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Rathenow Von Russland lernen
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09:39 11.07.2018
Christin Schmidt MAZional11 Quelle: privat
Rathenow

Der Fußball und ich, wir werden wohl doch keine Freunde. Das liegt nicht unbedingt am Fußball, sondern viel mehr an der Tatsache, dass ich ein schlechter Verlierer bin. Das war schon als Kind so. Wenn ich beim Mensch-ärgere-Dich-nicht spielen raus flog, habe ich nicht selten gebockt. Ich kann mich noch gut an dieses Gefühl erinnern, die Enttäuschung und diese leichte innere Wut.

Am Samstag hatte ich genau dieses Gefühl wieder. Ausgelöst durch die Niederlage der russischen Nationalelf gegen Kroatien. Ich hatte die Russen nach dem Ausscheiden der Deutschen zu meinem Ersatz-Favoriten auserkoren. Nicht nur weil ihr Trainer Stanislaw Tschertschessow so eine durfte Type ist. Ich war einfach begeistert von der Stimmung im Land und wünschte mir, dass der Gastgeber es ins Finale schafft.

Aber der Fußballgott wollte mir diesen Herzenswunsch nicht erfüllen und deshalb war ich Samstag richtig bockig. Schon zum zweiten Mal hatte ich mich einem nervenaufreibenden Elfmeter-Krimi hingegeben, in der Hoffnung wieder jubelnd vom Sofa aufzuspringen. Stattdessen musste ich am Ende Frust und bittere Enttäuschung runterschlucken. Hätte ich ein Mensch-ärgere-Dich-nicht-Spiel vor mir gehabt, ich hätte die Figuren vom Tisch gefegt.

In meinem Ärger rief ich einen Freund in Russland an, um gemeinsam zu trauern und zu jammern – geteiltes Leid ist schließlich halbes Leid. Ich war darauf eingestellt, ein paar tröstende Worte zu finden, doch das war gar nicht nötig. In Russland war die Stimmung bestens: „Es war doch ein spannendes Spiel und das wir überhaupt so weit gekommen sind, ist bemerkenswert. Wir sind stolz auf unsere Mannschaft und feiern jetzt diesen Erfolg.“

Ich war baff. Natürlich hatte er recht, aber es wäre doch so schön gewesen. Offenbar ist mein russischer Freund ein besserer Verlierer als ich. Inzwischen habe auch ich die Niederlage verdaut und mir nun vorgenommen, von Russland zu lernen.

Von Christin Schmidt

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