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Rathenow Sterntaler für die „Spirelli-Bande“
Lokales Havelland Rathenow Sterntaler für die „Spirelli-Bande“
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18:08 27.11.2018
Die Spirelli-Bande in der Rathenower Weinbergschule.
Die Spirelli-Bande in der Rathenower Weinbergschule. Quelle: Markus Kniebeler
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Rathenow/Premnitz

Bei dem Begriff „Spielli“ denkt der Zeitgenosse an eine Nudelsorte. Passt auch irgendwie. Denn mit der „Spirelli-Bande“ wird seit einiger Zeit in Rathenow ein Angebot in Verbindung zu bringen sein, dass es darüber hinaus im Havelland auch in Premnitz gibt. Die „Spirelli-Bande“ der Arbeiterwohlfahrt sorgt dafür, dass Kinder in der Grundschule am Dachsberg (Premnitz) und in der Grundschule am Weinberg am Morgen ein Frühstück bekommen. Kostenlos, finanziert wird es mit Zuschüssen und Spenden.

Rotary macht auch mit

Und für dieses Angebot sammelt die Märkische Allgemeine im Westhavelland mit der traditionellen Adventsaktion „Sterntaler“ Spenden. Unterstützt wird die MAZ dabei vom Rotary Club Havelland, der für die Spenden das Konto seines gemeinnützigen Vereins „Rotary Sozialfonds“ zur Verfügung stellt.

Warum überhaupt ein kostenloses Frühstück an der Grundschule? Tatsächlich hatte sich herausgestellt, dass viele Kinder am Morgen in der Schule ankommen, ohne ein richtiges Frühstück zu sich genommen zu haben. Da aber das Frühstück die wichtigste Mahlzeit des Tages ist, sahen sich Schulverantwortliche zum Handeln gezwungen. Die Idee: das kostenlose Frühstücksangebot.

Nie locker gelassen

Lehrer und Unterstützer der Rathenower Grundschule am Weinberg haben in den vergangenen Monaten beim Kampf um ein kostenloses Frühstücksangebot für ihre Schüler nicht locker gelassen. In diesem Jahr wurde die Schule Mitglied der Spirelli-Bande. Unter diesem Slogan hatte die Arbeiterwohlfahrt Potsdam vor elf Jahren in der Landeshauptstadt erstmals in einer Schule ein kostenloses Frühstücksangebot eingeführt.

Geld für die Spirelli-Bande in der Rathenower Weinbergschule. Quelle: Markus Kniebeler

Die Awo Potsdam ist auch Träger des Rathenower Projektes. Mit von zwei geringfügig Beschäftigten wird in der Lehrküche der Schule jeden Morgen ein Frühstücksbüffet aufgebaut. Anke Sievert und Marlis Jung kümmern sich darum. Sie kaufen ein, was zu einem gesunden Frühstück gehört. Um 6 Uhr beginnen sie dann mit der Vorbereitung des Büffets. Obst und Gemüse werden geschnippelt, Brötchen geschmiert, Kaffee und Tee müssen zubereitet werden – und appetitlich präsentiert werden soll das Ganze ja auch.

Gesunder Start

Rund 30 Kinder nutzen das Angebot jeden Tag. Kerstin Pollak rechnet damit, dass es im Laufe der Monate noch mehr werden. „Es muss sich erst einmal herumsprechen“, sagt sie. Franziska Löffler von der Arbeiterwohlfahrt Potsdam ist froh, dass das Angebot im Westhavelland funktioniert. Jeder, der Lust und Appetit hat, kann sich am Büffet bedienen. „Niemand muss nachweisen, dass er bedürftig ist“, erklärt Franziska Löffler von der Awo Potsdam, die das Rathenower Projekt mit aus der Taufe gehoben hat. Es gehe darum Kindern zu einem gesunden Start in den Tag zu verhelfen – unabhängig von Herkunft und sozialem Status.

Gefrühstückt wird vor Schulbeginn in der Zeit von 6.30 bis 7.15 Uhr. „Die Kinder sollen genug Zeit haben, den Schultag in ruhiger und entspannter Atmosphäre zu beginnen“, sagt Franziska Löffler. Bei dem Frühstück gehe es nämlich nicht ausschließlich um gesunde Ernährung. Die soziale Komponente sei ebenso wichtig.

In Premnitz war der Vorläufer zur Spirelli-Bande der Ketchup-Club. Quelle: Bernd Geske

Wer sein Herz ausschütten will, der findet bei den beiden Betreuerinnen ein offenes Ohr. Und auch der Schulsozialarbeiter ist zugegen, der bei dem ein oder anderen schulischen und außerschulischen Problem hilfreiche Ratschläge geben kann.

Wichtige Chance

Franziska Löffler ist überzeugt, dass dieses Angebot notwendig ist: „Wenn Eltern selber nicht gelernt haben, wie wichtig ein ordentliches Frühstück ist, dann können sie das ihren Kindern nicht vermitteln“, hält die energische junge Frau denen entgegen, die betonen, das Frühstück sei doch ureigene Sache des Elternhauses.

Inzwischen hat die Arbeiterwohlfahrt Potsdam auch das Frühstücksangebot in der Grundschule am Dachsberg übernommen. In Premnitz läuft das Projekt schon länger und war hier unter dem Namen „Ketchup-Club“ bekannt. Nun sind es auch hier die „Spirellis“. Rund 100 Kinder werden hier versorgt.

Viel Geld notwendig

Geld für die Frühstücksversorgung stammt von Land, Stadt und privaten Sponsoren. Die Rathenower Bäckerei Thonke etwa stellt Brot und Brötchen kostenlos zur Verfügung. „Schön wäre es, wenn die Kommune sich irgendwann der Sache ganz annehmen würde“, sagt Franziska Löffler. „Und dann am besten in allen Schulen.“ Unmöglich scheint das nicht: zum Beginn dieses Schuljahres hat in Potsdam auf Drängen vieler politischer Verantwortlicher die Stadt an nunmehr 14 Schulen die kostenfreie Frühstückversorgung übernommen. Die Awo muss es dort nicht mehr machen und kann sich auf das Westhavelland konzentrieren. macht das dort nicht mehr.

Bis dahin werden wir Sterntaler sammeln. Ab sofort ist das Spendenkonto offen. Über den Verlauf der Sterntaleraktion werden wir regelmäßig berichten – und zwar über freundliche Spender und über diejenigen, die das „Spirelli“-Angebot organisieren.

Bitte hier spenden

Spendenkonto: Verein Rotary Sozialfonds IBAN DE 51 1609 1994 0001 0204 20 bei der Volksbank Rathenow, BIC GENODEF1R1. Bitte unbedingt das Kennwort „Sterntaler“ im Verwendungszweck angeben. Wichtig ebenso der vollständige Name und die Anschrift der Spender, damit eine Spendenquittung ausgestellt werden kann.

Von Joachim Wilisch