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Rathenow Weltzeituhr-Designer Erich John kehrt zurück
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08:03 29.06.2019
Rolf Merkel (links) mit Heike Schüler und Erich John an original Weltzeituhr-Tafeln auf dem Karpfenteich im Optikpark. Quelle: Uwe Hoffmann
Rathenow

Konsumprodukte in der DDR wurden, beginnend beim Design, zeitlos sachlich und, auch auf Grund der knappen Ressourcen, auf Funktionalität und Langlebigkeit entwickelt. Wohl jeder DDR-Bürger kam mit einem Produkt des Industrie-Designers Erich John in Kontakt. Aber keiner kannte seinen Namen.

Das ROW-Mikroskop

Für den Autor dieser Zeilen ist es die Kindheitserinnerung an die Aluminum-Eisschalen, in denen die Lieblings-Milchbar der Familie das Eis servierte. „In der 5. Klasse habe ich mit dem DDR-Schülermikroskop, dass ab 1969 durch ROW Rathenow produziert und an Klassen ausgeliefert wurde, ein eigenes Haar oder einen Wassertropfen in bis zu 225-facher Vergrößerung betrachtet“, erinnert sich Heike Schüler.

Heike Schüler las im Optikpark. Quelle: Uwe Hoffmann

Die Journalistin, ist seit mehreren Jahren Fernsehreporterin in Berlin und Brandenburg. In ihrem Buch „Weltzeituhr und Wartburg-Lenkrad. Erich John und das DDR-Design“ schildert sie auf 78 reich bebilderten Seiten das spannende Leben des Designers Erich John und geht der Frage nach, ob es ein DDR-Design gab.

Lesung im Park

Auf der Weißen Bühne im Optikpark stellte Heike Schüler das Buch im Rahmen einer Lesung und im Gespräch mit Erich John vor. Mitgebracht hatte sie einige der Produkte, die John als „Formgestalter“ entwickelte und die man immer noch, teilweise nachproduziert, im Internet findet. So auch den Elektrorasierer „Bebosher Favorit“ oder unter anderem das Lenkrad für den Wartburg 353, das 1966 bis 1988 mehr als eine Million mal so eingebaut wurde.

Der Werdegang

„Für die RBB-Abendschau sollte ich 2015 die Zuschauerfrage beantworten, wie die Weltzeituhr auf dem Berliner Alexanderplatz funktioniert“, erzählt Heike Schüler. „Durch einen Zufall konnte ich spontan auch ihren Entwickler und Erbauer Erich John kennenlernen. Durch seine offene freundliche Art kam ich ihm und seinen vielen durch ihn gestalteten Produkte näher.“

Die Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz wurde in Rathenow entwickelt und gebaut. Quelle: Uwe Hoffmann

Mit Hilfe seines umfangreichen und gut organisierten Archivs entstand zuerst eine zweite Reportage über Erich John und 2016 gab es erste Interviews zu dem Buch, das nun zum 50-jährigen Bestehen der Weltzeituhr herausgebracht wurde.

Zum Feierabend

Als Erich John 1968 den Gestaltungswettbewerb für eine neue Urania-Weltzeituhr auf dem Berliner Alexanderplatz gewann, entstand diese innerhalb von neun Monaten, auch mit rund 70 in drei Rathenower Firmen Beschäftigten. In Feierabendarbeit fertigten die Rathenower mit John so das Stahlgerüst für die Weltzeituhr.

Fragen an den Designer

Nach der rund einstündigen Lesung und den Fragen der rund 70 Zuhörer nahm rund jeder Zweite nicht nur ein Exemplar des Buches mit. Einige kauften gleich zwei, drei Bücher, um sie, signiert von Autorin und Designer John, zu verschenken. Nicht nur Rolf Merkel, sondern acht am Bau der Weltzeituhr beteiligte Rathenower kamen zur Lesung, um ihren „Chef“ wieder zu treffen. „Bei der Wasseraufbereitung Rathenow war ich als technischer Zeichner am Bau der Weltzeituhr beteiligt“, sagt der Großwudicker Ulrich Teltzrow.

Zur Buchlesung kamen acht Rathenower, die am Bau der Weltzeituhr beteiligt waren. Quelle: Uwe Hoffmann

Der 1932 in Nordböhmen geborene Erich John kam als Vertriebener zunächst nach Mecklenburg. In Neukloster erlernte er den Beruf des Bauschlossers. Nach einem Studium für Metallgestaltung/Kunstschmiede an der Fachschule für angewandte Kunst in Wismar und anschließend an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst in Berlin-Weißensee, war John als Industrie-Formgestalter in Berlin und Chemnitz tätig.

Noch mehr Geräte

1961 bis 1992 entwickelte er, gemeinsam mit dem ROW-Ingenieur Rolf Merkel, eine Reihe von, teilweise ausgezeichneten, optischen Geräten. Das erste Produkt war die Neugestaltung eines Theaterglases, das „Luxostar“, das auf der Leipziger Messe eine Goldmedaille erhielt. 1965 bis 1992 war John als Dozent, seit 1973 als Professor für Formgestaltung an der Kunsthochschule Weißensee tätig.

Die Autorin

Heike Schüler, 1970 in Wolfen geboren und in Potsdam aufgewachsen, begann 1988 bei der „Märkischen Volksstimme“ in Potsdam und schrieb zirka zehn Jahre für die Regionalausgabe Potsdam-Land. Heike SchülerWeltzeituhr und Wartburg-Lenkrad. Erich John und das DDR-Design“ ist im März im Jaron Verlag, Berlin, erschienen.

Von Uwe Hoffmann

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