Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Havelland Seeger-Schule soll Quartierzentrum werden
Lokales Havelland Seeger-Schule soll Quartierzentrum werden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:14 26.04.2018
Die Schulkonferenz an der Seeger-Schule in Rathenow-West fand mit Lehrern, Eltern, Schülern und Gästen statt. Quelle: Uwe Hoffmann
Anzeige
Rathenow

Im Herbst letzten Jahres entwickelte die Stadt Rathenow das 2007 erarbeitete und beschlossene Integrierte Stadtentwicklungskonzept (Insek) als Entwicklungsziel bis ins Jahr 2030 weiter. Zu dessen Handlungsfeldern gehören Soziales, Kultur und Bildung sowie Stadtstruktur und Innenstadtstärkung. In dem Papier hält die Stadt, nach ursprünglichen Plänen zur Schließung des Standortes Scholl-Schule zum Schuljahr 2016/2017, vorerst an allen vier Schulstandorten fest. „Zur zukunftssicheren Entwicklung dieser Schulstandorte müssen neue Konzepte einer zusätzlichen Nutzung der Schulgebäude gefunden werden“, erklärte Stadtplaner Jens Hubald. „Zu deren flexibler Auslastung müssen, vor dem Hintergrund der schwer verlässlich prognostizierbaren demografischen Entwicklung, quartiernahe Lösungen gefunden werden.“

Kürzlich startete an der Seeger-Schule dieser Prozess mit einer Veranstaltung im Rahmen der Schulkonferenz mit rund 30 Teilnehmern – Lehrern, Eltern, Hort- und Schülervertretern sowie Gästen, darunter einige Stadtverordnete. „In den elf Jahren als Schulleiter der Schule haben Lehrer, Eltern, Schüler mit großer Unterstützung der Bewohner und Gewerbetreibenden in Rathenow-West mehrere Male erfolgreich um den Fortbestand unserer Schule gekämpft“, so Ralph Stieger. „Vor fast vier Jahren beschlossen die Stadtverordneten den Erhalt der Seeger-Schule. Um eine langfristige Perspektive zu erhalten, müssen jetzt konkrete Schritte folgen.“

Anzeige
Ralph Stieger ist seit elf Jahren Leiter der Otto-Seeger-Grundschule. Quelle: Uwe Hoffmann

Die Seeger-Schule kooperiert unter anderem mit den vier Kitas im Einzugsbereich, der Musikschule und acht Sportvereinen und -initiativen. Während der Ideensammlung bildete sich schnell der Wunsch heraus, den Schulstandort mit Funktionen eines Quartiertreffs für alle Generationen zu ergänzen. „Die Bewohner in Rathenow-West wünschen sich einen wohnortnahen Schulstandort. Die schon bestehenden Angebote können ausgebaut und erweitert werden. So könnten Schule und zusätzliche Angebote voneinander profitieren und sich befruchten“, so Schulleiter Stieger. „Dazu sind aber auch bisher versäumte bauliche Veränderungen nötig. Die unterschiedlichen Nutzer müssten grundsätzlich räumlich voneinander getrennt sein.“

Als konkrete Beispiele künftiger Angebote wurden ein Senioren-Kinder-Treff mit „Miet-Oma“ und eine Tagespflege für Senioren genannt. Mehr Angebote für Freistunden und „Buskinder“ sowie eine Schulsozialarbeiterin, die es zuletzt vor zirka zehn Jahren an der Schule gab, wurden auch gefordert. „Eine eigene Schulküche, mit Nutzung durch die Hauswirtschafts-AG ist der Wunsch vieler. Auch eine Schul-Aula wäre toll“, sagte Antonia Maday, Sprecherin der Klasse 6b. „An der Schule sollte es eine eigene Bibliothek geben. Die Schüler wollen lesen.“

Die Otto-Seeger-Grundschule, gegründet im Jahr 1908

Die Schule in Rathenow-West wurde im Jahr 1908 durch Otto Seeger gegründet.

Für den Bau stiftete er einen Teil seines Grundbesitzes.

Zum 100-jährigen Bestehen der Schule 2008 erhielt sie den Namen „Otto Seeger“.

Seit diesem Jahr veranstaltet die Schule in jedem Herbst den „Otto-Seeger-Gedenklauf“.

Der aktive Förderverein der Schule wurde 1994 gegründet.

Seit Jahren unterstützt er die Verbesserung der Lernbedingungen an der Schule, wie die Umgestaltung des Schulhofes.

Seit 17 Jahren unterhält die Schule eine aktive Schulpartnerschaft mit der Grundschule Nr. 6 „Orzeł Biały“ in Szczytno/Masuren.

Derzeit lernen 170 Schüler in acht Klassen an der Otto-Seeger-Grundschule.

Der Hort hat eine Kapazität von 105 Kindern.

Für das Schuljahr 2018/2019 rechnet die Stadt mit 198 Einschülern, davon 39 mit Migrationshintergrund.

Hinzu kommen rund 45 Rücksteller aus dem letzten Jahr. Damit würden zum neuen Schuljahr wohl neun, statt 2017/2018 acht 1. Klassen eröffnet.

Damit würde auch die Otto-Seeger-Schule nach vier Jahren wahrscheinlich erstmals wieder zwei neue 1. Klassen bekommen.

Mit Tamino Schmunck, Klassensprecher der 5a und Schulsprecher, ist sich die Sechstklässlerin einig, dass das familiäre Verhältnis an der relativ kleinen Schule für sie ein großer Vorteil der Schule ist. „Mit den schulnahen Kitas und für die Stadtteile Steckelsdorf, Göttlin und Grütz ist unsere Grundschule perfekt gelegen“, ergänzte Tamino. Zudem könne die Schule mit gewünschter durchgängiger Zweizügigkeit flexibler auf den Schulplatzbedarf durch Frauenhaus und Kinderheim im Stadtteil reagieren.

„Der nächste Schritt ist die Ausarbeitung einer Arbeitsgrundlage für eine noch zu bildende interdisziplinäre Planungsgruppe zur künftigen Entwicklung der Schulstandorte“, erklärte Jens Hubald weiter. „Auf Grundlage dieser Planung sollen finanzierbare Projekte, unter Beteiligung aller Betroffenen, umgesetzt werden.“ Die Planung für die Seeger-Schule soll innerhalb des ersten Quartals 2018 erfolgen. Noch in diesem Jahr soll der Prozess zur weiteren Entwicklung der Scholl-Schule starten. Für die Jahn- und die Weinberg-Grundschule ist eine Zukunftswerkstatt ebenfalls geplant.

Von Uwe Hoffmann