Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Havelland Superteurer Straßenbau wird zurückgestellt
Lokales Havelland Superteurer Straßenbau wird zurückgestellt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:31 09.01.2018
Die Mainzer Straße soll ausgebaut werden. Aber wann? Angesichts der hohen Kosten ist die Maßnahme 2015 verschoben worden.
Die Mainzer Straße soll ausgebaut werden. Aber wann? Angesichts der hohen Kosten ist die Maßnahme 2015 verschoben worden. Quelle: Marlies Schnaibel
Anzeige
Falkensee

Der neue Bauamtsleiter von Falkensee bekam am Montagabend schon mal einen guten Vorgeschmack auf das, was ihn in seinem neuen Berufsalltag erwartet: Jens Grothe verfolgte die Debatte über den Falkenseer Straßenbau. Und der hat es in sich. Über nichts wird in der Stadt derart heftig gestritten wie über den Ausbau der vielen Straßen.

Was wie eine kleine Detailentscheidung aussah, entpuppte sich doch als grundlegendes Problem: Nämlich, wie umgehen mit den komplizierten Straßen, deren Ausbau für die Anwohner superteuer werden würde. Die Verwaltung hatte vorgeschlagen, den Niederneuendorfer Weg und die Telemannallee von der Liste für 2019 zu streichen. Der Erste Beigeordnete Thomas Zylla begründete den Vorschlag: Bereits im vergangenen Jahr waren mit dem Schlosserweg und der Turmfalkenstraße zwei Straßen aus dem Programm genommen worden, weil sich der Ausbau als sehr kompliziert und teuer abzeichnete; damals hatte es aufgeregte Bürgerversammlungen und Proteste gegeben. Die wolle man sich in diesem Jahr ersparen und die zwei neuen Problemkinder im Norden der Stadt gleich von der Liste streichen. Deren Ausbau solle verschoben werden, „um Zeit für mögliche Lösungen zu gewinnen, die zu einer geringeren Belastung für die betroffenen Straßenanlieger führen“.

Besagte Straßen sind nur einseitig bebaut, grobe Vorschätzungen lassen hohe Kosten befürchten. „Das geht bei 24 000 Euro los, bemessen auf ein 1000-Quadratmeter-Grundstück“, sagte Zylla. Dem Geld-Argument konnten und wollten sich die Mitglieder des Bauausschusses am Montagabend nicht verschließen. Allerdings konstatierten sie auch eine gewisse Ohnmacht gegenüber dem Problem. „Immer nur verschieben, nutzt nichts“, sagte Gerd Gunkel (Grüne), „es muss auch intensiv an einer neuen Lösung gearbeitet werden.“ Er brachte die Idee ein, den Niederneuendorfer Weg in Teilen, dort wo beide Seiten unbebaut sind, abzupollern und als Radweg zu führen.

Andere Ideen für diesen Weg gehen in eine ganz andere Richtung. Auch angesichts der Bevölkerungsentwicklung in Schönwalde-Glien sei mit mehr Verkehr aus dem Norden zu rechnen, der sich zum Teil seinen Weg nördlich des Falkenhagener Sees suchen wird. Ausschussmitglied Andreas Pick sprach sich dafür aus, den Ausbau des Niederneuendorfer Weges in größerem Zusammenhang zu betrachten. „Im Verkehrsentwicklungsplan steht drin, den Ausbau des Weges zu prüfen und möglicherweise über ihn das Quartier zu erschließen.“

Eine Aufgabe, die die schmale Beethovenallee nicht voll erfüllen könne. „Man muss die Gesamtentwicklung sehen und prüfen, ob der Niederneuendorfer Weg vielleicht auf der anderen Seite bebaut werden kann“, sagte Pick. Ob dort Baurecht erlangt werden kann, muss geprüft werden, sagte Thomas Zylla, ähnlich sei die Situation an der Bonner Straße, auch da könnten die Kosten durch zusätzliche Bebauung auf mehr Schultern verteilt werden.

Generell werfe der neue Verkehrsentwicklungsplan viele Fragen auf, was die Einführung von neuen Straßenkategorien betrifft: Was sind dann reine Anliegerstraße, was sind Sammelstraßen im Wohngebiet, was Haupterschließungsstraßen? Barbara Richstein (CDU) sprach sich dafür aus, den Niederneuendorfer Weg und die Telemannallee als „Anliegerstraße“ festzuschreiben, dem folgte aber eine knappe Mehrheit der Ausschussmitglieder nicht. Optionen sollen nicht verstellt werden.

Das Thema der superteuren Straßen beschäftigt die Falkenseer schon seit Jahren. 2015 sorgte die Mainzer Straße für Aufregung. 30 000 Euro und mehr hätten die Anwohner dort für den Ausbau berappen müssen, Falkenseer Durchschnitt waren damals 8000 bis 11 000 Euro. Die Straße war damals zurückgestellt worden.

Eine Lösung gibt es aber bis heute nicht, hier kann kein Gegenüber bebaut werden, denn dort liegt der Schlagraben. Ähnlich Problematisches deutet sich in dem Quartier für die Solinger Straße an. Deren Ausbau ist für 2020 geplant.

Von Marlies Schnaibel