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Havelland Seit 30 Jahren an der Werkbank
Lokales Havelland Seit 30 Jahren an der Werkbank
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06:09 20.01.2018
Klaus Jüngling führt in dritter Generation die Tischlerei Jüngling in Bützer. Sein Opa Heinrich Jüngling hatte das Unternehmen gegründet. Quelle: Christin Schmidt
Bützer

Alte Möbel erzählen eine Geschichte, sie haben den Geist von Jahrzehnten aufgesaugt und nicht selten verbirgt sich in alten Schränken sogar ein Geheimfach, das Ewigkeiten nicht geöffnet wurde. Der erfahrene Tischler Klaus Jüngling ist fasziniert von alten Möbelstücken. Diese zu restaurieren ist seine liebste Aufgabe in der Werkstatt in Bützer, in der schon sein Vater und sein Opa arbeiteten.

Vor 30 Jahren übernahm der Milower den Familienbetrieb, den Opa Heinrich 1946 gründete. „Leider gibt es keinen schriftlichen Nachweis über die Gründung, aber tatsächlich gibt es unsere Tischlerei mehr als 60 Jahre“, so Klaus Jüngling. Seinem Opa gelang es, die Söhne für das Handwerk zu begeistern und so arbeiteten auch Klaus Jünglings Vater Gerhard, den alle Peter nannten, und zwei Brüder an der Werkbank.

All die Jahre blieb das Unternehmen in privater Hand. Die Familie fertigte in erster Linie Möbel, die sie zum Teil per Lastkahn nach Berlin auslieferten. Ende der 1960er Jahre starb Heinrich Jüngling. Sohn Hubert übernahm die Werkstatt und Gerhard Jüngling arbeitete weiter mit. „1985, ich war damals bei der Armee und mein Onkel sehr krank, sagte mein Vater: Entweder du kommst in die Werkstatt oder wir machen die Bude dicht.“

Seit 2006 ist Klaus Jüngling Einzelkämpfer

Obwohl Klaus Jüngling bereits einen Vertrag mit der Berufsfeuerwehr Premnitz in Aussicht hatte, entschied er sich für den Familienbetrieb und begab sich als gelernter Bauschmaschinist in ein neues Arbeitsfeld. Die Entscheidung kam nicht von ungefähr, denn schon in der 9. Klasse hatte er sich für die Tischlerei entschieden. „Als ich freudestrahlend meinem Vater verkündete, ich werde Tischler, sah er mich an und sagte, wohl auch im Scherz: Junge, lern einen anständigen Beruf. Tischler kannst Du immer noch werden.“

Zum 1. Januar 1988 übernahm Klaus Jüngling den Familienbetrieb. Dafür musste er neben der Arbeit in der Werkstatt die Schulbank drücken. Nach einem Jahr hatte er den Gesellenbrief in der Tasche. 1992 schloss er die Meisterschule ab und sicherte damit den Fortbestand des Familienbetriebs. Bis 2006 arbeitete sein Vater mit, seither ist Klaus Jüngling Einzelkämpfer.

Noch gibt es keinen Nachfolger für die Tischlerei in Bützer

In erster Linie kommen die Aufträge aus der Region, die Möbel aus Bützer stehen mittlerweile aber auch in Sachsen. „Vor drei Jahren Jahr sprach mich auf dem Campingplatz in Wollin ein Herr aus Leipzig an, der die Werbung an meinem Auto sah. Ganz begeisterte erzählte er, dass mein Vater und mein Onkel ihm vor Jahren eine Schrankwand gebaut hatten als er noch in Rathenow lebte. Mittlerweile ist er sechs Mal umgezogen, aber der Schrank steht noch immer.“

Möbel baut Klaus Jüngling nach wie vor, von kleinen Anrichten über maßgefertigte Einbauschränke. Er hat sich auf die Restauration alter Möbel spezialisiert, verlegt aber auch Fußböden oder baut Knorpelschenken, die Touristen im Milower Land gern fürs Picknick nutzen. Früher habe er auch Treppen gebaut, aber das sei aufgrund der Konkurrenz aus Polen nicht rentabel.

„Es ist kein einfaches Geschäft. Vor etwa vier Jahren war es besonders hart, eine richtige Flaute“, sagt Jüngling. Inzwischen gehe es langsam bergauf, die Wertschätzung für echte Handarbeit steigt wieder. Ob es die Tischlerei in 15 Jahren noch gibt, ist aber unsicher. Einen Nachfolger für sein Unternehmen hat Klaus Jüngling nicht.

Von Chritin Schmidt