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Havelland Ritterspektakel auf der Zitadelle
Lokales Havelland Ritterspektakel auf der Zitadelle
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12:14 02.04.2018
Die Attraktion über die Ostertage auf der Zitadelle waren die spektakulären Ritterkämpfe.. Quelle: Carsten Scheibe
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Spandau

Über Ostern war auf der Zitadelle kaum ein Handy zu sehen. Stattdessen liefen zahllose Kinder begeistert von einem Stand zum nächsten, um hölzerne Schwerter, selbst gemachte Schilder, metallene Helme und gewaltige Trinkhörner in die Hand zu nehmen. Beim 11. Oster-Ritterfest, organisiert von Carnica, war die Historie für den Nachwuchs von besonderem Interesse. Auf den Spuren von Ritter Ivanhoe, Robin Hood und Co. fühlten sich die Kinder wie wahre Helden. Sie durften mit Äxten werfen, mit dem Bogen schießen oder sich mit der Armbrust versuchen. Outdoor-Action statt Stubenhockertum: Dieses Konzept kam selbst bei trübem Nieselwetter bestens an.

Ein Mittelaltermarkt fand über die Ostertage ein neues Zuhause auf der Zitadelle. Geboten wurde dabei etwas für die ganze Familie. Die Kinder durften ins mittelalterliche Karussell, lauschten den Worten einer Märchenerzählerin oder schauten beim spektakulären Ritterturnier zu, bei dem Ritter in metallener Rüstung im vollen Galopp aufeinander zu preschten, um die Lanze sprechen zu lassen. Mit Begeisterung feuerten die Kinder ihre Helden an und staunten nicht schlecht, sobald die hölzernen Lanzen bei einem Schild-Treffer in tausend kleine Splitter zersprangen.

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Dass die mittelalterlich inspirierten Kämpfe nicht nur reine Show waren, erzählte Martinus von Hoppenrothe, der sich seit acht Jahren in den historischen Waffengattungen übt und besonders gut mit der Axt und dem Schwert zurechtkommt: „Unsere Rüstungen sind gut gepolstert und turniertauglich. Tatsächlich üben wir für die Show-Kämpfe keine feste Choreografie ein, sondern kämpfen frei. Zweimal bin ich schon trotz des Helmes k.o. gegangen, weil ich mit einem Streithammer am Kopf getroffen wurde.“

Erwachsene besuchten das Ritterfest auch ohne Kinder. Viele erschienen im passenden Gewand, das extra für diese Zwecke im Kleiderschrank bereitliegt. So auch Simone und Mario Nothnagel aus Berlin: „Wir sind jedes Jahr zu Ostern hier auf der Zitadelle. Wir lieben die mittelalterliche Atmosphäre und fühlen uns hier sehr wohl.“ Das ist kein Wunder, denn es wurde einiges geboten. Alles mit einem gewissen Augenzwinkern. Ein Pfaffe verkaufte kirchliche Ablässe gegen allerlei bereits begangene Sünden – und nahm auch gern vor Ort die Beichte ab. Wer zu tief ins Met-Horn geschaut und sich die holde Jungfer am Nachbartisch schön getrunken hatte, der konnte sie auch gleich zur mittelalterlichen Trauung bitten. Die zum Glück aber nach 24 Stunden ihre Gültigkeit verlor. Auch eine Wahrsagerin stand im schummrigen Zelt bereit, um aus der Hand zu lesen und wichtige Fragen des Lebens zu klären.

Natürlich durfte so ein Ritterfest auch nicht ohne eine zünftige Sauferei und Völlerei zu Ende gehen. So boten zahlreiche Buden Leckereien aus dem Mittelalter an – vom Pfaffenrad-Brot über die süßen Purzeln bis hin zum deftigen Mutzbraten.

Von Carsten Scheibe