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Rhinow Stöllner Museum erinnert an Flugpionier Otto Lilienthal
Lokales Havelland Rhinow Stöllner Museum erinnert an Flugpionier Otto Lilienthal
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14:35 25.04.2018
Mit Gleitern wie diesen unternahm Otto Lilienthal Ende des 19. Jahrhunderts seine Flugversuche am Stöllner Gollenberg.
Mit Gleitern wie diesen unternahm Otto Lilienthal Ende des 19. Jahrhunderts seine Flugversuche am Stöllner Gollenberg. Quelle: Tobias Wagner
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Stölln

Heutzutage ist es nur allzu selbstverständlich, in ein Flugzeug zu steigen, um in der Urlaubszeit ferne Länder zu besuchen. Den wenigsten Urlaubern sind jedoch die Prozesse bekannt, welche die durch Menschen gesteuerte Luftfahrt erst möglich machten.

Am Stöllner Gollenberg hat Flugpionier Otto Lilienthal Ende des 19. Jahrhunderts zahlreiche Flugversuche unternommen. Im Ort erinnert das Lilienthal-Centrum an sein Wirken und die Geschichte der Luftfahrt.

Otto Lilienthal war Vorreiter in der Erforschung dieses Gebiets und wohl der erste Mensch, der erfolgreich und wiederholt ab 1891 Gleitflüge mit einem Flugzeug durchführte. Damit verhalf er dem Flugprinzip „schwerer als Luft“ zum Durchbruch. In Stölln, etwa eine Stunde Autofahrt von Brandenburg an der Havel entfernt, widmet sich das Lilienthal-Centrum dem Leben und Schaffen des deutschen Luftfahrtpioniers.

Modern gestaltetes Museum dank Berliner Bühnenbildner

„Uns ist es wichtig darzustellen, wie vielseitig Lilienthal war“, sagt Torsten Dalmann (49), zweiter Vorsitzender des Otto-Lilienthal-Vereins. Der Verein wurde 1990 gegründet und hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Andenken Otto Lilienthals aufrecht zu erhalten. 2011 wurde zu diesem Zweck in einer ehemaligen Brennerei das Museum im Zentrum Stöllns errichtet.

Torsten Dalmann (rechts) ist zweiter Vorsitzender des Otto-Lilienthal-Vereins in Stölln. Quelle: Tobias Wagner

Die vom Berliner Bühnenbildner Donald Becker äußerst modern gestaltete Ausstellung ist in drei Ausstellungskomplexe unterteilt. Im ersten Teil, dem sogenannten Aviarium, erwarten den Besucher zuallererst Einblicke in die Natur. Diese galt von Anfang an als Inspiration der Wissenschaft des Fliegens.

Gebrüder Lilienthal erforschten Flügelprofil der Vögel

Vor allem die Vorbildfunktion der schwach gewölbten Vogelflügelform für die Fliegerei untersuchte Lilienthal intensiv. Sein Buch „Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst“ von 1889 gilt auch heute noch als wichtigste flugtechnische Veröffentlichung des 19. Jahrhunderts.

Das charakteristische Flügelprofil der Vögel hatten Lilienthal und dessen Bruder Gustav erstmals mit exakten Messungen verbunden. Die wichtigste Erkenntnis war jedoch, dass gewölbte Tragflächen einen größeren Auftrieb liefern als ebene.

Bereits seit 1874 führten die Gebrüder Lilienthal mit einem selbst entwickelten Rotationsapparat systematische Messungen zum Auftrieb an ebenen und gewölbten Flächen durch, welche eindeutige Ergebnisse lieferten. Ein Nachbau des Apparates ist ebenfalls Teil der Ausstellung.

Nachbauten der Flugmodelle Otto Lilienthals

Nun galt es, diese Erkenntnis im Tragflächenbau umzusetzen. Der zweite Ausstellungsteil trägt dementsprechend den passenden Titel „Werkstatt“ . Neben einem gewölbten Fluggleiter sind hier 15 Nachbauten der Flugmodelle Lilienthals zu bestaunen.

