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Schönwalde-Glien Der Ziegel-Sammler aus dem Glien
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17:26 03.05.2019
Karl-Heinz Graffenberger geht an keinem Steinhaufen mehr vorbei – er ist immer auf der Suche nach gestempelten Ziegeln. Quelle: Laura Sander
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Pausin

Egal, ob gelb, leuchtend rot, glasiert oder unglasiert – Karl-Heinz Graffenberger aus Pausin hat sie alle. Mauer- und Dachziegel, vorzugsweise natürlich mit Herkunftsstempel, stapeln sich im Garten zwischen Akelei und Enzian.

Alles begann mit einem Zufallsfund

Was vor rund 30 Jahren mit einem Zufallsfund begann, entwickelte sich für den Hobby-Historiker schnell zu einer ständigen Schatzsuche. „Den ersten Mauerziegel fand ich in Uetz. Dort wurde das alte Fährhaus an der Wublitz restauriert und ein gestempelter Ziegel fiel für mich ab“, erinnert sich der 68-Jährige. Seither könne er an keinem Bauwerk, keiner Baustelle, keinem Steinhaufen mehr vorbeigehen, ohne die alten Ziegel genauer unter die Lupe zu nehmen. Auf Flohmärkten hält er Ausschau nach alten Ziegelformen oder Stempeln, von denen kaum einer die Auflösung der vielen Brandenburger Ziegeleien überlebt haben soll.

Es begann mit einem Zufallsfund. Seit 30 Jahren taucht Karl-Heinz Graffenberger aus Pausin immer tiefer in die Brandenburger Ziegelei-Geschichte ein und hat neben Expertenwissen auch jede Menge Mauer- und Dachziegel angehäuft.

„6000 Ziegel stellte ein guter Ziegler pro Tag her. Das waren oft gut ausgebildete Spezialisten, die als Wanderarbeiter tätig waren und in unserer Gegend oft aus dem Fürstentum Lippe kamen. Viele Ziegel wurden gestempelt: Das sollten zum einen zur Qualitätssicherung beitragen, zum anderen waren sie eine gute Eigenwerbung“, so Graffenberger, der gemeinsam mit anderen Sammlern bislang über 600 verschiedene gestempelte Ziegel erfasst und katalogisiert hat. „Und die stammen nur aus Brandenburg“, so Karl-Heinz Graffenberger.

1,8 Milliarden Ziegel für Berlin

In der Provinz Brandenburg habe es um 1900 etwa 1000 kleinere und größere Ziegeleien gegeben. Grundsätzlich seien sie überall dort angesiedelt gewesen, wo Ton vorhanden war. Neben den kleineren Ziegeleien, die eher bäuerlich geprägt waren, gab es aber auch einige größere, industrielle Ziegeleien in Brandenburg. „Sie schlossen sich Ende des 19. Jahrhunderts zu Ziegeleivereinen zusammen, wie eine Karte der Provinz von 1905 belegt“, so Graffenberger. Der Verein „Berlin“ umfasste allein über 200 Brandenburger Ziegeleien mit einer Gesamtkapazität von rund 1,8 Milliarden Ziegeln pro Jahr, die ausschließlich für Berlin bestimmt waren.

Neben ihren Qualitätsmerkmalen unterschieden sich die Brandenburger Ziegel vor allem in ihrer Färbung. Von den „roten Rathenowern“ und den „gelben Birkenwerder’schen“ schrieb 1870 schon Theodor Fontane in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“. Die Farbe der gebrannten Ziegel wird in erster Linie durch die Zusammensetzung des Rohmaterials bestimmt. Ein hoher Kalkanteil ergab gelbe Ziegel, ein hoher Anteil an Eisenoxid rote Ziegel.

Märkischer Ton mit spezieller Zusammensetzung

Bis in die 1960er-Jahre hinein wurden in Brandenburg Ziegel vielfach per Hand gefertigt. „Und das lag nicht etwa daran, dass die Brandenburger sich der Industrialisierung verschließen wollten, sondern tatsächlich an der spezifischen Beschaffenheit des Tons. Prinzipiell konnten Ziegel schon relativ früh, etwa seit Mitte des 19. Jahrhunderts, mit der sogenannten Strangpresse geformt werden“, so der Ziegel-Experte. Mit märkischem Ton sei das jedoch aufgrund seiner speziellen Zusammensetzung nicht immer möglich gewesen.

Mit ihrer guten Qualität überzeugten vor allem die Rathenower Ziegel. „Wie beliebt sie waren, zeigt die Tatsache, dass schätzungsweise 90 Prozent aller Ziegeleien, die Rathenower Ziegel fertigten, gar nicht wirklich in der Stadt Rathenow ansässig waren. Sie wurden lediglich mit dem Markennamen ,Rathenow’ versehen, um mit guter Qualität zu werben“, weiß der Hobby-Historiker.

Schwere Zeiten für die Brandenburger Ziegeleien

Bereits vor dem ersten Weltkrieg mussten viele Ziegeleien jedoch wegen der schlechten Auftragslage schließen. Der verstärkte Einsatz von Beton oder Kalksandstein machte es schwer für die klassischen Ziegel. Während des Ersten Weltkrieges machte die eingeschränkte Bautätigkeit und das Einziehen der Männer zum Militär für viele Ziegeleien das Überleben unmöglich.

Glien-Dörfer als Ziegelei-Standorte

Der Begriff „Glien“ (Glin) stammt aus dem Slawischen und bedeutet „Lehm“. Er war in mehreren Glien-Dörfern die Basis für die Ziegeleien, die es als bäuerliche Nebenbetriebe aber nie zu einer industriellen Produktion brachten. Orte in ähnlicher Position tragen diesen Bezug in ihren Namen, wie zum Beispiel Glindow, Glienicke.

Neben der Erfindung der Strangpresse setzte sich eine weitere technische Neuentwicklung ab der Mitte des 19. Jahrhunderts flächendeckend durch. Der Hoffmannsche Ringofen mit seinen hohen Schornsteinen bestimmte seither das klassische Bild der Ziegeleien.

Neben den gestempelten Steinen und den verschiedensten Form- und Dachziegeln hat Karl-Heinz Graffenberger auch sogenannte Zählsteine in seiner Sammlung. „Die jeweils erreichte Produktion wurde durch eine mit einem Stock oder dem Finger eingeschriebene Zahl festgehalten“, so der 68-Jährige. Abdrücke von Mensch und Tier habe er auf seinen vielen Schatzsuchen auch immer wieder entdecken können.

Nachdem er seine Sammlung bereits an verschiedenen Ziegelei-Standorten, unter anderem in Ketzin/Havel, präsentiert hat, stellt der Pausiner anlässlich der Brandenburger Landpartie am 15. und 16. Juni seine Fundstücke auf dem benachbarten Dammwildhof Kraatz aus.

Von Laura Sander

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