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Havelland Rentner um mehrere zehntausend Euro betrogen
Lokales Havelland

Rentner im Havelland um mehrere zehntausend Euro betrogen

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15:51 20.08.2020
Die Polizei ermittelt in dem Betrugsfall.
Die Polizei ermittelt in dem Betrugsfall. Quelle: dpa
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Havelland

„Für meine Enkelin tue ich alles“, sagte ein 82-jähriger Havelländer gegenüber einer Polizistin, nur wenige Stunden nachdem er einer unbekannten Frau mehrere zehntausend Euro übergeben hatte. Er war auf Betrüger reingefallen. Angefangen hatte die Betrugsmasche am Mittwoch mit einem Anruf einer Unbekannten, die sich als Sekretärin eines Rechtsanwalts ausgab. Sie teilte dem betagten Mann mit, dass seine Enkelin im Gefängnis in Brandenburg untergebracht ist. Durch seine Enkelin soll eine Unfallflucht begangen worden sein und sie müsste jetzt drei Wochen in der Justizvollzugsanstalt bleiben. Dies könnte der angerufene Rentner abwenden, indem er eine Kaution von mehreren zehntausend Euro zahlt.

Anruf offenbar gut vorbereitet

Um die Kontrolle über den Rentner zu behalten, forderte die angebliche Sekretärin den Mann auf, nicht aufzulegen und besprach mit ihm ausführlich die Modalitäten der Geldübergabe. Offenbar wurde der Anruf gut vorbereitet, denn der spätere Geschädigte konnte Hintergrundgeräusche wahrnehmen, die auf ein „geschäftiges Büro“ schließen ließen und wurde dadurch nicht misstrauisch. Sogar als sein Sohn während des Telefonates ins Zimmer kam, bemühte er sich, das Telefonat vor ihm zu verheimlichen.

Rentner übergab das Geld vor der Haustür

Dann wurde ein Übergabeort in der Nähe des Wohnortes des Mannes vereinbart – offensichtlich, um ihn aus der Wohnung zu locken und zu beobachten. Denn am vereinbarten Ort war niemand, der das Geld, welches der 82-Jährige inzwischen in einen Umschlag gepackt hatte, haben wollte. Erst als er zu seiner Wohnung zurücklief, wurde er von einer unbekannten Frau vor seiner Haustür angesprochen. Ein von der angeblichen Sekretärin vereinbarter Zahlencode sollte die Echtheit des Sachverhalts noch bestätigen und wurde von der Frau genannt. Der Rentner übergab nun das Geld an sie und die unbekannte Frau ging ihrer Wege.

Erst als sich die Enkelin am selben Tag bei ihrem Opa meldete – ihr ging es gut und sie war natürlich nicht im Gefängnis – flog der Betrug auf und war dem Rentner sehr peinlich. Die Polizei hat eine Anzeige wegen Betruges aufgenommen und sucht nun nach den Tätern, die mit unterdrückter Nummer angerufen hatten.

Die Polizei warnt vor derartigen Betrugsmaschen

Die Polizeidirektion West warnt nochmals vor derartigen Betrugs-Maschen, die von den Tätern immer mehr perfektioniert werden und immer realer wirken. „Grundregel, die sich jeder – ob alt oder jung – merken sollte, ist das niemals Bargeld an fremde Leute übergeben werden soll, die eine Notlage am Telefon vorgeben. Bei Anrufen, in denen Geld gefordert wird, sollte sofort aufgelegt und die Polizei verständigt werden“, sagte Polizeisprecher Heiko Schmidt. Dies sollte immer über die 110 erfolgen. Angehörige sollten ihren älteren Verwandten dieses häufiger in Erinnerung rufen und Angestellte von Geldinstituten, die hohe Barauszahlungen an Kunden leisten sollen, sollten den Grund bei älteren Leuten hinterfragen und im Zweifel ihre Vorgesetzten zu Rate ziehen, rät der Polizeisprecher.

Von MAZ