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Havelland Strodehner Kunst in Kreuzberger Galerie
Lokales Havelland Strodehner Kunst in Kreuzberger Galerie
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17:44 26.01.2017
Der Strodehner Künstler Roland Eckelt.
Der Strodehner Künstler Roland Eckelt. Quelle: VOLKMAR/MALOSZYK
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Strodehne/Berlin

Der Künstler Roland Eckelt ist ein Wanderer zwischen den Welten. Von der Abgeschiedenheit seines Lebens- und Arbeitsorts Strodehne zieht es ihn immer wieder hinaus in die (Kunst)Zentren der Region, um dem Publikum zu präsentieren, was im stillen Kämmerlein entstanden ist.

Heute ist es wieder so weit. In der Kreuzberger Galerie Crystal Ball (Schönleinstraße 7, 10967 Berlin) eröffnet Eckelt eine Ausstellung, die bis zum 10. Februar zu sehen sein wird. Wobei das Wort „Ausstellung“ die Sache nicht wirklich trifft. Vielmehr handelt es sich um eine Videoinstallation, die durch das Schaufenster der Galerie betrachtet werden kann. Täglich von 19 bis 23 Uhr läuft ein 12-minütiger Film in Endlosschleife. Um das Werk zu betrachten, muss man die Galerie, die zu den genannten Zeiten ohnehin nicht mehr geöffnet hat, nicht betreten. Es reicht, von außen durch das Schaufenster auf die Projektionsfläche zu sehen.

„Best in Show“ hat Eckelt sein Projekt genannt. Es handelt sich um einen Film, der in „ebenso spielerischer wie hintergründiger Weise, die diktatorische, menschliche Herrschaft über das Tier“ zum Thema macht, wie es in der in der von der Galerie verschickten Einladung heißt.

Wer nun an Bilder von Schlachthöfen, Tiertransporten oder Hühnerzuchtfabriken denkt, der hat Roland Eckelt unterschätzt. Das Verbreiten drastischer Botschaften mit künstlerischen Mitteln ist und war nie sein Ding. Der Mann liebt es, die Dinge im Ungefähren zu lassen. Mit der Frage, was er als Künstler dem Betrachter denn nun sagen wolle, läuft man bei ihm garantiert ins Leere.

So viel ist immerhin klar: Im Film geht es nicht um himmelschreiende Tierquälerei. Vielmehr ist eine Pudelzüchterin zu sehen, die ihre Hunde vorbereitet für den Wettbewerb um den Besten seiner Rasse, den sogenannten „Best in Show“. In Stummfilmmanier werden auf Schrifttafeln die Kriterien benannt, auf die es bei der Bewertung ankommt – etwa dass der Pudel so lang wie hoch sein sollte, um die Idealpunktzahl zu erreichen. All das läuft unkommentiert und wertungsfrei vor dem Auge des Betrachters ab.

Wenn sich dieser Betrachter, was nicht zu verhindern ist, aber seine Gedanken machen sollte über den Sinn und Unsinn derartiger Wertungsprüfungen; wenn er sich fragt, welchem Schönheitsideal dabei gehuldigt wird; wenn er gar Parallelen erkennt zu menschlichen Schönheitswettbewerben, in denen die Teilnehmer – wie die Pudel – auf Form getrimmt werden; und wenn er dann zu der Erkenntnis gelangt, dass es vielleicht nicht das genormte Maß ist, das schön macht, sondern dass es gerade die Unvollkommenheit braucht, um unverwechselbar und einzigartig zu werden – wenn dem Betrachter all dies während des 12-Minuten-Films durch den Kopf schießt, dann ist das ganz allein seine Sache. Roland Eckelt würde sich hüten, seiner Kunst einen solchen Beipackzettel anzuhängen.

Aber widersprechen würde er diesen Schlussfolgerungen wohl auch nicht.

Von Markus Kniebeler