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Havelland Ratlos im Funkloch von Kleßen
Lokales Havelland Ratlos im Funkloch von Kleßen
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17:59 09.04.2018
Bürgermeister Joachim Tessenow (l.), traf sich am Montag mit dem Landtagsabgeordneten Ralf Holzschuher (SPD) und der Leitung des Amtes Rhinow. In dem Gespräch ging es um die Mobilfunkversorgung der Gemeinde Kleßen-Görne. Quelle: Norbert Stein
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Rhinow

Joachim Tessenow ist ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Kleßen-Görne. Er führt ein Unternehmen zur Wärmeversorgung von Baustellen in Deutschland und im Ausland. Wenn er sich in Berlin, Bremen, anderen Städten und auch in Polen entschuldigen muss, weil er wieder einmal über Mobilfunk nicht erreichbar war oder ist, erntet er bei seinen Geschäftspartnern wenig Verständnis.

Eine Frage des Zufalls

Sie verstehen nicht, dass es eine Frage des Zufalls ist, ob mobile Telefonverbindungen in Kleßen-Görne zustande kommen oder nicht. Wenn er vor seinem Haus auf der Straße ein paar hundert Meter läuft oder hinter sein Grundstück geht, könnte es mit etwas Glück funktionieren.

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Meistens aber nicht, erklärte der Bürgermeister am Montag dem Landtagsabgeordneten Ralf Holzschuher (SPD) in einer Gesprächsrunde im Dorfgemeinschaftshaus in Kleßen. Holzschuher konnte gewiss sein, dass er während des Gespräches nicht von einem Telefonanruf gestört wird. Sein Mobiltelefon hatte, wie auch die aller anderen Teilnehmer der Gesprächsrunde, keinen Empfang im Dorfgemeinschaftshaus, das Kleßen auch als Wahllokal nutzt. „So geht es allen Einwohnern“, sagte Tessenow weiter, weil Kleßen-Görne und das Umland zwischen Stölln und Friesack in einem Funkloch liegt.

Tessenow: Staatliche Verpflichtung

Mobilfunk und Internet seien für die Menschen auch auf dem Dorf privat und beruflich sehr wichtig, erklärte der Bürgermeister. „Das gehört wie Wasser und Strom zur Grundversorgung.“ Dies zu gewährleisten sei eine staatliche Verpflichtung.

Das Problem ist auch Jenas Aasmann hinlänglich bekannt. Seit sieben Jahren ist er Amtsdirektor in Rhinow und berichtete in der Gesprächsrunde von zahlreichen Bemühungen, um in Kleßen-Görne und dem Umland funktionierende Mobilfunkverbindungen zu gewährleisten. Die Region sei für einen wirtschaftlichen Ausbau des Funknetzes zu dünn besiedelt, bekamen er und der Bürgermeister bisher immer als Antwort von Mobilfunkanbietern.

Naturpark als Hindernis?

Da die Gemeinde im Naturpark Westhavelland liegt, auch das ein Hindernis, so die Mobilfunkanbieter. Ein Argument, das Jens Aasmann nicht gelten lässt. „Auch im Naturpark könnte ein zusätzlicher Sendemast errichtet werden, von dem aus Kleßen-Görne mit Mobilfunk versorgt wird“, sagt der Amtsdirektor.

Für den Kleßener Ortsvorsteher Michael Austen ist auch nicht die Besiedlungsdichte der Dörfer das Problem, sondern ihre geografischen Lage mit Bergen, die höher sind, als die Funkmasten in Rhinow und Friesack. So komme keine Verbindung zustande.

Feuerwehr hat Probleme

Auch die Feuerwehr hat ein Problem, denn in ihren Einsatzfahrzeugen nutzen sie Digitalfunkgeräte. Zwischen Stölln und Kleßen klappt das nicht richtig. Als sich im Jahr 2016 auf der Landesstraße 17 vor Kleßen ein Unfall ereignet hatte, konnte Amtsbrandmeister Michael Mirschel den Digitalfunk in seinem Fahrzeug nicht nutzen, weil keine Verbindung mit der Leitstelle zustande kam.

Die Telekom hat dem Amt zwar signalisiert, das Mobilfunkloch schließen zu wollen, aber nicht vor dem Jahr 2020. „Drei Jahre sind zu viel Zeit, in der die Telekom auch ihre Prioritäten wieder ändern könnte“, meint Jens Aasmann. Landespolitikern ist bekannt, dass es in Kleßen-Görne ein Funkloch gibt. Der CDU-Landtagsabgeordnete Dirk Homeyer hat auf eine Anfrage bei der Landesregierung erfahren, dass man die Mobilfunkanbieter in der Pflicht sieht, das Problem zu lösen. Homeyer ist Mitglied im Wirtschaftsausschuss des Landtages, den Ralf Holzschuher leitet.

Weitere Gespräche angekündigt

Holzschuher will nun mit Homeyer sprechen, um möglichst gemeinsam einen Weg zu finden, damit Kleßen- Görne nicht länger ohne Mobilfunkversorgung bleibt. Zusagen konnte er am Montag in Kleßen nichts, er versprach dem Bürgermeister aber, bald zu antworten.

Von Norbert Stein