Wie mit wenig viel erreicht werden kann, zeigt vor allem eine Installation, die den Herstellungsprozess eines Flügelrahmens verdeutlicht. Für die ersten Flugversuche dienten mit gewachsten Baumwollstoff bespannte Rahmen aus Weidenholz als Tragflächen, die eine Spannweite von sechs bis sieben Metern erreichten.

Erfolgreiche Flugversuche am Stöllner Gollenberg

Abgerundet wird der Ausstellungsteil von technischen Erläuterungen, Zeichnungen und großformatigen Bildern, die Lilienthal in Aktion zeigen. Schließlich führte dieser ab 1893 vom Stöllner Gollenberg seine erfolgreichen Flugversuche durch.

Ein Anker-Steinbaukasten verdeutlicht zudem den Erfindergeist der Gebrüder Lilienthal. 1879 entwickelten die beiden ein Baukastensystem für Kinder. Die Entwürfe mussten jedoch abgegeben werden, da die Vermarktung nicht gelang. Friedrich Adolf Richter kaufte die Entwürfe und machte den Baukasten, der heute noch hergestellt wird, weltberühmt.

Lilienthal als Fabrikant, Erfinder und Theatermacher

Auf dem Weg von der Werkstatt in den dritten Komplex des Museums lernt der Besucher vom abwechslungsreichen Leben Lilienthals als Fabrikant, Erfinder und Theatermacher. „Es macht Spaß, den Leuten diese Geschichten zu erzählen“, sagt Dalmann. „Als Stöllner bin ich ja mit Lilienthal groß geworden.“

Lilienthals Bruder Gustav wird ebenfalls vorgestellt. Eine große Bildtafel symbolisiert außerdem Lilienthals misslungenen Flugversuch vom Gollenberg am 9. August 1896. Nach diesem Absturz verstarb er einen Tag später im Alter von 48 Jahren in Berlin.

Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Adresse: Lilienthal-Centrum Stölln, Otto-Lilienthal-Straße 50, 14728 Gollenberg OT Stölln

Das Museum ist barrierefrei.

Öffnungszeiten sind im März samstags und sonntags von 11 bis 16 Uhr, von April bis Oktober von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung. Von November bis Februar ist geschlossen.

Reservierungen sind telefonisch unter 033875/90690 oder per E-Mail unter info@otto-lilienthal.de möglich.

Der Eintritt kostet für Erwachsene 5 Euro, für Kinder von 7 bis 14 Jahre 4 Euro und Kinder bis 6 Jahre haben freien Eintritt. Schulklassen zahlen 3,50 Euro pro Person, Gruppen ab 10 Personen 4 Euro pro Person.

Weitere Infos im Internet unter www.lilienthal-centrum.de

Schulklassen kommen an Projekttagen ins Lilienthal-Centrum

Der dritte und letzte Teil der Ausstellung im Anbau des Museums dreht sich um die generelle Geschichte der Luftfahrt – vom chinesischen Drachenflug über die Ballonfahrt, vom Helikopter bis hin zur Gegenwart. Mehrere große Modelle, darunter ein Flieger mit sieben Metern Spannweite und ein zwei Meter hoher Doppeldecker, schweben über dem Kopf des Besuchers.

An neun Stationen kann dieser außerdem Hebel bedienen, um verschiedene Modelle wie in einem Aufklapp-Bilderbuch erscheinen zu lassen. Diese sind hauptsächlich bei den jüngeren Gästen beliebt. Vor allem Schulklassen besuchen das Museum in Verbindung mit den Projekttagen des Physik-Unterrichts. Besuchergruppen mit bis zu 30 Personen sind ebenfalls möglich. Größere Gruppen sollten sich jedoch vorab anmelden, um einen reibungslosen Ablauf der Führung zu gewährleisten.

Von Tobias Wagner

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