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Rathenow Immer mehr Trappen bevölkern das Havelland
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15:14 27.03.2019
Nachwuchs im Vormarsch. Die Zahl der Großtrappen ist im Vergleich zum Vorjahr erneut gewachsen.
Nachwuchs im Vormarsch. Die Zahl der Großtrappen ist im Vergleich zum Vorjahr erneut gewachsen. Quelle: THOMAS KRUMENACKER
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Buckow

 Gute Nachrichten für die Freundinnen und Freunde der in Deutschland noch immer vom Aussterben bedrohten Großtrappe. Ihr Bestand ist erneut gewachsen. Der Förderverein Großtrappenschutz hat bei seiner traditionellen Zählung am Ende des Winters diesmal 305 Trappen festgestellt. Das sind 46 mehr als vor einem Jahr.

„Wir freuen uns über den positiven Trend“, sagt Henrik Watzke, Geschäftsführer des Fördervereins Großtrappenschutz. In den Jahren 2011/2012 habe er eingesetzt und halte weiterhin an. 1997 hatte die Trappenzahl mit nur noch 57 Tieren einen Tiefstand erreicht.

Die Trappen haben ausreichend Futter gefunden. Quelle: THOMAS KRUMENACKER

Deutschlandweit betrachtet, sind die Großtrappen nur in drei Einstandsgebieten zu finden, die alle im Land Brandenburg liegen. Da ist zuerst natürlich das Havelländische Luch mit der Aufzuchtzentrale an der Staatlichen Vogelschutzwarte bei Buckow im Amt Nennhausen. Dazu kommen die Belziger Landschaftswiesen. Und nicht zuletzt gehört das Fiener Bruch dazu, das sich zu einem Teil im Land Brandenburg und zum anderen Teil in Sachsen-Anhalt befindet. Die Zählung der Tiere hat zur gleichen Zeit in den drei Einstandsgebieten stattgefunden. Es gibt nämlich einen regen Austausch der Vögel. Sie fliegen hin und her zwischen den drei Gebieten, das erweitert unter anderem den Genpool für die Vermehrung.

Im Havelländischen Luch sind diesmal 110 Trappen gezählt worden. Auf den Belziger Landschaftswiesen waren es 88. Im Fiener Bruch wurden 107 Vögel gezählt, was insofern beachtlich ist, weil dort der Trappenbestand um das Jahr 2004 schon fast erloschen war.

Der Winter war mild, was für die Arterhaltung natürlich förderlich war. Es habe fast gar keinen Schnee gegeben, erklärt Henrik Watzke. So hätten die Trappen immer gut ihr Futter finden können.

Von einer Winterflucht konnte diesmal keine Rede sein. In den Jahren 2009 und 2010 beispielsweise, als es strenge Winter gab, haben sich nicht wenige Großtrappen in wärmere Gegenden Europas abgesetzt. Auf den Flugstrecken gehen Tiere verloren und lange nicht alle kehren wieder hierher zurück von ihren Winterplätzen in den Niederlanden oder Frankreich.

Ein Blick in den Brutschrank, in dem Trappeneier ausgebrütet werden. Quelle: THOMAS KRUMENACKER

Wohl auch weil der Winter mild war, ist die Überlebensrate der im Herbst ausgewilderten Jungtrappen relativ hoch gewesen. Von den 45 ausgewilderten Jungtieren sind bei der Frühjahrszählung jetzt 32 vorgefunden worden. Das sind über 70 Prozent, ein sehr guter Wert. „Je mehr Tiere wir jetzt haben“, blick Henrik Watzke schon wieder voraus, „je besser ist das für den Bestand, wenn mal wieder ein strengerer Winter kommt.“

Weil der Bestand im Havelländischen Luch schon seit Jahren relativ hoch und stabil ist, werden hier so gut wie keine handaufgezogenen Jungtrappen mehr ausgewildert.

Erst wenige Tage alt sind diese kleinen Trappenküken hier. Weil der Sommer trocken und der Winter mild war, sind diesmal viele von ihnen groß geworden. Quelle: THOMAS KRUMENACKER

Aufzuführen ist bei dieser Statistik auch, dass der Trappenbestand in den letzten Jahren nicht allein durch die von Menschen aufgezogenen und ausgewilderten Küken wächst. Im vergangenen Jahr sind 37 wild aufgewachsene Jungvögel flügge geworden. Im Havelländischen Luch waren es 22, im Fiener Bruch elf und auf den Belziger Landschaftswiesen vier. Weil der natürliche Bruterfolg im Havelländischen Luch ausreicht, werden hier bis auf Einzelfälle keine Jungtrappen mehr ausgewildert.

Die relativ hohe Zahl von in freier Natur aufgewachsenen Jungtrappen, die flügge werden, hat indes auch einen handfesten Grund. In allen drei Einstandgebieten sind mehr oder weniger große Flächen komplett eingezäunt worden. In jedem Gebiet gibt es heute jeweils zwei solche eingezäunte Flächen. Sie sind zwischen zwölf und 30 Hektar groß.

Im Herbst sind 45 junge Trappen ausgewildert worden. Quelle: THOMAS KRUMENACKER

In den eingezäunten Gebieten können die Trappenhennen relativ ungestört brüten. Dort wird während der Brutzeit nicht gemäht und der Fuchs – so wie auch andere Beutegreifer ohne Flügel auch – kommt dort nicht hinein.

Der lange, warme und anhaltend trockene Sommer des vergangenen Jahres, der für Natur und Landwirtschaft eher ungünstig war, hat den Trappen indes eher wenig Probleme bereitet. „Das sind Steppenvögel“, erinnert Henrik Watzke, „die kommen damit ganz gut zurecht.“

Von Bernd Geske