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Havelland „Sparen bringt nichts“
Lokales Havelland „Sparen bringt nichts“
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18:57 01.02.2013
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MAZ: Herr Fredrich, soll man Wasser sparen oder nicht?

Günter Fredrich: Nein. Je mehr Wasser verbraucht wird, desto günstiger ist es unterm Strich. Denn rund 80 bis 90 Prozent des Preises gehen für den Unterhalt der Leitungen, Pumpen und Werke drauf. Diese Fixkosten fallen auch an, wenn weniger Wasser fließt. Gleichzeitig steigen die Reinigungskosten: Weniger Durchfluss bedeutet mehr Ablagerungen. Wasser sparen bringt also nichts.

Logisch, dass Sie das sagen! Sie verdienen Ihr Geld damit, dass Ihre Kunden viel Wasser verbrauchen.

Fredrich: Ja, aber auch ökologisch macht Wassersparen keinen Sinn. Wir wohnen nicht in Afrika und auch nicht im bergigen Hessen, sondern im Berliner Urstromtal. Wir schwimmen quasi auf einem großen unterirdischen See. Hier stößt man bei jeder Bohrung spätestens in 30 Meter Tiefe auf Wasser. Und wir nutzen derzeit nur drei Prozent von den nutzbaren Vorräten im Untergrund. Unser Wasser für das Werk in Staaken bildet sich etwa unterhalb von Seeburg und Groß Glienicke.

Wie viel verbraucht denn der Havelländer durchschnittlich pro Tag?

Fredrich: Ungefähr 110 bis 112 Liter. Das ist etwas mehr als eine halbe Badewanne. Diese Menge ist seit rund fünf Jahren stabil. In Falkensee ist sie ein bisschen höher als etwa in Friesack.

Wird auf dem Land weniger verbraucht als in der Stadt?

Fredrich: Dort hat man noch öfter einen eigenen Brunnen zur Gartenbewässerung. In der Stadt dagegen verdienen die Leute oft besser und achten auch deshalb nicht so sehr auf ihren Verbrauch.

Fast alle Toiletten haben heute Spartasten, es gibt sparsame Armaturen und Spülmaschinen und so weiter. Welchen Einfluss hat das auf den Verbrauch?

Fredrich: Zu DDR-Zeiten haben die Leute rund dreimal so viel Wasser verbraucht wie heute, teilweise bis zu 400 Liter pro Tag. Das lag aber nicht an den Toiletten und Armaturen, sondern daran, dass sehr viel mehr Leute ihren Garten bewirtschaftet haben. Außerdem hat der Staat den Wasserpreis subventioniert. In Falkensee hat man früher nur 25 Ostpfennig pro Kubikmeter bezahlt. Nach der Wende waren es plötzlich 1,50 Mark, ab 1995 dann 2,42 DM.

Rund zwanzigmal so viel.

Fredrich: Allerdings. Wir mussten nach und nach die maroden Rohre austauschen – das kostete. Es lohnt sich aber: Die Rohrbrüche sind bis auf zehn Prozent zurückgegangen, vergangenes Jahr waren das im Owa-Gebiet genau 77 Stück. Da jetzt mehr Leute in der Region wohnen, konnte der Preis seit 1995 zweimal gesenkt werden. Heute kostet ein Kubikmeter 1,40 Euro netto.

Apropos Netz, wie sind eigentlich die Rohre beschaffen?

Fredrich: Alte Hauptleitungen sind aus Stahl, die halten etwa 80 Jahre. Der Standard heute ist Polyethylen. Bei diesen Rohren weiß man noch nicht, wie lange sie halten (lacht). Außerdem gibt es Rohre aus Gusseisen, in Ausnahmen auch solche aus PVC und Asbestzement.

Asbest?!

Fredrich: Asbestzement ist nicht gefährlich. So lange das Rohr in der Erde liegt und man nicht daran arbeitet, wirbelt man keinen Staub auf. Neu verlegt werden sie aber nicht mehr, beschädigte tauschen wir aus. Sollte doch mal eine Asbestfaser ins Trinkwasser gelangen, wird sie im Magen-Darm-Trakt eingekapselt und gerät nicht in die Lunge.

Asseln dagegen will man nicht mal im Magen-Darm-Trakt haben. Die sollen ja auch im Wasser schwimmen . . .

Fredrich: Das Asselproblem gibt es nicht mehr (holt Untersuchungsergebnisse). Hier, der Befund von der Dauermessstelle in der Leipziger Straße in Falkensee (tippt auf das Blatt). Asseln – keine. Biomasse – mäßig vorhanden. Ein paar Pellets haben wir noch.

Pellets, das klingt nach Brennstoff für den Ofen.

Fredrich: Sind aber die Ausscheidungen von Asseln.

Unappetitlich.

Fredrich: Die letzten Beschwerden hatten wir im Jahr 2000. Seitdem spülen wir einmal im Jahr kräftig durch. Außerdem haben wir den Asseln systematisch die Nahrungsgrundlage entzogen.

Wie das?

Fredrich: Das Ammonium musste weg. Wir haben es beseitigt. Das Ammonium war das erste Glied der Nahrungskette, an deren vorläufigem Ende die Asseln standen. Ins Grundwasser gelangte es, weil ein VEB in Staaken Industrieschlämme im Gelände verplempert hat. Der Regen spülte sie mit den Jahren ins Grundwasser. Asseln sind unästhetisch, tun aber keinem etwas.

Im Gegensatz zu Verunreinigungen. Welche sind drin im havelländischen Grundwasser?

Fredrich: Hauptsächlich Eisen und Mangan. Die sind natürlichen Ursprungs, haben aber im Trinkwasser nichts zu suchen. Im Kontakt mit Luft oxidieren die Stoffe, und die Feststoffe filtern wir heraus. Außerdem haben wir Schwefelwasserstoff und Kohlensäure. Beide Gase greifen Rohre an. Herausgetrieben werden sie mechanisch – ähnlich wie beim Schütteln einer Bier- oder Limonadenflasche.

Und gibt es Gift?

Fredrich: Das frühere Panzerwerk in Falkensee oder der VEB Polymat in Staaken etwa haben uns Chlorverbindungen im Grundwasser hinterlassen, Vinylchlorid zum Beispiel. Die Konzentration kontrollieren wir ständig per Pegelbrunnen. Im Moment ist sie relativ gering. Wenn das Grundwasser mal ernsthaft kontaminiert sein sollte, wissen wir, wie lange es von dort bis zum Werk unterwegs ist: etwa neun bis zehn Monate. Es fließt wenige Zentimeter pro Tag. In dieser Zeit können wir Vorsorge treffen, um das Vinylchlorid auszutreiben.

Es heißt, ein Tropfen Öl verdirbt 1000 Liter Grundwasser. Stimmt das?

Fredrich: Meinen Sie Pflanzenöl, das durch den Ausguss läuft, oder Erdöl? Speiseöl ist zwar biologisch abbaubar, es gehört aber trotzdem nicht in die Kanalisation. Es verklumpt und verstopft die Leitungen. Ich kippe Reste aus der Küche auf den Kompost. Mineralöl ist schädlicher. Bis sich das abbaut, dauert es mehrere Jahrzehnte.

Im Krimi greifen Bösewichte öfter mal Wasserwerke an und versetzen das Trinkwasser mit Gift oder Drogen. Ist das realistisch?

Fredrich: Wir merken sofort, wenn jemand an der Anlage manipuliert. Aber im Krimi nehmen die auch immer so kleine Fläschchen. Bei den Mengen, die wir fördern – allein in Staaken zwölf Millionen Liter am Tag – passiert da nichts.

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