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Schönwalde-Glien Letztes originales Bahnhäuschen wird restauriert
Lokales Havelland Schönwalde-Glien Letztes originales Bahnhäuschen wird restauriert
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17:08 13.05.2019
Bürgermeister Bodo Oehme und Ortsvorsteher Jörg Meyer setzen sich für den Erhalt des ehemaligen Bahnhäuschens ein. Quelle: Laura Sander
Perwenitz

Ein eigener Bahnhof in Perwenitz – bis 1963 Realität, heute undenkbar. Denn wo einst Schienen lagen, ist jetzt eine Pflasterstraße, auf einigen Abschnitten der ehemaligen Bahntrasse stehen Wohnhäuser. Das kleine Bahnhäuschen, in dem die Perwenitzer ihre Fahrkarten kauften, blieb lange Jahre unbeachtet. Das historische Gebäude war mal Schuppen, mal Abstellraum, zuletzt nutzten es die Kameraden der Freiwilligen Perwenitzer Feuerwehr.

20 000 Euro für Sanierung

Jetzt soll das Überbleibsel vergangener Tage in neuem Glanz erstrahlen, ein Stück Eisenbahngeschichte wieder aufleben. Dafür nimmt die Gemeinde Schönwalde-Glien in diesem Jahr wieder 20 000 Euro in die Hand. „Wir wollen das Häuschen fachgerecht wieder aufbauen – das braucht Zeit und Geld“, so der Perwenitzer Ortsvorsteher Jörg Meyer. 26 000 Euro wurden bereits in ein neues Dach und erste Ausbesserungen an der Fassade des Bauwerks investiert. „Zunächst ging es darum, die Bausubstanz zu erhalten. Dabei halfen die Kameraden der Feuerwehr“, so Meyer. Doch auch nach diesen umfassenden Arbeiten liegt das Gebäude brach. Einen Boden gibt es nicht, Ziegel stapeln sich in den Ecken, es bleibt noch viel zu tun.

Ein eigener Bahnhof in Perwenitz: Bis 1963 Realität, heute undenkbar. Denn wo einst Schienen lagen, ist heute eine Pflasterstraße. Das kleine Bahnhäuschen blieb lange Jahre unbeachtet, jetzt soll das Überbleibsel vergangener Tage wieder in neuem Glanz erstrahlen.

Denn das Häuschen, das einst neben dem Fahrkartenschalter eine schöne Holzdielung und einen Ofen enthielt, soll wieder seine ursprüngliche Form annehmen. Fenster und Türen sollen erhalten oder nachgebaut, das Ortsschild über der Tür restauriert werden. „Diese Gebäude wurden nicht für die Ewigkeit gebaut. Hinter dem dunklen Holztor, das ebenfalls aufgearbeitet werden soll, lagert derzeit die Gulaschkanone der Perwenitzer Wehr, sie soll auch nach der Sanierung dort ihren Platz finden.

Das letzte originale Bahnhäuschen

„Es ist das letzte originale Bahnhofshäuschen in unserer Gemeinde und muss deshalb erhalten bleiben. Der Bahnhof in Paaren im Glien steht schon lange nicht mehr, er musste im Zuge des MAFZ-Baus dem Kreisverkehr weichen“, erinnert sich Schönwaldes Bürgermeister Bodo Oehme. Und auch das Häuschen in Pausin gibt es heute nicht mehr. Nach der Einstellung des Personen- und Güterverkehrs in den 1960er-Jahren wurde es in der Waldstraße zurückgebaut.

Osthavelländische Kreisbahnen

Mit dem Inkrafttreten des Preußischen Kleinbahngesetzes im Jahre 1893 beschlossen der Landkreis Osthavelland, die Gemeinden Nauen und Ketzin sowie die Nauener Zuckerfabrik das Kreisgebiet mit Eisenbahnstrecken zu erschließen.

Als erste Strecke der Osthavelländischen Kreisbahnen wurde die 16 Kilometer lange Kleinbahn von Nauen nach Ketzin am 4. Oktober 1893 für den Güterverkehr und am 13. Dezember 1893 für den Personenverkehr eröffnet.

1904 kam die 25,7 Kilometer lange Strecke von Nauen nach Velten mit Halt in Paaren, Perwenitz, Pausin, Wansdorf, Bötzow und Marwitz hinzu. Von dieser Strecke, genauer von der Zwischenstation Bötzow, zweigte ab 1908 die Linie zum Spandauer Johannesstift ab.

Auf der Strecke NauenVelten wurde 1963 der Personenverkehr eingestellt und 1964 der Güterverkehr.

Einen besseren Nutzen fand man hingegen für das alte Bahnhofshaus in Wansdorf. Dort wurde 1999 kurzerhand der Jugendklub angebaut, aus dem Umschlagplatz für Zuckerrüben wurde ein Treffpunkt für junge Menschen.

Zuckerrüben waren übrigens die letzten Güter, die auf der Linie der Osthavelländischen Eisenbahn transportiert wurden, nachdem der Personenverkehr auf der 25,7 Kilometer langen Strecke von Nauen nach Velten eingestellt worden war.

Mit 30 Stundenkilometern über die Dörfer

Den Betrieb nahm die Kleinbahn am 1. Oktober 1904 auf, fünf Jahre später kam die Zweiglinie von Bötzow nach Spandau, die als Bötzowbahn bekannt ist, hinzu. Mit 30 Kilometern pro Stunde ging es über die Dörfer. Genutzt wurde die Bahn vor allem von Pendlern, die in Hennigsdorf oder Berlin arbeiteten.

In den 1960er-Jahren setzte man verstärkt auf den Bus als Fortbewegungsmittel. Er hielt einmal in der Stunde in Paaren, Pausin, Wansdorf und Perwenitz und machte die Kleinbahn überflüssig. „Das ist fast ein besserer Takt, als wir ihn heute haben“, so Bodo Oehme.

Die letzte verkaufte Fahrkarte in Perwenitz ist in der Orts-Chronik verewigt, ein Bürger hatte sie schon vor Jahren zur Verfügung gestellt.

Von Laura Sander

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