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Rhinow Flucht nach Görne
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16:03 13.05.2019
Die Ausstellung Flucht, Vertreibung und Ankunft in Görne wird am Giebel der Dorfkirche gezeigt. Quelle: Norbert Stein
Görne

Schon zum 5. Mal erleben die Einwohner von Görne und ihre Gäste eine Ausstellung, die vom Förderverein für Dorf und Kirche Görne organisiert ist. Am Sonntag wurde sie eröffnet. In diesem Jahr unter dem Titel „Flucht, Vertreibung und Ankunft in Görne“. Auf acht Ausstellungstafeln, die auf wetterfesten Planen an dem Giebel der Dorfkirche angebracht wurden, beleuchtet der Förderverein die Herkunft und Schicksalswege der zum Ende des zweiten Weltkrieges nach Görne geflüchteten Menschen.

Emotionaler Nachmittag

„Nach dem zweiten Weltkrieg gab es etwa zwölf Millionen deutschsprachige Vertriebene und Flüchtlinge. Hunderte kamen bei ihrer Suche nach einem neuen Zuhause in Görne an. Einige blieben für immer.“ Das erläuterte der Vorsitzendes des Fördervereins, Sven Leist, zu Beginn eines emotionalen und bewegenden Nachmittages in der Dorfkirche.

Vor dem Altar standen ein Handwagen und ein schlichter alter Koffer. So kamen Flüchtlinge einst nach Görne. Die Dorfkirche war voll besetzt, als Sven Leist weiter sagte: „Wie andernorts auch, leben in Görne noch Menschen, die kriegsbedingt oder nachkriegsbedingt ihre Heimat verlassen mussten.“ Der Förderverein hat mit der Ausstellung eine Gelegenheit geschaffen, diesen Teil der Vergangenheit besser zu verstehen.

Für die Filmemacher gab es nach der Uraufführung Blumen. Quelle: Norbert Stein

Die Ausstellungseröffnung war zudem würdiger Anlass für die Uraufführung des Film „Flucht nach Görne“ (Regie Svenja Weber, Schnitt Mechthild Barth) und für Sven Leist der richtige Anlass auf die Wichtigkeit auf die Europawahlen hinzuweisen.

Etwa sechs Monate hat der Förderverein an den Vorbereitungen für den Film gearbeitet, mit Einwohnern gesprochen und Mitstreiter gewonnen. Der Film schildert die Schicksale dreier Familien beispielhaft für die Neubürger von Görne, die nach dem zweiten Weltkrieg ankamen.

Bemerkenswert geschildert

Antonie Vollenscher, Gertrud Büch und Doris Mundry erzählen aus ihren Kindheitserinnerungen. Joachim Tessenow, Bürgermeister von Kleßen-Görne bezeichnete den Film nach der Aufführung als „äußerst bemerkenswert und gelungen“. Auch die Vorsitzende des Kulturfördervereins Mark Brandenburg, Johanna Leu, war vom Film und dem Besucherinteresse beeindruckt. Film und Ausstellung schildern Schicksale, Leid, Entbehrungen und schließlich den Beginn eines Neuanfangs in Görne auf bemerkenswerter Weise.

Antonie Vollenscher zum Beispiel kam mit ihrer Pflegemutter (die Eltern waren gestorben) nach der Ausweisung aus Schlesien im Sommer 1945 zunächst nach Spandau in ein Auffanglager, wo dem Mädchen eine Strickjacke gestohlen wurde. Es war ihr letzter Besitz. Nach vier Wochen musste sie das Lager verlassen und sich auf die Suche nach einer neuen Bleibe machen.

Ein Handwagen erinnert daran, mit welchen Gefährten die Flüchtlinge kamen. Quelle: Norbert Stein

Sie lief bis nach Friesack und später Kleßen, wo sie jedoch abgewiesen wurde. Auch in Görne wurde sie zunächst abgewiesen, konnte dann aber im Schloss bleiben. Das hatte die Rote Armee verlassen. Hier waren insgesamt 122 Flüchtlinge untergebracht. Die mittellosen Flüchtlinge waren auf Unterstützung der Dorfgemeinschaft angewiesen, mussten aber oft um Lebensmittel betteln.

Antoni Vollenscher verdiente sich in der Folgezeit einige Lebensmittel beim Gänsehüten, bei einem Bauern, der sie auch als Magd beschäftigte. Sie heiratete dann in die Familie ein und blieb in Görne.

Die Familie Büch kam auf ihrer Flucht über Tschechien nach Leipzig. Der Vater war zum Volkssturm eingezogen worden. Das Kriegsende erlebte er in Görne. Und kam zunächst bei einem Bauern unter. Durch ein Zufall bekam er Kenntnis vom Aufenthalt seiner Familie und konnte diese im Februar 1946 nach Görne holen.

Film und Ausstellung sind im Internet unter www.kirche - görne.de/verein.htm anzuschauen.

Von Norbert Stein

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