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Schönwalde-Glien Schönwalde: Zeitzeugen erzählten über ihre Erinnerungen rund um den 9. November
Lokales Havelland Schönwalde-Glien Schönwalde: Zeitzeugen erzählten über ihre Erinnerungen rund um den 9. November
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17:22 10.11.2019
Einige der Redner auf der Festveranstaltung in Schönwalde-Glien. Quelle: Enrico Berg
Schönwalde-Glien

Etwa 150 Menschen verloren ihr Leben bei Fluchtversuchen an der Mauer. Auch in Schönwalde-Glien waren zwei Opfer zu beklagen. Mit 91 Schuss Dauerfeuer wurde Dietmar Schwietzer 1977 getötet, drei Jahre später starb Ulrich Steinhauer im Alter von 24 Jahren als Grenzsoldat.

Anlässlich des Mauerfalls vor 30 Jahren hatte die Gemeinde Schönwalde-Glien Samstag in die Grundschule „Menschenskinder“ geladen. Zu Beginn des Festakts lief der Film „25 Jahre Mauerfall” der Falkenseer Filmemacherin Heide Gauert und Ines Evelyn Kuhnert.

Unterschiedliche Grenzgeschichten

Bürgermeister Bodo Oehme hatte im Vorfeld Schönwalder Bürger, die über die Prager Botschaft aus der DDR geflohen waren, gefragt, ob sie ihre Erlebnisse erzählen möchten. Zu seinem Bedauern erklärte sich niemand dazu bereit. Umso erfreuter war das Gemeindeoberhaupt, dass nicht nur er, sondern auch Zeitzeugen aus anderen Städten und Partnergemeinden ihre Erinnerungen an diesen bedeutsamen Tag preisgaben.

So berichtete Spandaus Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank, dass er im Schatten der Mauer aufgewachsen sei, diese aber als Kind nicht als Bedrohung empfunden habe. Dietmar Späth, Bürgermeister der Partnergemeinde Muggensturm, erzählte, dass er an der deutsch-französischen Grenze aufgewachsen sei, jedoch könne man dies nicht mit der deutsch deutschen Grenze vergleichen.

Der Maurer kam nicht

Etwas skeptisch stand die Ortsvorsteherin von Schönwalde-Barnim dem Ganzen damals gegenüber. Ihr Sohn hatte am 9. November 1989 seinen neunten Geburtstag gefeiert. „Ist es wirklich wahr, dass ab sofort die Mauer offen ist“, fragte sich Gabriele Bohnebuck damals. „Am nächsten Tag war nur die Hälfte der Kollegen zur Arbeit erschienen. Die anderen waren auf Erkundungstour.” Zu jener Zeit bauten sie gerade ein Haus und der Maurer war für das Wochenende bestellt. „Nur kam der nicht, auch die nächsten Wochen nicht. Wie viele andere hatte er lieber im Westen gearbeitet, denn die Ost-Mark war ja nichts mehr wert”, sagte Bohnebuck.

Bürgermeister Bodo Oehme (links) bekam von seinem Amtskollege Dietmar Späth aus Muggensturm die Muggensturmer Friedenstaube überreicht. Quelle: Enrico Berg

Heide Gauert aus Falkensee zitierte eine junge Frau, die sie für einen ihrer Filme interviewt hatte. Gauert schilderte, wie die Mutter und ihr vierjähriger Sohn sich zur Botschaft nach Prag aufmachten. Sie wollten zum Ehemann und Vater, der seinerzeit von einem Besuchsaufenthalt in der BRD nicht mehr zurück gekommen war.

Musikalische Unterhaltung mit drei Chören

Zwischen den Erzählungen der Gastredner unterhielten der Gemischte Chor Schönwalde-Glien, der Gemischte Chor Cantare aus Schönwalde (Barnim) und der Arbeitergesangsverein Harmonie aus Muggensturm das Publikum.

Für die musikalische Unterhaltung sorgten drei Chöre. Quelle: Enrico Berg

Lieder wie „Über sieben Brücken“, „Ein bisschen Frieden“ und „Looking for Freedom“ passten zum Programm.

Auf dem Weg zur Arbeit erfuhr Roland Gefreiter von der Partnergemeinde Schönwald (Landkreis Dahme-Spreewald) von den Ereignissen am 9. November. Er hatte an diesem Abend Nachschicht im Kraftwerk Lübbenau. „Wir haben die ganze Nacht Radio gehört“, so Gefreiter. „Eine Aussage lautete, dass die Grenze am nächsten Morgen um 7 Uhr wieder geschlossen würde. Also schmiedeten wir kurzerhand den Plan, nach Schichtende am nächsten Morgen nach Berlin zu fahren.“ Doch es gab ein Problem: „Nachts war zwischen Cottbus und Berlin keine einzige Tankstelle auf. In einen Trabi ging nicht soviel Benzin rein, dass wir hätten durchfahren können“, erinnerte sich Roland Gefreiter. Also habe man spontan zwei Kollegen freigestellt, die Benzin organisieren sollten. „Gott sei Dank kam die Frühschicht vollzählig zur Arbeit, so dass wir endlich los konnten.“

Ein blaue Trabi stand vor der Tür

Als damalige Amtsleiterin für Grünflächen und Naturschutz in Spandau erlebte Elke Hube den Mauerfall sowohl beruflich als auch privat.

Elke Hube, ehemalige Amtsleiterin für Grünflächen und Naturschutz in Spandau. Quelle: Enrico Berg

„Mein Mann und ich waren in Berlin, um Schuhe zu kaufen. Wir wunderten uns über die Stimmung in der Stadt, irgendwie lag etwas in der Luft “, erinnerte sich die Reinickendorferin. Zuhause angekommen haben sie im Fernsehen dann gesehen, was los war. Am nächsten Tag stand ein blauer Trabi vor ihrer Tür: ihre Cousine aus Leipzig hatte es ohne Navi bis zur ihr geschafft.

Bei allen schönen und lustigen Erinnerungen zum Mauerfall gab es auch eine Kehrseite der Medaille. Bürgermeister Finn Petersen von der Partnergemeinde Süderschmedeby (Kreis Schleswig-Flensburg) machte darauf aufmerksam: Es waren nicht alle Gewinner. Einige sind auch auf der Strecke geblieben. Das darf man nicht vergessen.“

Der Schalter für Europa

Das Schlusswort am Samstag blieb Schönwaldes Bürgermeister Bodo Oehme vorbehalten. Er blickte auf die große Politik„Dieser bedeutsame Tag vor 30 Jahren war der Schalter für Europa. Jeder, der gegen Europa spricht, sitzt falsch im Europaparlament“.

Von Hannelore Berg

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