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Schönwalde-Glien Turmfalke und Schleiereule brüten im Kirchturm
Lokales Havelland Schönwalde-Glien Turmfalke und Schleiereule brüten im Kirchturm
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18:33 16.06.2019
Konrad Bauer vom Nabu öffnet den Nistkasten an der Nordseite des Kirchenturms in Paaren im Glien. Darin liegen die Eier eines Turmfalkens. Quelle: Vivien Tharun
Paaren im Glien

Konrad Bauer vom Nabu Osthavelland hat eine Vermutung: Der Turmfalkennistkasten auf der Südseite des Kirchturms ist fehlbesetzt. Vorsichtig erklimmen Bauer, seine Ehefrau Martina Dahms und fünf weitere Naturbegeisterte die Stufen in den Turm. Und schon auf wenige Meter Entfernung zum Nistkasten ist es deutlich zu hören – das laute Fauchen junger Schleiereulen.

Die Eltern der Eulenküken haben den Turmfalkenkasten für ihre Kinderaufzucht ausgewählt. „Schleiereulen sind ursprünglich keine Turmbrüter“, sagt Bauer. Doch fehlende Altbaumbestände und ein Mangel an Baumhöhlen haben dazu geführt, dass diese Eulenart in den vergangenen 150 Jahren damit begann, sich neue Nistplätze zu erschließen.

Schleiereulen brauchen viel Platz

Konrad Bauer versucht mit seinen Nistplatz-Exkursionen, Menschen für den Brutplatzmangel der Turmvögel Schleiereule, Turmfalke und Dohle zu sensibilisieren. Die Teilnehmer am Samstag sind von den Eulenkindern sehr angetan. „Unglaublich, wie abschreckend dieses Fauchen ist“, stellt eine Besucherin fest.

Im Turmfalkenkasten an der Südseite der Kirche sind fünf gut 15 Tage alte Schleiereulen-Küken. Dass Eulen im Kasten sind, ist ohne heben des Deckels schon deutlich: Die Jungtiere fauchen abschreckend und es richt stark nach verwesenden Mäusen. Quelle: Vivien Tharun

Turmfalken koten aus dem Kasten raus

Anders als Turmfalkenkinder halten die Eulenküken ihre Kinderstube nicht sauber. Turmfalken verrichten ihr Geschäft, in dem sie ihr Hinterteil aus dem Kasten halten. Die etwas taumeligen Jungeulen hocken aber meist nur in einer Ecke ihres Kastens auf wachsenden Schmutzbergen. „Alle zwei Jahre machen wir die Kästen gründlich sauber“, sagt Bauer.

Das Gelege des Turmfalkenpaares ist noch nicht geschlüpft. Konrad Bauer wird in einiger Zeit noch einmal nach der Jungtierentwicklung im Nest schauen. Quelle: Vivien Tharun

Mehr Brutplätze sind nötig

„Die Südseite ist eigentlich nicht optimal für Falken“, weiß Bauer. Normalerweise würde der Nabu die Kästen nach Osten oder Norden ausrichten, damit es darin nicht zu heiß wird. In Paaren ging es nicht anders. Die Eulen haben mit dieser Ausrichtung kein Problem, sondern nehmen den neuen Falkenkasten gut an.

Die Arbeitsgruppe für Turmvögel im Nabu setzt sich dafür ein, dass Turmfalke, Schleiereule und Dohle wieder Brutplätze finden und hängt ehrenamtlich entsprechende Nistkästen auf. Beispielsweise ist die Dohle in Brandenburg vom Aussterben bedroht. „Da diese Tiere immer in Gruppen auftreten, fällt den meisten gar nicht auf, dass es diesen Vogel kaum noch bei uns gibt“, sagt Bauer. Alle drei Vogelarten waren ursprünglich keine Turmbrüter, sondern sind erst durch Nistplatzmangel dazu geworden. Ein wichtiges Heim für Schleiereule und Turmfalken sind neben Kirchen alte Trafotürme. Leider zerfallen viele von diesen Türmen. „Die Dächer sind kaputt, es regnet rein“, sagt Bauer. Einige der Türme stehen unter Denkmalschutz, werden von den Besitzern aber aus Kostengründen nicht saniert.

Die Besucher der Exkursion fragen sich darauf, ob nicht eine Spendenaktion helfen könne, die Türme zumindest gegen Regen abzudichten. „Bei so etwas würde ich sofort mitmachen“, sagt eine Teilnehmerin.

Bestand geht leicht noch oben

Die Arbeitsgruppe ist trotz all der Probleme, die es für diese Vögel gibt, aber auch ein kleines bisschen froh: „Trotz der hohen Jungtiersterblichkeit von etwa 50 Prozent, haben wir es geschafft, die Bestände seit 2015 leicht zu verbessern“, sagt Bauer. Vor vier Jahren gab es im Osthavelland 15 gezählte Turmfalken. Jetzt sind es 25, und die Prognose für die Zeit nach dieser Brutsaison liegt bei 40 Tieren. Ähnlich gingen auch die Bestände der anderen beiden Arten nach oben. Damit das so weitergehen kann, hat die Arbeitsgruppe aber noch ein Anliegen: „Wir möchten, dass überlegter mit Mäusegift umgegangen wird. Mäuse sind die Hauptnahrungsquelle von Falke und Eule.“ Schon zwei vergiftete Tiere töten einen Jungvogel.

Nistplätze selber schaffen

Wer ein Grundstück mit Scheune oder einem anderem geeigneten Gebäude hat, kann passende Nistkästen für Turmfalke, Schleiereule und/oder Dohle bei Sinalkol an der Dammstraße 34 in Nauen kaufen. Alternativ kann der Preis eines Nistkasten an den Nabu gespendet werden und Mitglieder der Arbeitsgruppe kommen dann zum Aufhängen der Brutstätte vorbei.

Von Vivien Tharun

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