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Schönwalde-Glien 50.000 Besucher stürmen Oldtimer-Show
Lokales Havelland Schönwalde-Glien 50.000 Besucher stürmen Oldtimer-Show
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18:27 21.05.2018
Carsten Heine und seine Kinder Luis und Luna nehmen im beigen Karmann Ghia an der „Oldtimer-Show“ teil.
Carsten Heine und seine Kinder Luis und Luna nehmen im beigen Karmann Ghia an der „Oldtimer-Show“ teil. Quelle: Carsten Scheibe
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Paaren im Glien

Zwei ältere Damen waren ganz besonders schlau. Sie setzten sich zu Pfingsten einfach auf eine Bank gleich neben der Zufahrtsstraße zum Erlebnispark Paaren. Hier hatten sie schließlich alles im Blick – denn alle fuhren an ihnen vorbei.

Im MAFZ fand über Pfingsten an drei Tagen „Die Oldtimer-Show“ statt. Diese Veranstaltung zieht Oldtimer-Besitzer nicht nur aus Berlin und Brandenburg an, sondern aus ganz Deutschland ins Havelland. Alle Fahrzeuge – vom tuckernden Trabbi bis hin zum majestätisch dahinschwebenden Chevrolet – mussten an den besagten Damen vorbei. Die bekamen so zum Nulltarif das volle Programm präsentiert und mussten nicht einmal anstehen. Aber natürlich wollten viele die Autos auf dem Gelände mal ganz von nahe sehen, mit den Besitzern ins Gespräch kommen, vielleicht sogar mal Probesitzen in einem Schmuckstück machen dürfen.

Autovielfalt in Reih und Glied

Das Konzept von der Oldtimer-Show: Alle Besitzer eines Oldtimers mit einem Baujahr vor 1985 hatten freien Zutritt auf das MAFZ-Gelände. Mit ihren historischen Boliden durften sie direkt auf das 22 Hektar große Ausstellungsgelände fahren und hier ihre Wagen in Reih und Glied parken.

Zwei frühe Corvette-Rennwagen aus dem Hause Chevrolet auf der Messe in Paaren im Glien. Quelle: Carsten Scheibe

Dabei wurden die Oldtimer der Gäste gleich selbst zum Objekt der Begierde: Die Besucher der Oldtimer-Show liefen staunend um die vielen Autos herum und nutzten die Gelegenheit für viele Fotos, aber auch für etliche Fragen an den Besitzer.

Metallfühler am Cadillac

So erfuhren die Besucher auch, warum ein alter Cadillac kleine Metallfühler an den Radkästen aufweist. Das war einst eine der allerersten Einparkhilfen auf dem Markt. Wer zu nah an eine Hauswand oder einen Bordstein heranfuhr, hörte deutlich das Kratzen der Metallfühler am Hindernis – und konnte gegenlenken.

Und auch das war zu erfahren: Warum haben Open-GT-Fahrer immer einen starken linken Arm? Weil sie mit einem mechanischen Hebel die Scheinwerfer im Chassis versenken und an der nächsten Ampel wieder zum Vorschein bringen konnten.

Mehr als 200 Aussteller zeigten ihre Schätze. Quelle: Carsten Scheibe

Anreise im Karmann Ghia

Der Staakener Carsten Heine, der mit einem beigen Karmann Ghia angereist war, erklärte: „Es gibt in ganz Deutschland sehr viele Oldtimer-Treffen. Meist sind sie aber spezialisiert auf bestimmte Marken oder Herkunftsländer. Das Besondere hier ist, dass das Treffen für alle Oldtimer offensteht.“ Und auch das wusste der Familienvater zu erzählen: „Viele Oldtimer erkennt man am Zusatz H auf dem Kennzeichen, das steht für ‚historisch’. Dann dürfen aber keine fremden Teile im Auto verbaut sein. In meinen Karmann Ghia dürfte ich demnach keinen Porsche-Motor verbauen, auch wenn er super passen würde.“

Sehen und gesehen werden – das ist das Motto der Oldtimer-Show, die es seit über 17 Jahren gibt. Vom Mercedes W116 aus dem Jahr 1977 über den Alfa Romeo Guilietta Spider von 1960 bis hin zum Ford Galaxie 500 von 1963 gab es viele schöne Oldtimer zu sehen.

Manche der vierrädrigen Schönheiten standen sogar zum Verkauf. Das galt allerdings nicht für den dunkelblauen VW Bus T2 aus dem Jahr 1975. Marc Rücker aus Warburg erzählt dazu eine ganz persönliche Geschichte: „Mein Vater hatte einen Heizungsbaubetrieb und nutzte für den Transport immer einen VW Bus, den er allerdings 1994 außer Dienst gestellt hatte. Ich habe mir letztes Jahr einen T2 als Liebhaberprojekt angeschafft – und erst bei der Durchsicht der Vorbesitzer festgestellt, dass es tatsächlich der alte VW Bus meines Vaters war. Den gebe ich natürlich nicht mehr her.“

VW Bus als ein Stück Heimat. Quelle: Carsten Scheibe

Im großen Ring vom Erlebnispark Paaren kam es am Wochenende zum Schaufahren besonders schöner Modelle. Ein kundiger Moderator führte Interviews mit den Fahrern und überzeugte mit einem großen Wissensschatz.

Ersatzteile aus Dallgow

Derweil besuchten viele Oldtimer-Fahrer den großen Teilemarkt, um nach seltenen Ersatzteilen zu suchen. In der Halle präsentierten viele Aussteller ihre Oldtimer-affinen Angebote, so auch Ralph Horak von der Firma Nachguss.de aus Dallgow-Döberitz: „Ich kann seltene Teile aus Messing nachgießen, was von den Oldtimer-Freunden sehr gut angenommen wird. Vom Bremshebel über Kühlerfiguren bis hin zu Fensterkurbeln und Türgriffen stelle ich im Sandgussverfahren viele alte Teile wieder her, die ansonsten nicht mehr angefertigt werden.“

Bei schönstem Wetter strömten am Pfingstwochenende wieder viele Tausend Besucher auf das Gelände. Oldtimertage sind Besuchermagneten für den Erlebnispark Paaren. Die Veranstalter hatten mit 50 000 Gästen gerechnet, diese Zahl dürfte noch übertroffen worden sein. Carsten Heine: „Wir Oldtimer-Freunde wir sind eben eine richtige Wirtschaftsmacht.“

Von Carsten Scheibe