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Havelland Vom Großvater geerbt: Steinmetzbetrieb mit Tradition
Lokales Havelland Vom Großvater geerbt: Steinmetzbetrieb mit Tradition
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13:06 31.03.2018
Die Stützen des Familienbetriebs: Mutter Christa und Rolf Eißer (Bruder Christian hat Urlaub) auf dem Firmengelände am Rathenower Friedhofsweg. Quelle: Markus Kniebeler
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Rathenow

Als Oskar Neils am 1. April des Jahres 1933 am Fuß des Rathenower Weinbergs einen Steinmetzbetrieb gründete, da konnte er nicht ahnen, dass er zwölf Jahre später noch einmal ganz von vorne würde anfangen müssen. Im letzten Kriegsjahr wurde die junge Firma am Friedhofsweg komplett zerstört. Also hieß die nochmalige Devise: Neuanfang.

Seit diesen turbulenten Zeiten hat sich die Lage merklich beruhigt. Mittlerweile führen Oskar Neils’ Enkel Christian und Rolf Eißer die Neils-Stein GbR. Und sie sind so in ihre Arbeit vertieft, dass sie den 85. Geburtstag der Firma fast übersehen hätten.

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Was nicht heißt, dass sie dem Datum keine Bedeutung zumessen. „Es ist schon was Besonderes, wenn ein Familienbetrieb in der dritten Generation geführt wird“, sagt Rolf Eißer.

Frau in einer Männerdomäne

Großen Anteil daran, dass die Firma es über die Jahrzehnte und politischen Systeme schaffte, hat Christa Eißer. 1972 übernahm die Tochter des Firmengründers das Unternehmen.

Was alles andere als selbstverständlich war. Zum einen gelang es ihr, in einer absoluten Männerdomäne Fuß zu fassen: Tatsächlich gab es Mitte der 1970er Jahre in der DDR gerade mal drei Steinmetz-Meisterinnen. Zum anderen verteidigte sie den Familienbetrieb und widersetzte sich dem staatlichen Drängen, diesen in einer Produktionsgenossenschaft aufgehen zu lassen.

Die Firma blieb selbstständig, auch wenn das durchaus mit einigen wirtschaftlichen Härten verbunden war.

Nachdem Christa Eißer ihr Unternehmen sicher durch die wechselhaften Zeiten gesteuert hatte, zog sie sich im 2005 aus der aktiven Geschäftsführung zurück und übergab den Staffelstab an ihre Söhne. Aber heute noch ist die 81-Jährige, die im vergangenen Jahr mit dem Diamantenen Meisterbrief ausgezeichnet wurde, ihren Söhnen eine wertvolle Hilfe und geschätzte Ratgeberin.

Ein Foto aus den ersten Jahren: Firmengründer Oskar Neils (4. v. re.) mit Arbeitskollegen. Quelle: Neils-Stein

Dass sich die Zeiten in der Branche verändert haben, liegt auf der Hand. Nach der Wende nahm die Firma, die sich zu DDR-Zeiten auf die Grabmalherstellung beschränken musste, die Produktion für die Bauwirtschaft wieder auf. Im Gewerbegebiet Heidefeld entstand eine zweite Betriebsstätte.

In der geräumigem Halle kann man mit eigen Augen sehen, wie sich das Steinmetzgeschäft im Computerzeitalter gewandelt hat. Seit dem vergangenen Jahr steht dort eine computergesteuerte CNC-Fräse, mit der Steine vollautomatisch geschnitten und geschliffen werden. Und zwar viel exakter, als es der Mensch je schaffen könnte.

Mitarbeiter Sven Nemeth vor der CNC-Fräse in der Firmenhalle im Gewebegebiet Heidefeld. Quelle: Markus Kniebeler

Dennoch legen die Brüder und ihre Mitarbeiter immer noch Hand an. Mit Hammer und Meißel. „Alles können und wollen wir der Maschine nicht überlassen“, sagt Rolf Eißer. Das Gefühl, dass ein Steinmetz für sein Material hat, sei unersetzlich und einem Automaten (noch) nicht beizubringen.

Arbeit mit einem faszinierenden Material

Das ist es, was Rolf Eißer an seinem Beruf liebt – die Handarbeit und den Umgang mit einem tollen Material. „Es ist doch faszinierend“, sagt er. „Wir bestellen ein Stück Berg und haben alle Möglichkeiten, daraus was zu machen.“ Bei der Gestaltung von Grabmalen etwa habe sich die Vielfalt in den vergangenen zwei Jahrzehnten enorm erhöht, sagt er.

„Viele Leute wollen keinen Stein mehr von der Stange, sondern legen Wert auf eine individuelle Gestaltung.“ So kommt es, dass man immer häufiger Gestaltungselemente auf Grabmalen sieht, welche die Persönlichkeit und Vorlieben des Verstorbenen widerspiegeln.

Pferdeköpfe, Fußbälle, Segelboote – Grenzen werden dem Gestaltungswillen allerdings gesetzt durch Pietät und die jeweilige Friedhofsordnung.

Letzte Frage an den Firmenchef: Steht nach drei Steinmetz-Generationen die vierte in den Startlöchern? An Nachkommen herrscht jedenfalls kein Mangel. Aber Rolf Eißer hält den Ball flach.„Da üben wir keinen Druck aus“, sagt er. Wenn jemand in die Fußstapfen der Familie treten wolle, sei das schön. „Wenn nicht, ist das auch okay.“

Von Markus Kniebeler