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Rhinow Historikerabend auf dem Kolonistenhof
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11:16 28.04.2019
Historikerabend auf dem Kolonistenhof Großderschau Quelle: Norbert Stein
Großderschau

Damit die Abendsonne nicht die Fotos und Schriften auf der Leinwand überstrahlen konnte, war die gläserne Eingangstür mit einer Decke abgedunkelt. Die Besucher kamen diesmal durch die Hintertür in die Remise auf dem Kolonistenhof zum Historikerabend.

Der Historikerzirkel des Heimatvereins Großderschau hatte am Freitagabend zu seiner diesjährigen Geschichtsveranstaltung eingeladen. So ist es nun schon seit vielen Jahren Tradition. Besonders die Wintermonate nutzt der Historikerzirkel zur Aufarbeitung örtlicher und regionaler Geschichtsereignisse.

Alte Landwirtschaftsgeräte auf dem Kolonistenhof Großderschau. Quelle: Norbert Stein

Die Ergebnisse ihrer Arbeit stellen die Akteure um Manfred Rogge dann immer vor bei einem Historikerabend auf dem Kolonistenhof, an einem Freitag unter dem anspruchsvollen und breitgefächerten Thema „Zeitgeschichte – Kriegsende bis Gegenwart – Dramatisches und Schönes“. Alles an einem Abend zu behandeln wäre nicht möglich gewesen.

„Wir konzentrieren uns auf drei sehr unterschiedliche Ereignisse, die zur Geschichte von Großderschau gehören“, sagte Manfred Rogge zur Eröffnung. Es waren die Geschehnisse in und um Großderschau zum Ende des 2. Weltkrieges, rätselhafte Funde in der Kolonistenkirche und die Geschichte des Dossefestes. Besonders der erste Teil des Abends sorgte bei den Besuchern für Emotionen.

Immer weniger Zeitzeugen

Manfred Rogge sagte, es sei notwendig, an den verheerenden 2. Weltkrieg und seine Folgen zu erinnern und die Erinnerungen von immer weniger werdenden Zeitzeugen für nachfolgende Generationen zu bewahren. Er selbst war bei Kriegsende sechs Jahre alt und kann sich kaum noch an die damaligen Ereignisse erinnern.

Fritz Schulze vom Historikerzirkel ist ein paar Jahre älter und kann sich noch an einige Kriegsereignisse in Großderschau erinnern, wie über Großderschau fliegende Bomber und von Granaten zerstörte Güterzüge. Fritz Schulze, Burghard Sültemeyer, Doris Kietzmann und Jürgen Wels trugen aus Tagebüchern und mündlichen Überlieferungen vor, in denen Großderschauer ihre persönlichen Kriegserlebnisse schildern: Wie sie versuchten, mit Leiterwagen vor den russischen und polnischen Truppen zu fliehen, Nächte unter freien Himmel verbrachten und Schutz suchten in zuvor selbst angelegten Bunkern an der Dosse.

Die Mitglieder des Historikerzirkels nach der Veranstaltung im Bauerngarten auf dem Kolonistenhof. Quelle: Norbert Stein

Berichtet wurde auch von Plünderungen und Vergewaltigungen in einem Krieg, der in Großderschau 49 Soldaten und 12 Zivilisten in den Tod riss. Einige Besucher bereicherten die Ausführungen des Historikerkreises mit persönlichen Erlebnisberichten, wie Kurt Badtke zur Bombardierung von Rathenow vor 75 Jahren.

Ausgrabungen in der Kirche

Im zweiten Teil des Historikerabends berichtete Jürgen Wels von einer Ausgrabung vor dem Altar in der Kolonistenkirche. 2003 wurde die Kirche saniert und dabei hatten Bauarbeiter eine Absenkung der Pflastersteine entdeckt. Erwin Kowalke vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge kam nach Großderschau und fand bei der Ausgrabung über 300 Jahre alte Skelettreste und mehrere Grabstätten.

Kowalke kam zu der Erkenntnis, dass die Kirche auf einem früheren Kirchhof errichtet wurde. Die Hoffnungen der Großderschauer, einen zweiten Kahlbutz zu finden, erfüllten sich jedoch nicht. Eine Rückschau von Doris Kietzmann auf das seit 1964 gefeierte Dossefest war ein würdiger und zugleich schwungvoller Abschluss eines wieder gelungenen Historikerabends.

Von Norbert Stein

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