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Rhinow Auf Fischzug mit Wolfgang Schröder
Lokales Havelland Rhinow Auf Fischzug mit Wolfgang Schröder
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13:44 27.09.2019
Eines der beiden je 250 Meter lange Netze wird ausgebracht. Quelle: Ingo Freihorst
Strodehne

Für Touristen ist es etwas Besonderes. Fischermeister Wolfgang Schröder begrüßt regelmäßig Gäste zum Erlebnisfischen. 14 Personen sind es diesmal, die mit ihm aufs Wasser wollen. Mit „Belinda“ und „Lisa“ – so sind die Boote getauft – geht es hinaus auf den Gülper See. Zwischen ihnen schwimmen zwei weitere schwarze stählerne Fischerboote, welche mit einem Berg Netzen und den Freizeitfischern beladen sind.

Passendes Geschenk

Ein Männerquartett kommt aus dem Bördekreis, der Ausflug ist ein Geschenk zum 50. Geburtstag. Zum abschließenden Fischessen kommen später auch noch die Frauen nach. Das Angebot fanden die Männer im Internet, der Beschenkte ist passionierter Angler.

Nur mit dem Fischer

Bald präsentiert sich vor den Augen die stille Weite des Gülper Sees. Ganz hinten in der Ferne erkennt man den Rhinower Funkturm, auch einige Häuser von Prietzen sind zu sehen. Mit seinen 573 Hektar ist er der größte See im Havelland, schon seit 1967 steht er unter Naturschutz. Der Trip mit dem Fischer ist für Außenstehende die einzige Möglichkeit, den See zu befahren. Ansonsten ist er für alle Wasserfahrzeuge tabu.

Das Zugnetz wurde fast komplett eingeholt, im letzten Teil sammeln sich die gefangenen Fische. Quelle: Ingo Freihorst

Des öfteren hätten Leute bei ihm nachgefragt, ob sie mal mit auf den See raus könnten, berichtet der Fischermeister während der Fahrt von den Anfängen. Dem entsprechend wurde das Angenehme mit dem Nützlichen verbunden: „Weil bei den Fischzügen ohnehin viele Helfer vonnöten sind, kam ich vor drei Jahren auf die Idee zum Erlebnisfischen“, so Schröder. Urlauber, Familien und Firmen halfen seitdem, das gemeinsame Fischen gilt zudem als Therapie für Alkoholkranke.

Ein paar Helfer

Ansonsten kommen zum Zugnetzfischen vier bis sechs Helfer aus der Umgebung. Zur Not müssen auch mal die Motorwinden auf den Booten genutzt werden. Der Gülper See ist ein Flachwassersee, entstanden in der Weichsel-Eiszeit. Seit einem halben Jahr fließt wegen der allgemeinen Trockenheit kein Wasser mehr in das Gewässer, dennoch blieb der Wasserstand relativ konstant. Wenn im Herbst wieder die Kraniche einfliegen, wird das Gewässer um 20 Zentimeter abgesenkt. Bis zu 10 000 Kraniche wurden hier schon gezählt.

Lange Tradition

Wolfgang Schröder fischt bereits in der vierten Generation, die Familie ist seit 1900 auf dem Strodehner Gahlberg ansässig, ihr hatte der See sogar gehört. 1913 wurde sie enteignet – die Havel wurde zur Wasserstraße ausgebaut. Zu DDR-Zeiten war Schröder in der Produktionsgenossenschaft Fischer, seit 1991 ist er selbstständig. Er bewirtschaftet den See – die Wasserfläche umfasst 480 Hektar, der Rest ist Schilfgürtel – gemeinsam mit den Kollegen Wilfried Schulz aus Garz und Sven Ahlendorf aus Warnau. Zudem fischt er in Elbe und Havel sowie auf dem Hohennauener See.

Erlebnisfischen mit Fischer Schröder in Strodehne Quelle: Ingo Freihorst

In diesem Jahr gibt es elf Termine fürs Erlebnisfischen. Mehr geht nicht, denn die Termine müssen ja auch in den normalen Betriebsablauf eingetaktet werden. Etwa hundert Meter vom Ufer stoppen die Boote, ein Stück muss dann noch getreidelt werden, bis das Boot im flachen Schlick aufsitzt. Der See ist im Schnitt 120 Zentimeter tief. Beim Treideln reicht das Wasser den Fischern bis an die Knie. Man muss vorsichtig laufen, denn der Gewässergrund ist uneben.

Viele Wollhandkrabben

Der Klimawandel zeigt Auswirkungen: Die Quappen kommen mit der Wärme nicht zurecht. In den 1950er Jahren gab es hier große Exemplare, jetzt sind nur noch kleine Quappen zu finden – für den Fischer wenig lukrativ. Besser ist es für die vor 100 Jahren aus Asien eingeschleppten Wollhandkrabben. Es gibt immer mehr, sie werden zumeist an Asiaten verkauft.

Jetzt wird eingeholt

Der Boots-Pulk trennt sich nun auf. Zwei Zugnetze werden in U-Form ausgebracht, eines ist 250 Meter lang und sieben Meter tief. Eine weiße Boje markiert die Mitte der beiden verknüpften Netze. Dort muss sie dann auch beim Einholen bleiben.

Mit dem Kescher werden die restlichen Fische aus dem Zugnetz vom Fischermeister Wolfgang Schröder in den rasch errichteten Behälter umgesetzt. Quelle: Ingo Freihorst

Wolfgang Schröder sitzt in der Mitte und führt die beiden Unterleinen, während daneben an jeder Seite die Oberleinen von den Helfern langsam zu den Booten gezogen werden. In diesen stehen weitere Helfer, welche das Netz aufschichten. Immer wieder müssen Plötzen, Krebse oder Muscheln aus den Maschen befreit werden, sie fliegen im hohen Bogen zurück in den seichten See. Manche überleben nicht – was wiederum die in der Luft lauernden Möwen freut.

An vier Stangen

Das Netzende naht, zu erkennen am brodelnden Wasser. Fast alles Brassen, die später unverarbeitet vor allem an Ausländer verkauft werden. Knapp 20 Karpfen und ein Hecht landen ebenfalls in den Bootsbehältern. Was hier nicht mehr hineinpasst, muss vorerst im See verbleiben – allerdings im Netzgehege. Vier Stangen werden dazu vom Fischer in den Boden gebohrt und das Netz daran angebunden.

Der Lohn

Zwei Fischzüge sind es am Ende, der zweite weit erfolgreicher, als der erste. Auf dem Gahlberg müssen die zappelnden Fische von den Gästen noch ausgeladen werden, dann kommt endlich der Lohn für all die Mühe: Ein Menü mit Fischsuppe sowie gebratene Brassen- und Wels an Biogemüse aus Hohennauen.

Von Ingo Freihorst

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