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Rhinow Das Husarenstück vom Gollenberg: Wie vor 30 Jahren ein Passagierflugzeug in Stölln landete
Lokales Havelland Rhinow Das Husarenstück vom Gollenberg: Wie vor 30 Jahren ein Passagierflugzeug in Stölln landete
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18:05 22.10.2019
Die Lady Agnes auf dem Stöllner Gollenberg – der Fliegerpark wurde zur Bundesgartenschau ausgebaut. Quelle: Edith Wernicke
Stölln

Am 23. Oktober 1989 war kein gutes Flugwetter. Heinz-Dieter Kallbach blickte damals mit kritischem Blick zum Himmel hinauf. Der Flugkapitän entschied sich dazu, ein Husarenstück zu wagen. Er brachte eine Interflug-Passagiermaschine auf einer 900-Meter-Feldpiste auf dem Gollenberg bei Stölln runter.

Der 30. Jahrestag

Damit schrieb er Fluggeschichte, die sich nun zum 30. Mal jährt. Zahlreiche Schaulustige waren zum Gollenberg nach Stölln gekommen, um die Landung zu verfolgen. Viele hatten ihre Fotoapparate und Filmkameras gezückt.

Im dritten Versuch

Nach zwei Überflügen setzte die Maschine im dritten Anflug auf dem Rasenplatz auf, blieb nach 850 Metern stehen und versank in eine große Staubwolke. Bange Momente vergingen, bis sich Staub verzogen hatte und die Besetzung um Flugkapitän Heinz-Dieter Kallbach wohlbehalten und glücklich aus dem Flugzeug stieg.

Magischer Moment: Die IL 62 setzt auf dem Gollenberg auf. Quelle: Lilienthal-Verein

Sybille Heling, damals Bürgermeisterin von Stölln, umarmte die Crew und überreichte Blumen. Die zuvor wochenlangen Anstrengungen waren vom Erfolg gekrönt, die Skeptiker eines Besseren belehrt. Die Landung war geglückt.

Einmalige Leistung

Flugkapitän Heinz-Dieter Kallbachund seine Crew, Co- Pilot Peter Bley, Bordingenieur Ulrich Müller und Navigator Rudolf Döge hatten eine weltweit einmalige Leistung vollbracht. Sie waren auf einem 900 Meter langen Rasenplatz mit einem Passagierflugzeug gelandet, das dafür eigentlich eine 2000 Meter lange Betonpiste benötigt.

Heinz-Dieter Kallbach (links), Pilot, der die Lady Agnes auf dem Stöllner Gollenberg landete, und Horst Schwenzer, Vorsitzender des Otto-Lilienthalvereins Stölln, im Cockpit der IL 62. Quelle: Uwe Hoffmann

Die zuvor nach 30.000 Flugstunden, 7500 Landungen und 20 Dienstjahren in den Ruhestand geschickte IL 62 war ein Geschenk der damaligen DDR-Fluggesellschaft Interflug an die Gemeinde Stölln zu Ehren des Flugpioniers Otto Lilienthal, der auf dem Gollenberg zahlreiche erfolgreiche Flugversuche absolvierte und 1896 an den Folgen eines Absturzes starb.

Ein Denkmal für Lilienthal

1988 kam der Chef der Interflug mit einer Abordnung zum Lilienthalfest nach Stölln, um Möglichkeiten zu erkunden, wie man das Erbe Lilienthals würdigen könnte. Ein solches Ansinnen hatte auch die Gemeinde Stölln und Bürgermeisterin Sybille Heling.

Viel Arbeit im Vorfeld

So wurde die Idee geboren, Lilienthal mit einem Flugzeug auf dem Gollenberg zu ehren. Während Sybille Heling alle Vorbereitungen in Stölln koordinierte, sich um Genehmigungen kümmerte und den Rat des Bezirkes Potsdam von dem Projekt überzeugte – auf dem Gollenberg mussten viele Bäume gefällt werden, um die Ackerpiste vorzubereiten – kümmerte sich in Schönefeld Heinz-Dieter Kallbach als Chef der IL 62- Flugzeugflotte der Interflug um die technische Vorbereitung.

