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Rhinow Immer mehr Schleiereulen brüten zweimal im Jahr
Lokales Havelland Rhinow Immer mehr Schleiereulen brüten zweimal im Jahr
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18:09 13.09.2019
Schleiereule vor dem Trafoturm in Spaatz. Quelle: Christoph Prochotta
Elslaake

Das hellbraune Gefieder hebt sich schon ab vom Gesichtsschleier. Die jüngeren Geschwister der kleinen Schleiereule im ausgedienten Trafoturm am Ortsrand von Elslaake sind noch flauschig weiß. „Sie sind ein paar Tage später geboren“, erklärt Christoph Prochotta, ehrenamtlicher Helfer beim Nabu Regionalverband Westhavelland. Schleiereulen haben zwischen drei und zwölf Eier im Gelege, beginnen die Brut aber bereits mit dem ersten Ei und deshalb schlüpfen der Küken auch an unterschiedlichen Tagen.

Die zweite Brut

Neun heranwachsende junge Schleiereulen sorgen derzeit für Leben in dem altem Elslaaker Trafoturm. Es ist schon die zweite Brut in diesem Jahr. Im Frühsommer haben bereits sechs junge Schleiereulen das Licht der Welt erblickt, sind aufgewachsen und flügge geworden. Vor drei Jahren war das noch anders.

Ein gutes Jahr

2019 sei für die Schleiereulen ein gutes Nachwuchsjahr im Westhavelland, sagt Christoph Prochotta. Ein wesentlicher Grund dafür ist das gute Nahrungsaufkommen. Schleiereulen ernähren sich wesentlich von Mäusen. Und im Westhavelland gibt es in diesem Jahr reichlich Mäuse.

Christoph Prochotta (l.) und Manfred Hug bei Vorbereitungen zum Beringen junger Schleiereulen. Quelle: Norbert Stein

Diese Nahrungsgrundlage hat auch für ungewöhnlich viele Zweitbruten gesorgt, hat Christoph Prochotta gemeinsam mit Manfred Hug aus Bahnitz festgestellt. Manfred Hug engagiert sich bereits seit über 40 Jahren als ehrenamtlicher Ornithologe im Westhavelland.

Ausgebildeter Beringer

Hug ist ausgebildeter und von der staatlichen Vogelstation Hiddensee zugelassener Vogelberinger. Auf seiner Tour zu den Trafortürmen mit Christoph Prochotta beringte Manfred Hug zunächst den Schleiereulennachwuchs in Elslaake. Anschließend ging es nach Spaatz wo er neue jungen Schleiereulen beringte.

Tour zu den Türmen

In Wolsier waren es dann sogar neun, in Babe sieben, in Sigrothsbruch sechs und in Giesenhorst sieben. In Großderschau (Jülitz) bekamen fünf Junge einen Ring, zwei Küken waren dafür noch zu klein. Insgesamt beringte Manfred Hug auf der Tour zu den Zweitbruten 49 junge Schleiereulen aus Trafotürmen.

Schleiereule am Himmel. Quelle: Christoph Prochotta

Die nachtaktiven Vögel fühlen sich besonders in alten Scheunen, Ställen, Kirchen und etwas abseits gelegenen Bauten wohl. Dazu hören auch ausgediente Trafotürme. 42 solcher Türme hat der Nabu Regionalverband Westhavelland seit 1992 vom Energieversorger übernommen. Sie dienen nunmehr dem Artenschutz. Als Unterkunft und Brutgelegenheit werden sie von Turmfalken, Schleiereulen, Schwalben und weiteren Vogelarten genutzt.

Eher Zufall

Christoph Prochotta entdeckte die Natur zunächst mit dem Fotoapparat. Vor einigen Jahren kam er zur Fachgruppe Ornithologie und erfuhr eher zufällig von den Trafotürmen. Aus dem anfänglichen Interesse ist inzwischen eine ehrenamtliche Leidenschaft geworden. Prochotta kümmert sich heute gemeinsam mit Ulf Scharnbeck um 27 Trafotürme.

Das Turmbuch

Er sorgt für Ordnung und gute Nistmöglichkeiten in den Türmen. In Spaatz installierte er erst kürzlich aus Holzpaletten einen Turmboden, damit sich der Eulennachwuchs nicht verletzt. Für jeden Turm hat Christoph Prochotta ein Turmbuch angelegt, in das er Reparaturen, Veränderungen und Bruten notiert.

So sehen die Trafotürme aus. Quelle: Norbert Stein

Auch die Zweitbrut 2019 hat er bereits eingeschrieben. In Elslaake wird er demnächst die mit Farbe beschmierte Turmtür säubern. Und für eine Sache hat er auch noch gesorgt. Christoph Prochotta hat am jedem Trafoturm ein Nabu-Schild angebracht.

Von Norbert Stein

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