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Havelland Siedlerverein legt Grundstock für Bibliothek
Lokales Havelland Siedlerverein legt Grundstock für Bibliothek
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11:17 27.02.2018
Britta Steiner (l.) vom Förderverein und Bibliothekschefin Anja Rodes freuen sich schon auf den geplanten Umzug ins künftige Bürgerhaus. Quelle: Andreas Kaatz
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Brieselang

Der Anfang war bescheiden. 50 Bände hatte die Gemeindebücherei kurz nach ihrer Gründung in ihrem Bestand. Mitte Februar 1927 konnten erstmals Bücher im damaligen Gemeindebüro und später im Schulhaus an Lesehungrige ausgegeben werden. Damit besteht die heutige Brieselanger Gemeindebibliothek immerhin schon 90 Jahre.

Bekannt ist dieser Fakt so richtig erst seit dem vergangenen Jahr. „Wir wussten nur, dass eventuell in den 20er-Jahren die Bücherei gegründet worden ist. Wir hatten aber nie etwas in der Hand“, sagt Bibliotheksleiterin Anja Rodes. Aufschluss brachte dann das Studium der Kirmeszeitung, die damals erschienen ist. In der Nr. 7 von 1927 steht, dass der Siedlerverein im Oktober 1926 beschlossen hatte, der Gemeinde zu diesem Zweck 150 Reichsmark als Anschubfinanzierung zur Verfügung zu stellen.

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Vor allem Unterhaltungsliteratur wie Romane und Erzählungen konnten die Leser damals ausleihen, aber auch erd- und naturkundliche Bücher. Heutzutage ist das Repertoire allerdings deutlich vielfältiger, wie Anja Rodes zu berichten weiß. Rund 12 000 Medien sind im Angebot – neben Büchern auch Zeitschriften, DVDs, CDs und Hörbücher, aber auch Spiele für Kinder. Rund 2000 Exemplare stammen aus dem Fundes des Landkreises.

Dass das Angebot auch künftig abwechslungsreich bleibt, dafür sorgt der Förderverein der Bibliothek. „Den gibt es in diesem Jahr auch schon 15 Jahre“, sagt Vorsitzende Britta Steiner. Sie leitet den Verein erst seit vergangenem Jahr, hat ihn aber einst mit gegründet. „Weil Anfang der 90er-Jahre in Berlin und im Havelland viele Bibliotheken geschlossen wurden, haben sich einige Leute gedacht: Bevor das hier auch passiert, versuchen wir die Bibliothek finanziell zu unterstützen“, sagt Britta Steiner.

Bibliothek Brieselang

Der Förderverein der Bibliothek Brieselang wurde am 15. April 2002 gegründet.

Derzeit nutzen 680 Leser den Medienbestand im RE 80. Darunter sind 386 Kinder bis 12 Jahre.

Seit 2013 haben Förderverein und Bibliothek eine gemeinsame Homepage unter der Adresse www.bibliothek-brieselang.de.

Pro Jahr verzeichnet die Bibliothek zwischen 30 000 und 33 000 Entleihungen unterschiedlichster Medien. Wie viele Brieselanger indes das Angebot des Landkreises nutzen, Bücher als E-Paper online auszuleihen, ist nicht bekannt.

Geöffnet ist die Bibliothek montags, dienstags und donnerstags sowie jeden ersten Samstagvormittag im Monat.

Im Jahre 1927 hatte die Bücherei nur 30 Leser – zwei Prozent der damaligen Bevölkerung. Die Leihgebühr für ein Buch betrug 5 Pfennig für 14 Tage.

Dieses Hauptziel verfolgt der Verein bis heute. Sowohl mit Mitgliedsbeiträgen als auch mit Spenden wird der Einrichtung geholfen. Allein seit 2009 kamen 9300 Euro an Spenden zusammen, darunter 3800 Euro von der Mittelbrandenburgische Sparkasse und 2000 Euro von Amazon. Im Laufe der Zeit hat der Förderverein neben dem Kauf von Medien unter anderem die Ausleihtheke angeschafft und einen Teil der Renovierung bezahlt. 2007 machte sich der Verein dann für den Erhalt der Einrichtung stark, sammelte Unterschriften. Denn die Öffnungszeiten waren massiv eingeschränkt und die Stundenzahl der Bibliothekarin deutlich reduziert worden.

Letztlich war der Verein erfolgreich. Britta Steiner findet es nur schade, „dass manche Brieselanger bis heute nicht wissen, dass es im Ort eine Bibliothek gibt“. Sie setzt deshalb auf die Zukunft, wenn nämlich die Bibliothek ins künftige Bürgerhaus an der Wustermarker Allee/Ecke Forstweg einzogen ist. Das alte Rathaus wird dazu in den nächsten Monaten entsprechend umgebaut. „Wir freuen uns schon jetzt darauf. Der Standort ist auf jeden Fall repräsentativer als der jetzige und wir können dort auch Veranstaltungen machen“, sagt Britta Steiner. Momentan finden die monatlichen Lesungen in einem Raum der katholischen Kirche statt. Kita-Gruppen dürfen seit 2016 nicht mehr zum Bilderbuchkino in die Bibliothek kommen, weil der Brandschutz dafür nicht ausreicht.

Auch Bibliothekarin Anja Rodes, die die Einrichtung seit 1989 leitet, erhofft sich von dem neuen Standort eine Menge, da die Bibliothek im RE 80 letztlich doch etwas versteckt sei. Sie kennt als Kind noch jene Zeiten, als die Bücherausleihe in einem Gebäude in der Bahnstraße untergebracht war, heute ein Wohnhaus. Sie selber arbeitete ab 1988 dann schon in einer Baracke, die sich am Standort des heutigen Jugendclubs befand. Als es 1991 in den RE 80 ging, war sie recht froh. „Vom Platz her haben wir uns zwar verschlechtert, aber es gab nun eine Heizung, so dass wir keine Kohlen mehr schleppen mussten“, sagt sie schmunzelnd.

Mit den heutigen Ausleihzahlen ist sie zufrieden. „Aber ich würde mir noch mehr Leser wünschen“, sagt Anja Rodes. Zur Feier des 90-jährigen Bestehens hat der Förderverein mit seinen rund 45 Mitgliedern eine Vorstellung des Potsdamer Kabaretts Obelisk organisiert, die am 10. März um 19 Uhr im Foyer der Robinson-Schule stattfindet.

Von Andreas Kaatz