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Havelland Stadt Ketzin erwartet 2017 den nächsten Schub
Lokales Havelland Stadt Ketzin erwartet 2017 den nächsten Schub
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17:25 12.01.2017
Detlef Hinze (2.v.r.), Günter Lohmann(3.v.r.) und Frank Wagenschütz (4.v.r.), wurden geehrt von Fischerkönigin Sofie Reinschlüssel, Landrat Roger Lewandowski (2.v.l.), Jürgen Tschirch (l.) und Bernd Lück (r.) Quelle: Tanja M. Marotzke
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Ketzin/Havel

Bevor sich die Auserwählten am Mittwochabend beim Ketziner Neujahrsempfang ins goldene Buch der Stadt Ketzin/Havel eintrugen und Stadtverordnetenvorsteher Jürgen Tschirch das Buffet eröffnete, gehörte die Aufmerksamkeit der Gäste Ulrich Blischke. Der Rentner hatte 50 Jahre in der Ketziner Baumschule gearbeitet und diese seit 1977 geleitet. Ihm zur Seite stand mit Manfred Späth einer der Nachkommen der Späth’schen Familie, die 1916 die gleichnamige Baumschule in Ketzin etablierte.

Beide waren anlässlich der 100-jährigen Gartenbautradition in Ketzin eingeladen, um über die Geschichte der Baumschule zu berichten. Dass sich Ulrich Blischke nicht an die vorgegebene Redezeit von zehn Minuten halten konnte, war angesichts seiner vielen Erlebnisse in und mit der Baumschule klar. Er erinnerte an die schweren Anfänge nach dem Zweiten Weltkrieg, „als sich niemand für Bäume interessierte, weil die Menschen Obst, Gemüse und Kartoffeln brauchten“. Letztlich aber, so Blischke,

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„War die Zeit nach der Wende für das Überleben der Baumschule die schlimmste Zeit“. Heute gehöre die Ketziner Baumschule mit ihren 20 Mitarbeitern und durchschnittlich vier Lehrlingen, die sich um 400 000 verschiedene Pflanzen und Gehölzen kümmern, zum festen Bestandteil der Havelstadt. Eine Ausstellung im Foyer des Stadthauses in der Rathausstraße 29 zeigt die 100-jährige Geschichte der Baumschule.

Die Welt habe sich 2016 verändert, wie auch die Stadt Ketzin/Havel. Dass das nicht immer etwas Schlechtes sein müsse, zeige die Entwicklung in der Havelstadt: „Es hat sich gelohnt, für diese Kommune zu arbeiten“, so Bürgermeister Bernd Lück (FDP).

Die Geehrten

Ins goldene Buch der Stadt trugen sich ein:

Detlef Hinze: Er gehört seit 48 Jahren der Paretzer Feuerwehr an, 20 Jahre war er Ortswehrführer. Vor allem engagiert er sich in der Nachwuchsgewinnung, der Wehr, aber auch bei der Organisation von Erntefesten, Osterfeuer oder der Dorfweihnacht in Paretz. Als Landwirt stellt er seine Technik auf für gemeinnützige Zwecke zur Verfügung.

Thomas Krüger: Ihm liegt die Havel am Herzen. Er half bei vielen touristischen Projekten: ob bei Erneuerungen von Uferbefestigungen, Baggerarbeiten im Strandbad oder an der städtischen Steganlage.

Frank Wagenschütz: Er ist jetzt 50 Jahre Mitglied der Ketziner Feuerwehr, inzwischen in der Ehrenabteilung. Er stand jüngeren Kameraden immer mit Rat und Tat zur Seite und gehört dem Förderverein der Wehr an. Sein Hobby ist der Modellbau. Für eine Ausstellung im Ketziner Kultur- und Tourismuszentrumzentrum stellte er seine Modelle zur Verfügung.

Günter Lohmann: Schon während seines Berufslebens als Lehrer für Biologie und Sport zeichnete sich der heutige Rentner als Vogelschützer aus. Er beobachtete Wasservögel, entdeckte im Ketziner Raum seltene Arten wie den Eisvogel. Seit 1986 hat er gemeinsam mit seinem Priorter Mitstreiter Horst Köpke das Beringen von Fischadlern in Westbrandenburg übernommen. Er ist Koordinator für das Artenschutzprogramm „Fischadler“ im Land Brandenburg.

Sei es der Mehrfamilien-Wohnkomplex in der Feldstraße, der Abschluss der neuen Mitte mit der Eröffnung des Edeka-Marktes oder das Aufstellen der Stelen in der Altstadt, wo sich Einheimische und Gäste über einen Teil der Geschichte Ketzins jederzeit informieren könnten: „2016 sind wir in unserer Stadt einen großen Schritt vorangekommen“, sagte Lück.

Einen weiteren Schub werde Ketzin erfahren, wenn das moderne Hermes-Logistikcenter im Etziner Gewerbegebiet im Herbst ans Netz geht. „Ich bin mir sicher, dass von diesem Standort viele Menschen aus unserer Region profitieren und Arbeit oder einen Ausbildungsplatz finden werden.“ Aber der Bürgermeister ersparte es sich und den Gästen, zu denen Landrat Roger Lewandowski (CDU) gehörte, nicht, die Verkehrsanbindung des Standortes anzusprechen: „Der schlechte Zustand der Abschnitte der Landesstraße in und um Etzin sowie in Wernitz ist seit 20 Jahren bekannt. Die Politik, einen großen Teil der Landesstraßen im Land Brandenburg nur auf Verschleiß zu fahren, kann auf Dauer nicht gut gehen.“

Bezüglich der Entwicklung Ketzins sei er froh, dass die Planung des künftigen Wohngebietes „Baumschulwiese“ gut funktioniere und auch die Zufahrt endlich geklärt sei. Gleichzeitig versicherte das Stadtoberhaupt, 2017 weiter in Kitas und Schulen zu investieren, um die Familienfreundlichkeit der Stadt zu erhöhen. Junge Eltern würden Kindergartenplätze in ausreicheneder Zahl, gute pädagogische Angebote in einem attraktiven Umfeld erwarten. „Deshalb werden wir uns in diesem Jahr vornehmlich um die Erweiterung und Schaffung von Betreuungsplätzen in zusätzlichen Kindertagesstätten kümmern müssen.“ Dazu sei man auf dem richtigen Weg, so Lück.

Als einen kommunalen Schwerpunkt in 2017 bezeichnete er die Zukunft des Ortsbereiches Paretz, wo sich bei einer Bürgerbefragung die Mehrheit der Teilnehmer für die Bildung eines Ortsteils Paretz entschieden hat. Nur wenn sich die Ketziner Stadtverordneten entsprechend dieses Votums zu einer entsprechenden Änderung der Hauptsatzung durchringen, könne in Paretz im Herbst ein Ortsbeirat gewählt werden. Vorausgesetzt, es finden sich bis dahin ausreichend Kandidaten, die diese ehrenamtliche Aufgabe übernehmen wollen.

Von Jens Wegener