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Schönwalde-Glien Bunte Farben auf weißem Gold: Gaby Pintér bemalt Porzellan
Lokales Havelland Schönwalde-Glien Bunte Farben auf weißem Gold: Gaby Pintér bemalt Porzellan
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06:50 25.09.2018
Gaby Pintér aus Schönwalde-Glien bemalt Tassen, Vasen und andere Stücke aus Porzellan.
Gaby Pintér aus Schönwalde-Glien bemalt Tassen, Vasen und andere Stücke aus Porzellan. Quelle: Judith Meisner
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Schönwalde-Glien

Manche Hobbykünstler haben ein Atelier mit umfangreichen Utensilien, andere arbeiten an einem Klapptisch im Wohnzimmer. So wie Gaby Pintér in Schönwalde-Glien. Die kleinen Gläschen mit edlen Porzellan-Farben beanspruchen nicht viel Raum.

Gaby Pintérs Leidenschaft ist das Bemalen von Porzellan. Die MAZ hat der Künstlerin in ihrem Atelier in Schönwalde-Glien einen Besuch abgestattet.

„Ich könnte mir ein regelrechtes Studio einrichten, Platz haben wir genug. Aber ich habe gern meine Familie um mich“, sagt die gebürtige Berlinerin. Seit 2000 wohnt sie mit Ehemann Wolfgang und der Tochter in Schönwalde.

Zur Porzellan-Malerei kam sie durch Zufall. In einer Kladower Reha-Klinik erholte sich Gaby Pintér nach einem Bandscheiben-Vorfall. Das Angebot der Kunsttherapie war reichhaltig, vom Korbflechten bis zur Seidenmalerei – alles dabei. „Die Porzellanmalerei hat mich spontan angesprochen, und ich bin dabei geblieben.“

Zeitweise ist sie zu ihrer Lehrerin sogar bis nach Bernau gefahren. Sechs Monate brauchte es, bis Gaby Pintér mit dem ersten Stück rundum zufrieden war. Mittlerweile hat ihr die Familie einen eigenen Brennofen geschenkt. Der wird eifrig angefeuert: Bis zu dreimal wird ein Teller oder eine Tasse gebrannt, bevor die Farbe gleichmäßig das Porzellan überzieht.

Eigene Experimente wurden belohnt, so fand die gelernte Friseurin heraus, dass man einen bestimmten Rotton nur oft genug auftragen und zwischendurch immer wieder brennen muss, bis der Weihnachtsmann einen wirklich knallroten Mantel trägt.

Gaby Pintér zeichnet die Konturen mit einer feinen Feder auf das Werkstück. Dann wird die Farbe mit einem Schwämmchen aufgetragen. So entstehen gleichmäßige Flächen. Mit speziellem Abdecklack reserviert sie bestimmte Stellen. Bei Strukturen wie Blättern benutzt sie gern einen Pinsel, eine große Vase mit Sonnenblumen beweist ihre Kunstfertigkeit.

Zur Person

Gaby Pintér wurde 1947 in Berlin geboren. Sie ist gelernte Friseurin, hat beruflich viel gemacht.

Zur Porzellanmalerei kam sie 2003 während einer Reha. Seither widmet sie sich dem Hobby.

Durch Reisen nach Asien hat sie eine besondere Zuneigung zu asiatischen Motiven.

Am liebsten arbeitet Gaby Pintér nach asiatischen Vorlagen. Sie und ihr Mann Wolfgang bereisten fast ganz Asien und besitzen eine eindrucksvolle Sammlung indischer, thailändischer und indonesischer Kunstwerke. Auf Platten und Vasen erscheinen anmutige Inderinnen in Saris gehüllt und elegante Geishas mit Fächern. Oder die Göttin Parvati, Gemahlin Shivas, eines der hinduistischen Hauptgötter. Sie hält ihr Erkennungszeichen, die Lotusblüte, in der Hand.

An klassischen Porzellan-Dekors hat Gaby Pintér kein großes Interesse. Sie sucht sich Vorlagen aus, die ihr gefallen. Das kann auch das Muster eines Saris sein. Oder sie malt keltische Bordüren auf Fliesen. Eines ihrer ersten Werke ist eine große Kachel mit einer Jugendstil-Umrahmung. „Für Goldränder braucht man eine ruhige Hand. Die habe ich“, sagt sie.

Obwohl man nur winzige Mengen der Farben für die feine Malerei benötigt, geht es ganz schön ins Geld: Zwei Gramm Poliergold kosten 70 Euro. Aber man kann ja klein anfangen, die Grundausstattung kostet um die 20 Euro. Die Farben und die nötigen Profi-Utensilien wie Abdeckband und besonderes Engelshaar für feine Flächengestaltung bestellt Gaby Pintér in der Porzellan-Stadt Selb.

Zu Pinsel und Farben kommen noch diverse Öle als Malmittel. Terpentin ist allgemein unbeliebt wegen des durchdringenden Geruchs. Wolfgang Pintér kann ein Lied davon singen, er bekam Kopfschmerzen davon. Da war das Wohnzimmer-Atelier fast gefährdet. Mittlerweile ersetzt seine Frau das stinkende Terpentin durch ein angenehmes Orangenpräparat. Außerdem werden die Pigmente mit Nelken- und Lavendelöl angerührt.

Benutzt sie ihre Werke im Alltag? „Meine gesamte Familie trinkt aus bemalten Kaffeebechern“, sagt Gaby Pintér. Ihr Markenzeichen ist der beidseitig gestaltete Becher, schließlich soll das Gegenüber am Tisch auch etwas Schönes zu sehen bekommen.

„Ich verschenke gerne meine Arbeiten. Wenn ich weiß, dass meine Freunde und die Verwandtschaft bestimmte Farben oder Muster lieben, dann berücksichtige ich das. Alles ist spülmaschinenfest und lebensmitteltauglich“, betont sie. Bei intensivem Gebrauch werden die Farben etwas blasser. „Dann übermale ich das Dekor. Nach dem Brennen sieht es aus wie neu.“

Früher bot sie ihr Porzellan auf Märkten an. Doch die Standmiete war hoch, die Einnahmen gering. Die Kälte im Herbst und Winter mag die Porzellanmalerin gar nicht. Sie wohnt nicht weit vom Kreativ-Verein. Dort findet am 1. und 2. Dezember ein Weihnachtsmarkt statt. „Da biete ich gern meine Werke an, es ist nett und warm“, sagt sie lachend.

Von Judith Meisner

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