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Havelland Standortfrage für Asylheim in Wustermark offen
Lokales Havelland Standortfrage für Asylheim in Wustermark offen
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00:36 14.05.2015
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Wustermark

Wenn sich am Dienstagabend in der ökumenischen Begegnungsstätte in Elstal eine Willkommenkulturgruppe für zugezogene Bürger trifft, wird es auch um die etwa 150 Flüchtlinge gehen, die in Wustermark untergebracht werden sollen.

Als Standortfavorit gilt ein 10.000 Quadratmeter großes Grundstück in der Bahnhofstraße, das derzeit im Eigentum der evangelischen Kirchengemeinde Wustermark ist. Pfarrerin Heike Benzin betont, dass es bisher noch keine unterschriebenen Verträge zum Verkauf oder zur Verpachtung des Areals an den Landkreis gebe.

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Standort reicht für rund 150 Flüchtlinge

Sehr wohl beschäftigt das Thema Asylbewerber die Verwaltung und die Gemeindevertreter. Bürgermeister Holger Schreiber (parteilos) hatte in der Gemeindevertretersitzung angedeutet, dass er die Größenordnung von 150 für akzeptabel und den Standort für geeignet halte. Die Gemeinde gehe davon aus, dass frühestens im Sommer 2016 die ersten Asylbewerber einziehen werden.

Vor wenigen Tagen preschten CDU und SPD mit der Forderung nach einer Bürgerbefragung zum Bau eines Asylbewerberheimes in die Öffentlichkeit. Man wolle die Einwohner frühzeitig beteiligen, sie in die Entscheidungen einbinden, hatten Oliver Kreuels (CDU) und Christina Hanschke (SPD) geäußert. Damit folgen beiden Wustermarker Ortsverbände der Alternative für Deutschland (AfD). Die hatte sich im Landtag für ein Einwohner-Mitspracherecht bei der Ansiedlung von Asylbewerberheimen stark gemacht. Die Landtagsfraktionen von SPD und CDU allerdings lehnen das ab.

Wustermark will sich von seiner toleranten und weltoffenen Seite zeigen

Die Vertreter im Wustermarker Gemeindeparlament stehen dem Ansinnen der örtlichen Christ- und Sozialdemokraten skeptisch gegenüber. Linke-Fraktionschef Tobias Bank vermutet hinter dem Vorstoß nur Taktik: "Die Grundstücksauswahl ist Angelegenheit von Kirchengemeinde und Landkreis. CDU und SPD wissen das und wecken mit ihrem Vorschlag, eine Befragung zu machen, Hoffnungen, die wir nicht erfüllen können, weil wir keinen Einfluss darauf haben. Beide wollen sich nur eine Tür offenhalten, damit sie später sagen könnten: 'Wir haben das ja nicht gewollt'."

Nicht als Bedrohung sondern als Chance zu zeigen, dass Wustermark eine "tolerante, weltoffene und aktive Gemeinde ist", sieht Andreas Stoll, Fraktionschef der Wustermarker Wählergemeinschaft (WWG) die Unterbringung von Flüchtlingen im Ort. Er plädiert für einen Runden Tisch, an dem sich Vertreter von Parteien, Vereinen, Organisationen und Verwaltung austauschen. "Es ist noch genügend Zeit und Gelegenheit, mit einer transparenten und offenen Information gegenüber den Bürgern für Aufklärung zu sorgen", so Stoll.

Kritik am Grundstück in der Bahnhofstraße

Sogar die Grünen, die in der Gemeindevertretung gemeinsam mit SPD und CDU eine Zählgemeinschaft bilden, wollen von der Bürgerbefragung im Moment jedenfalls nichts wissen. "Ich begrüße es, dass unsere Gemeindeverwaltung sich darum bemüht, Unterkünfte für Flüchtlinge zu schaffen", sagt die Grünen-Vorsitzende Ingeborg Kalischer. Sie kritisiert allerdings das Grundstück an der Bahnhofstraße, weil die Flüchtlinge dort zu isoliert seien und schlägt das Areal neben der Bürgerbegegnungsstätte im Mühlenweg vor, das auch der Kirche gehöre. "Noch besser wäre es, wenn man Flüchtlinge in Familien unterbringen könnte. Dann wäre die Integration sicher am allereinfachsten." An einem Runden Tisch und im Sozialausschuss müsse man beraten, was man tun könne, "damit die Unterbringung für die Flüchtlinge mehr beinhaltet als ein Dach überm Kopf", sagt Kalischer.

Von Jens Wegener

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