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Havelland Selbstbestimmt durch den Alltag
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15:57 06.12.2016
Yvonne Kube (27), André Nieselke (40), Jennifer Lehnert (29), Gerald Wendelin (61) und Susanne Eggert (28) (v.l.) wohnen gemeinsam in der Falkenseer Schwartzkopffstraße.
Yvonne Kube (27), André Nieselke (40), Jennifer Lehnert (29), Gerald Wendelin (61) und Susanne Eggert (28) (v.l.) wohnen gemeinsam in der Falkenseer Schwartzkopffstraße. Quelle: Tanja M. Marotzke
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Falkensee

Als Fliedners Haus-DJ sorgt André Nieselke am liebsten für ausgelassene Stimmung und heizt seinen Mitbewohnern, Kollegen und Betreuern bei jeder Gelegenheit so richtig ein. Seit 2009 wohnt der 40-Jährige in der Falkenseer Schwartzkopffstraße, hilft seinen Mitbewohnern, wo er nur kann und ist zur guten Seele des Hauses geworden. Neben André Nieselke leben neun weitere Menschen mit einer geistigen Behinderung in dem Mehrfamilienhaus. Seit 2008 betreibt Fliedners das Ambulant Betreute Wohnen an diesem Standort. „Es gibt hier Dreier- und Zweier-Wohngemeinschaften. Außerdem betreuen wir noch 20 Menschen, die alleine in Falkensee, Nauen, Dallgow und Elstal leben“, so Benjamin Dwucet, der im Havelland das Fliedners Ambulant Betreute Wohnen leitet. „Jeden Bewohner besuchen wir zwei bis drei Mal in der Woche, je nachdem wie fit er ist. Wir helfen den Menschen dabei, selbstständig zu leben, gehen mit ihnen Aufgaben im Haushalt durch und geben ihnen somit ein Stück Sicherheit“, so der gelernte Herrenausstatter, der 2007 bei Fliedners in Brandenburg angefangen hat.

Benjamin Dwucet leitet das Ambulant Betreute Wohnen im Havelland. Quelle: Laura Sander

Putzen,Kochen,waschen

Putzen, kochen, Wäsche waschen, Körperpflege – was für Menschen ohne Behinderung meist nebenbei abläuft, stellt für Menschen mit einer geistigen, körperlichen oder psychischen Erkrankung oft eine unüberbrückbare Hürde dar. „Wir versuchen Ängste zu nehmen und bringen ihnen einen geregelten Alltag nah. Bei dem einen geht es schneller, der andere braucht etwas mehr Zeit“, so der Leiter. Bevor ein Bewohner in das Ambulant Betreute Wohnen einziehen kann, werden Hintergründe und Diagnosen geprüft und ein kurzes Kennenlerngespräch geführt, doch erst mit der Zeit könne man sich ein vollständiges Bild machen. „Wir helfen ausschließlich bei der Bewältigung des Alltags und versuchen Kontakte zu sozialen Strukturen, wie Sportvereinen, herzustellen. Wir erwarten ein gewisses Maß an Selbstständigkeit“, so Benjamin Dwucet, dessen ältester Bewohner bereits 61 Jahre alt ist und erst seit vier Monaten in der Schwartzkopffstraße wohnt. Gerald Wendelin hat sein ganzes Leben gemeinsam mit seiner Mutter in seinem Elternhaus gelebt, seine neue Freiheit genießt das Falkenseer Urgestein in vollen Zügen. „Mir gefällt es hier prima. Ich kann alles fußläufig erreichen, dank der perfekten Infrastruktur“, so der 61-Jährige. „Oftmals ist es so, dass die Menschen sehr abhängig von ihren Eltern sind, weil die nicht loslassen können. Wohnen sie dann erst einmal alleine, blühen sie richtig auf – so ist es auch bei Gerald“, sagt Benjamin Dwucet. „Das Mit-einander unter Bewohnern und Betreuern ist einzigartig. Das schätze ich sehr“, sagt auch Yvonne Kube (27), die seit über zwei Jahren im Ambulant Betreuten Wohnen lebt.

Angekommen

Probleme mit den Nachbarn gäbe es zumindest in der Falkenseer Schwartzkopffstraße schon lange nicht mehr. „Wenn sie auch zu Beginn etwas verhalten waren, hat sich das mittlerweile komplett gelegt. Wir sind hier richtig angekommen und auch die Nachbarn haben gemerkt, dass es keine Probleme gibt“, so Dwucet. An den anderen Standorten sei das nicht ganz so einfach. „Es ist schon eine Hürde, die man überwinden muss, wenn man nicht wie wir jeden Tag mit behinderten Menschen zu tun hat. Wir arbeiten daran“, so der Leiter.

Das Spendenkonto

Die
diesjährige Weihnachtsaktion „Sterntaler“ läuft zugunsten der Fliedners Theatergruppe. Den derzeit zehn Schauspielern mit Behinderung fehlt es noch an der richtigen Licht- und Tontechnik sowie einer Vielzahl von Requisiten.

Wer sich an der Spendenaktion beteiligen und für die Ausstattung der Schauspieler spenden möchte, kann seinen Betrag auf das eingerichtete Spendenkonto (DE 58 3506 01900008 844488) überweisen. Verwendungszweck: Theater.

Spendenquittungen können auf Nachfrage ebenfalls ausgestellt werden.

Noch bis zum 22. Dezember kann gespendet werden. Der erste Spendenstand wir in der kommenden Woche veröffentlicht.

Einmal im Jahr veranstaltet das Haus in der Schwartzkopffstraße ein großes Sommerfest, zu dem Nachbarn, Verwandte und Vermieter eingeladen werden. „Wir sind froh über diesen Standort, denn bezahlbarer Wohnraum ist im Havelland sehr knapp. Wir haben bereits jetzt große Probleme, geeignete Wohnungen für unsere Bewohner zu finden und es wird noch schlimmer werden“, so Dwucet.

Von Laura Sander