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Havelland Studenten der TH Brandenburg im Industriepark
Lokales Havelland Studenten der TH Brandenburg im Industriepark
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15:41 11.04.2018
Klaus Piefke (links), Chef der EEW Premnitz GmbH, zeigt den Studenten das Betriebsgelände. Quelle: Bernd Geske
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Premnitz

Die Premiere der neuen Veranstaltungsart „Studenten on Tour“ hat es am Mittwoch im Industriepark Premnitz gegeben. Von der Technischen Hochschule (TH) Brandenburg kam ein Bus voller Studenten, die sich über die Stadt und Karrieremöglichkeiten in den Betrieben informieren wollten. Die ganztägige Visite geht zurück auf eine Initiative des pensionierten Premnitzer Bürgermeisters Roy Wallenta, der seit November für ein geringes Honorar als Standortmanager tätig ist. Durch Gespräche mit den Unternehmen und eine schriftliche Befragung habe er festgestellt, berichtete Roy Wallenta, dass diese es als ihre wichtigste Aufgabe ansehen, neue Fachkräfte für ihre Betriebe zu gewinnen. Großes Interesse bestehe an akademischem Fachpersonal.

In diesem Sinne habe er nach einem neuen Format gesucht, so Wallenta, mit dem sich die Standortentwicklung unterstützen lasse. „Wir haben hier tolle Unternehmen im Industriepark“, befand er und ergänzte: Doch diese befänden sich derzeit nicht zuerst im Fokus von Studenten. Um den Studierenden der TH Brandenburg zu zeigen, welche hervorragenden Karrierechancen es im Industriepark Premnitz gibt, habe er sich an die Bildungsstätte gewendet und sei auf großes Interesse gestoßen.

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Normalerweise kommen die Unternehmen an die Hochschule

Schnell hatte sich die Zukunftsagentur Brandenburg (ZAB) bereit erklärt, einen Bus für den Transport zu finanzieren. „Wir haben einen Aushang gemacht“, hat Daniela Stokar von Neuforn, Leiterin des Zentrums für Studium und Karriere der TH, berichtet, „und schon nach zwei Tagen war der Bus voll.“ So sei es gekommen, dass von der TH erstmals seit sehr langer Zeit eine Studentengruppe zu Unternehmen gefahren sei. Normalerweise sei es üblich, dass die Unternehmen zur Technischen Hochschule kommen, teilte sie mit. Einmal im Jahr gebe es dort eine Firmenkontaktmesse, diesmal am 15. Juni, auf der die Unternehmen sich den Studenten vorstellen. Allerdings, ergänzte Daniela Stokar von Neuforn: „Wir sind immer auf der Suche nach neuen Formaten...“

Zur einen Hälfte bestand die Gruppe von der TH aus Studenten der Fachrichtungen Informatik und Maschinenbau, oft kurz vor dem Abschluss. Zur anderen Hälfte waren es künftige Studenten aus dem Ausland, die sich gerade in der Praxisphase eines Orientierungsprogramms befinden. Im Industriepark stellten sich vier bekannte und innovative Unternehmen vor: die Märkische Faser GmbH, die EEW Energy from Waste Premnitz GmbH, die Domo Premnitz GmbH und die Havelländische Zinkdruckguss GmbH.

„Wir sind bereit für schnelle Lösdungen“, sagte Klaus Piefke, Geschäftsführer der EEW Premnitz GmbH und Sprecher der Unternehmergemeinschaft des Industrieparks. Als größter gemeinsamer Nenner der Firmen habe sich die Erkenntnis herausgestellt, dass Premnitz etwas abseits der bekannten Industriestandorte liegt und deshalb besonders viel Aufmerksamkeit der Nachwuchsgewinnung widmen muss. „In zehn Jahren können viele Unternehmen erhebliche Probleme bekommen“, sagte Klaus Piefke, „weil ihnen qualifizierte und hochqualifizierte Führungskräfte fehlen.“

Gesucht: Neue akademische Fachkräfte

Seit dem 1. November 2016 ist der pensionierte Premnitzer Bürgermeister Roy Wallenta als Standortmanager tätig.

Durch eine schriftliche Befragung und Gespräche mit Führungskräften der Unternehmen hat er ermittelt, welche Aufgaben sie als am wichtigsten ansehen.

Als Hauptproblem der nächsten zehn Jahre hat sich herausgestellt, dass akademisch gebildete Fachkräfte in den Ruhestand gehen und es schwierig wird, die Stellen mit jungen Leuten nachzubesetzen.

Das Format „Studenten on Tour“ soll helfen, bei den jungen Leuten an der Technischen Hochschule Brandenburg die Betriebe des Industrieparks Premnitz besser bekannt zu machen.

Juliane Heß, Betriebswirtschaftsstudentin kurz vor dem Abschluss, sagte, dass sie in Brandenburg/H. wohnt und deshalb einen Arbeitsplatz in der Nähe sucht. Sie brauche jetzt einen Betrieb, bei dem sie ihre Masterarbeit schreiben könne. Die Premnitzer Firmen ordnete sie ein in den mittelständischen Bereich der aus ihrer Sicht eher kleinen Betriebe. Sie habe aber festgestellt, teilte sie dann mit, manches Unternehmen sei „überraschend komplex“. Artjom Fitim, Maschinenbau-Student kurz vor dem Master-Abschluss mit Wohnsitz in Berlin-Spandau, hatte bald erkannt, dass die Anlagen der Märkischen Faser GmbH aus den siebziger Jahren sind. Doch habe das Unternehmen, so ließ er wissen, sich ein modernes Know-how aufgebaut.

Es gebe viele Studenten an der TH, sagte Daniela Stokar von Neuforn, die in der Umgebung bleiben wollen. Mit dieser Werbeaktion habe der Industriepark Premnitz ihnen ein „Fünf-Sterne-Angebot“ gemacht. „Tolle Unternehmen“ und „super interessante Prozesse“ hatte Andy Stolz, Regionalmanager für Fachkräftesicherung der Zukunftsagentur Brandenburg, im Industriepark entdeckt. Durch den Besuch der Studenten bei den Unternehmen sei die Hoffnung geweckt, dass es in einigen Fällen zu Erfolgen kommt und ein Teil der jungen Leute in der Region gehalten wird.

Von Bernd Geske