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Schönwalde-Glien Ehe für alle – aber nicht in Grünefeld
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01:15 29.06.2019
Bei Jean und George Bellin war es Liebe auf den ersten Blick. Quelle: Laura Sander
Schönwalde-Glien

Es war Liebe auf den ersten Blick. Als George Bellin vor rund einem Jahr zum ersten Mal aus Spandau nach Grünefeld fuhr, um seinen Jean zu besuchen, funkte es bereits am Gartenzaun.

Sie lernten sich im Netz kennen

„Wir haben uns durch einen lustigen Zufall im Internet kennengelernt. Ich antwortete auf einen Kommentar bei Facebook und er lud mich zu sich ein“, erinnert sich George Bellin. Schnell stand für den Friseurmeister aus Berlin-Spandau und den Ur-Grünefelder fest: Wir wollen heiraten. Im Dezember gaben sie sich im Falkenseer Standesamt das Ja-Wort.

„Es ist schön, jetzt so richtig zusammenzugehören“, sagt Jean Bellin, der seit seiner Jugend sehr offen mit seiner Homosexualität umgeht. „Ich lebe schon mein ganzes Leben in Grünefeld, wurde in der Gemeinde getauft und konfirmiert. Für mich stand immer fest, dass ich einmal kirchlich heiraten möchte, seit 2016 ist das ja endlich möglich“, so der 50-Jährige, der lange am Nauener Bahnhof als Facharbeiter für Eisenbahnbetrieb tätig war.

Trauung im Heimatdorf unerwünscht

Eine Trauung in seinem Heimatdorf sollte es werden, erste Gespräche mit Pfarrerin Birgit Wolter wurden geführt. Doch der Traum von ihrer Hochzeit in der Grünefelder Dorfkirche platzte, der Gemeindekirchenrat stimmte mehrheitlich gegen die Trauung.

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Eine herbe Enttäuschung für das Paar. Die Entscheidung der Ratsmitglieder können sie nicht verstehen. „Es ist traurig, dass ich nicht in der Kirche heiraten kann, die ich seit meiner Kindheit besuche. Dort habe ich meine Eltern beerdigt, die mich immer unterstützt haben“, so Jean Bellin.

Seit 2016 gibt es Traugottesdienste für gleichgeschlechtliche Paare

2016 beschloss die evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-Oberlausitz auf ihrer Frühjahrssynode Gottesdienste zur Trauung gleichgeschlechtlicher Paare gleichzustellen. Aber: Aus Gewissensgründen können sich Gemeinden und Pfarrer trotzdem gegen eine Trauung entscheiden. „Von gleichgeschlechtlichen Paaren ist in der Bibel nichts zu lesen. Konservativen wird daher die Möglichkeit gegeben, die Trauung abzulehnen“, erklärt Thomas Tutzschke, Superintendent im Kirchenkreis Nauen-Rathenow. „Die Kirche nimmt diese Meinung ernst. Trotzdem wird jede Ablehnung geprüft“, so Tutzschke weiter. Das könne jedoch mehrere Jahre dauern.

Pfarrerin unterstützt die Familie

So lange wollten Jean und George Bellin nicht warten. Pfarrerin Birgit Wolter unterstützte das Paar und schließlich gaben sich die beiden das Ja-Wort in der Perwenitzer Dorfkirche. Hier bekamen sie sofort grünes Licht vom Gemeindekirchenrat. „Wir leben im Jahr 2019. Für mich macht es keinen Unterschied, ob ich nun Mann und Frau traue oder eben ein gleichgeschlechtliches Paar“, sagt Birgit Wolter.

Trauungen seit 2016 möglich

Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz hat auf ihrer Frühjahrssynode 2016 beschlossen, Gottesdienste zur Trauung von gleichgeschlechtlichen Paaren zu erlauben.

Ausnahmen aus Gewissensgründen bleiben für Pfarrer und Gemeinden jedoch möglich.

Seit 2002 waren Segnungsandachten für gleichgeschlechtliche Paare möglich, die sich von klassischen Traugottesdiensten unterscheiden sollten.

„Es war eine schöne Zeremonie, die Kirche war mit weißen und roten Rosen dekoriert. Anschließend haben wir im kleinen Kreis gefeiert“, sagt George Bellin, der lange in den USA gelebt hat. „Ich hatte mit dem Kapitel Kirche eigentlich längst abgeschlossen. In den Staaten ist alles noch einmal konservativer“, so der 71-Jährige, der seinem Mann den Wunsch nach Gottes Segen jedoch nicht abschlagen konnte.

In Grünefeld angekommen, im Havelland zuhause

„Ich habe in meinem Leben viel durchgemacht und bin endlich angekommen – hier in Grünefeld“, so George Bellin. Er habe bereits in jungen Jahren viel Ablehnung erfahren müssen. Nicht immer sei seine Homosexualität gut aufgenommen worden, selbst aus der eigenen Familie habe er Gegenwind bekommen. „In den USA war ich Jahrzehnte mit einem Mann zusammen, als er bei einem schlimmen Unfall verstarb, hat mich dort nichts mehr gehalten. Einige Jahre später bin ich mit einem anderen nach Deutschland zurückgekehrt und habe mir in Berlin etwas aufgebaut“, so der 71-Jährige. Er habe ein gutes Leben geführt, bis sein damaliger Partner Eigenheim, Friseursalon und Motorrad verzockte, Unterschriften fälschte und ihn ohne einen Cent zurückließ. „Ich bin dann für zehn Jahre nach Spandau gezogen und hatte den Männern schon abgeschworen“, sagt George Bellin.

Bei seinem Jean habe er den Halt gefunden, der ihm in den vergangenen Jahren gefehlt hat. Gemeinsam mit Fundhund Teddy zog er nach Grünefeld und fühlt sich im Havelland wohl, trotz der Ablehnung, die sie kürzlich von Seiten der Kirchengemeinde erfahren haben.

Von Laura Sander

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