Nachdem es nicht gelungen sei, das Körcenter wieder als Einzelhandelszentrum zu beleben, nachdem es auf dem Fielmann-Askania-Gelände hinter dem Rathaus nicht richtig weiter geht und nachdem im City Center nun Geschäfte in prominenter Lage leer stehen, sei es höchste Zeit, dass sich Kommunalpolitiker des Themas annehmen.

Petra Sandbrink blickt zufrieden zurück, auch wenn es in der Spielwarenbranche nicht leicht war. „Ich bin froh, dass wir über so viele Jahre in Rathenow dieses Angebot noch unterbreiten konnten.“

Von Joachim Wilisch

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