Flugkapitän Heinz-Dieter Kallbach (2. v. re.) mit seiner Crew und Horst Schwenzer (3. v. li.) Quelle: Norbert Stein

Es gab Skeptiker, die dem Vorhaben keine Erfolgsaussichten beschieden. In Rhinow war zu dieser Zeit Siegfried Lietzmann Bürgermeister. Er sagte damals: „Sybille Heling sollte sich die Flusen aus dem Kopf schlagen. Das ganze Projekt ist eine Nummer zu groß für so eine kleine Bürgermeisterin in so einem kleinen Ort.“ Die LPG Pflanzenproduktion Rhinow lehnte es ab, zu helfen.

Klare Sache für Fritz Schulze

In der Stöllner Milchviehanlage hatte man eine andere Einstellung. „Wir stehen hinter dem Vorhaben und haben schon Verantwortliche benannt, die den Plan der Interflug und der Bürgermeisterin unterstützen“, sagte damals der Leiter der Milchviehanlage Stölln, Fritz Schulze. Einer dieser Verantwortlichen war Horst Schwenzer.

Geld eingetrieben

Er war seinerzeit Hauptbuchhalter bei der Milchviehanlage. Ihm oblag es Geld zu sammeln, um das Vorhaben zu finanzieren. Über 90.000 Mark gab die Milchviehanlage, half mit weiteren Betrieben aus der Region bei der Herrichtung der Landebahn und bei weiteren Vorbereitungen, damit die Landung auf dem Gollenberg möglich war.

So wird der Jahrestag gefeiert

Gefeiert wird der 30. Jahrestag der Landung der IL 62 auf dem Gollenberg am Samstag, 26. Oktober mit einem bunten Programm.

Pünktlich zur Landezeit um 13.03 Uhr wird Horst Schwenzer als Vorsitzender des Otto Lilienthal Vereins gemeinsam mit Flugkapitän Heinz-Dieter Kallbach, seiner Crew und Sybille Heling das Fest mit einer Feierstunde eröffnen.

Das Bühnen- und Showprogramm „Auf den Flügeln bunter Träume – eine musikalische und tänzerische Flugreise mit der Lady Agnes um die Welt“ findet ab 15 Uhr im Lilienthal-Centrum statt. Mit dabei sind unter andrem Ute Deckert und Maxim Shagaev

Eine Kunstauktion ist auch geplant. Der Kunstsachverständige und Auktionator Michael Ulbricht versteigert Gemälde, Zeichnungen und Grafiken verschiedener Künstler wie Max Klingner, Wolfgang Mattheuer, Werner Tübke, Marc Chagall, Armin Mueller-Stahl und Joseph Beuys.

Einen Teil des Erlöses erhält der Otto Lilienthal Verein für seine weitere Arbeit, um das Flugzeug auch in Zukunft zu erhalten.

Am 4. Oktober 1989 erteilte die Hauptverwaltung für zivile Luftfahrt der DDR die Genehmigung für die einmalige Landung einer IL 62 in Stölln. Damit war der Weg für das Husarenstück geebnet, das auch im Guinessbuch der Rekorde eingetragen wurde.

Die IL 62 stand zunächst viele Jahre ohne Nebengebäude auf dem Gollenberg. Quelle: Norbert Stein

Der Hauptbuchhalter von damals ist heute Rentner und seit über 20 Jahren ehrenamtlicher Vorsitzender des Otto-Lilienthal-Vereins, der sich seit seiner Gründung im Jahr 1990 um das Flugzeug kümmert.Zu Ehren von Otto Lilienthals Ehefrau nannten die Stöllner die IL 62 fortan „Lady Agnes“.

Das Standesamt

Zur Bundesgartenschau 2015 wurde das gesamte Gelände um das Flugzeug zu einem Fliegerpark aufgewertet. Und heiraten kann man in dem Flugzeug auch. In dem Standesamt wurden schon mehr als 900 Paare getraut.

Von Norbert Stein

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