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Havelland Sozialfachschule der Awo meldet Kinderrekord
Lokales Havelland Sozialfachschule der Awo meldet Kinderrekord
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14:56 18.04.2018
Kinderfreundliche Sozialfachschule. Links Nancy Hohlfeld mit ihren Kindern Leila, Karim, Amani und Saif (von links). Rechts Claudia El Ghawy mit ihren Töchtern Dalia, Nouraya und Sarah (von rechts). Hinten Kathrin Feuerherdt mit Svenja, ihrer ältesten Tochter, die so wie sie Erzieherin jetzt gerade lernt. Quelle: Bernd Geske
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Premnitz

Am Ende ihres Aufnahmegespräches, erinnert sich Nancy Hohlfeld (29 Jahre) aus Premnitz schmunzelnd, sei sie eher beiläufig gefragt worden, ob sie Kinder hat. „Ja“, antwortete sie, „vier.“ Kurzes Staunen, dann die Frage: „Sie glauben, sie schaffen das?“ – „Ja, ich schaffe das“, habe sie mitgeteilt. Im letzten September hat Nancy Hohlfeld an der Beruflichen Schule für Sozialwesen der AwoSophie Scholl“ in Premnitz mit ihrer Ausbildung zur Erzieherin begonnen, bislang hat sie alles gemeistert.

„Unsere Schülerinnen und Schüler haben dieses Jahr so viele Kinder wie nie zuvor“, berichtet Schulleiterin Kerstin Müller. Für die Klassen in Vollzeit habe sie 71 Kinder gezählt und für die Teilzeitklassen 55 – was insgesamt 126 ergibt. Die hohe Zahl von Kindern komme sicher auch zustande, weil die Schule gegenwärtig viele Schüler habe, erklärt die Leiterin. Derzeit seien es 226. „Wir haben schon immer viele Kinder gehabt“, teilt sie mit. So weit es möglich sei, stelle sich die Schule darauf ein.

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Beim Umzug nach Premnitz wurde der Beginn von 8 auf 8.30 Uhr verlegt

Als sie 2008 von Rathenow nach Premnitz umzog, sei der Schulbeginn von 8 auf 8.30 Uhr verlegt worden, damit mehr Zeit bleibt, um die Kleinen vorher in die Kitas oder Schulen zu bringen. Außerdem werde der Stundenplan so gestaltet, dass der Unterricht so oft wie möglich um 14 Uhr enden kann, damit die Kinder gut aus den Einrichtungen abgeholt werden können. Bei den alljährlichen Tagen der offenen Tür sei es üblich, dass die Kinder dabei sind, berichtet Kerstin Müller. Nicht zu vergessen die selbst inszenierten Weihnachtsmärchen, deren letzte Aufführung stets dem eigenen Nachwuchs vorbehalten ist.

Die Schule bildet Sozialassistenten, Erzieher und Heilerziehungspfleger aus. Die nächste neue Erzieherklasse ist bereits voll, eine neue Sozialassistentenklasse auch. Nur für die Ausbildung zum Heilerziehungspfleger gibt es wenige Bewerber. „Nicht immer schaffen die Mütter ihre Ausbildung bei uns“, stellt Kerstin Müller fest, „es ist für sie ja nicht einfach, alles unter einen Hut zu bringen.“ Meist sei aber festzustellen, dass gerade die Mütter sich gut organisieren.

Drei Bildungsgänge sind möglich

Die Berufliche Schule für SozialwesenSophie Scholl“ befindet sich an der Alten Hauptstraße 24 in Premnitz.

Früher war dort die Grundschule „Geschwister Scholl“.

Träger der Schule ist heute der Bezirksverband Potsdam der Arbeiterwohlfahrt.

Sie ist damit die einzige Schule im Westhavelland, die einen freien Träger hat.

Drei Bildungsgänge werden dort angeboten: Sozialassistent, Heilerziehungspfleger und Erzieher.

Sozialassistenten können die Tätigkeit von Heilerziehungspflegern und Erziehern unterstützen.

Bei einem entsprechenden Abschluss können sie an der gleichen Schule die Ausbildung zum Erzieher oder Heilerziehungspfleger anschließen.

Die Zahl der Bewerber für Heilerzieherklassen ist sehr gering.

Claudia El Ghawy, die drei kleine Mädchen hat und jeden Tag aus Schlagenthin kommt, steht um 4.30 Uhr auf, um schon morgens für ihre Ausbildung zur Erzieherin zu lernen. Es gelingt ihr sogar, ihre Töchter an drei Tagen die Woche zum Judo-Training beim TSV zu bringen. Da ist sie abends erst um 19 Uhr zu Hause. Wenn die Kinder im Bett sind und der Haushalt bewältigt, kommt gegen 22 Uhr beim Lernen die Müdigkeit mit Macht.

Kathrin Feuerherdt (35) aus Rathenow ist im 2. Ausbildungsjahr zur Erzieherin und hat zwei kleinere Kinder, die neun und 13 Jahre sind. Ihre große Tochter Svenja (19) war von Mamas neuem Berufsweg so begeistert, dass sie im letzten September an der gleichen Schule die Ausbildung zur Erzieherin begonnen hat. Kathrin Feuerherdt hatte vor vielen Jahren schon einmal an der Schule für Sozialwesen begonnen, aber abgebrochen, als ihre erste Tochter Svenja kam. Heute ist sie eine der Besten, sagt Schulleiterin Kerstin Müller. Und für die so Gelobte ist es völlig klar, dass sie diesmal die Ausbildung zu Ende bringt.

Von Bernd Geske