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Rhinow Land(schafft)Kunst: Ein Dorf als Galerie
Lokales Havelland Rhinow Land(schafft)Kunst: Ein Dorf als Galerie
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09:50 25.06.2019
Ulrike Hogrebe zeigt in ihrem Atelier neue Werke. Am Sonntag schaute sich hier auch die frühere Bundesbildungsministerin Johanna Wanka um.
Ulrike Hogrebe zeigt in ihrem Atelier neue Werke. Am Sonntag schaute sich hier auch die frühere Bundesbildungsministerin Johanna Wanka um. Quelle: Christin Schmidt
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Neuwerder

1862 veröffentlichte Theodor Fontane den ersten Band seiner „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“. Genau 157 Jahre später wandern im Juni 2019 Kunstinteressierte auf seinen Spuren durch das Kolonistendorf Neuwerder im Ländchen Rhinow.

Die Höfe, Scheunen und Wiesen entlang des Kastanienweges sind mit Skulpturen, Malerei, Fotografie und Installationen gespickt, die sich mit dem Werk des märkischen Dichters auseinandersetzen.

Schon von der Landesstraße 17 aus ist der rote Hahn zu sehen, der einer Sage nach aus dem Stechlin See empor steigt. Fontane greift die Geschichte in seinem gleichnamigen Roman auf. Davon hat sich der Bildhauer Ernst Baumeister inspirieren lassen und den Hahn nun nach Neuwerder gebracht.

Künstler kommen mit Gästen ins Gespräch

Entstanden sind diese und weitere Arbeiten bereits im vergangenen Jahr im Rahmen des havelländischen Künstlersymposiums, das im Juni 2018 erstmals in Neuwerder stattfand.

„Die Werke des Symposiums bildeten das Grundgerüst für die diesjährige Biennale ,Land(schafft)Kunst’“, verrät Lothar Seruset. Er hat die Ausstellung mit kuratiert und ist zu den Öffnungszeiten der Schau am Wochenende vor Ort, um mit den Gästen ins Gespräch zu kommen.

Mit ihm und Baumeister beteiligen sich 26 weitere Künstler an der Biennale, die bereits zum siebenten Mal stattfindet. Unter dem Motto „Fontane lesen – mach Dir ein Bild davon“ haben die Organisatoren den Dichter in den Fokus gerückt.

Drei Wochen lang verwandelt sich das Kolonistendorf Neuwerder wieder in eine Freiluftgalerie. Dieses Mal steht der märkische Dichter Theodor Fontane im Mittelpunkt der Ausstellung.

Umgesetzt haben die Künstler das Motto in dem Thema nahe liegenden Landschaftsbildern, die an die „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ erinnern. Diverse Fontane-Porträts gibt es zu entdecken. Auch Textauszüge, die mal in einer Landschaftsfotografie, mal in einer Installation verarbeitet sind und so einen neuen Blick auf die Worte des Dichters und deren Botschaft eröffnen.

Der Maler Johannes Heisig hat sich erlaubt, sich in seinem Werk neben Fontane zu stellen – Selbstporträt trifft auf ein Porträt des großen märkischen Dichters.

In einem idyllischen Garten wandelt der Besucher auf den Spuren von Effi Briest. Ernst Baumeister hat sich mit der tragischen Figur auseinandergesetzt und Effi ein künstlerisches Denkmal gesetzt. Unter anderem hat er eine Schaukel komplett mit Plastikfundstücken von den Straßen Berlins eingekleidet, die symbolhaft an das junge verspielte Mädchen Effi erinnert.

Eine Kunstpause in der Dorfmitte

Zu entdecken gibt es unglaublich viel und ein Nachmittag reicht kaum aus, um die Freiluftgalerie voll und ganz zu erkunden. Zum Glück bieten die Neuwerderaner in der Dorfmitte die Möglichkeit bei Kaffee, Kuchen, Wein und Bio-Bratwurst eine „Kunstpause“ einzulegen.

Das tat am Wochenende auch ein Paar aus Wustermark. Die beiden sind Stammgäste und wieder total begeistert: „Die Biennale ist anregend und sehr vielseitig. Es ist immer wieder ein Genuss.“

Dennoch ist die Resonanz insgesamt, das ist beim Rundgang immer wieder zu hören, in diesem Jahr deutlich geringer als in den Jahren zuvor. Das habe weniger mit der Qualität der Ausstellung zu tun, als viel mehr mit der vernachlässigten Öffentlichkeitsarbeit, räumen einige Akteure ein. Sie hoffen, dass am Wochenende zur Finissage mehr Menschen kommen.

Finissage am 30. Juni mit Lesung und Performances

Lohnen würde es sich allemal. Denn nicht nur das Dorf und die Ausstellung gibt es dann zu entdecken. Studenten aus Berlin kommen nach Neuwerder und zeigen am Sonntagnachmittag, dem 30. Juni sieben Performances.

Außerdem führen die Kuratoren durch die Ausstellung und die Stiftung Zukunft Berlin lädt zu einer Lesung ein. Schauspielerin Juliana Cukier liest ausgewählte Texte aus den „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ vor.

Von Christin Schmidt