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Havelland Töpferkunst von der Mode inspiriert
Lokales Havelland Töpferkunst von der Mode inspiriert
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07:37 28.12.2018
Stephanie Lötzsch nimmt sich mehrmals in der Woche Zeit, um kreativ zu werden. Quelle: Laura Sander
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Staaken/Falkensee

Geriffelt, geschwungen, mal verspielt, mal ganz klar in der Form – mit viel Fingerspitzengefühl arbeitet Stephanie Lötzsch in der heimischen Küche an ihren Kunstwerken, formt florale Elemente für Kaffeetassen oder Butterdosen aus Keramik.

Strukturen aus der Mode

Was die 30-jährige Staakenerin aus Ton formt, erinnert nicht selten an fließende Stoffe und Strukturen, die sonst nur in der Mode zu finden sind. Nicht ohne Grund, sagt die Keramikkünstlerin. „Ich habe mich schon immer für Formen und Oberflächen interessiert. Ein Modedesign-Studium lag daher nahe“, so Lötzsch. Schnell merkte sie jedoch, dass in der Modeindustrie nicht ihre Zukunft liegt. „Nach dem Studium konnte ich nicht einsteigen. Alles ist so oberflächlich“, sagt die Staakenerin.

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Das Soziale habe ihr gefehlt, der Druck kreativ sein zu müssen, habe ihr den Spaß genommen. „Was für eine Arbeit in einem Kleidungsstück steckt, sieht niemand, der es für wenige Euro von der Stange kauft. Ich habe viel gelernt und eine Menge mitgenommen, was das Nähen und Zeichnen betrifft“, so Lötzsch, die seit Oktober als Vertretungslehrerin in der Falkenseer Geschwister-Scholl-Grundschule arbeitet und mitten in ihrem Masterstudium steckt. „In anderthalb Jahren beginne ich mit dem Referendariat. Mein Traum ist es, irgendwann auch meinen Schülern die Arbeit mit Ton näherzubringen – so kann ich die Arbeit mit Menschen und die Kunst zusammenbringen.“

Ton braucht Zeit

Denn neben ihrem Studium spielt die Keramik die wohl größte Rolle im Leben der 30-Jährigen. Wann immer die Zeit es erlaubt, setzt sich Lötzsch an ihren Küchentisch und arbeitet an ihren kleinen Kunstwerken. Hund Rudi beobachtet sie dabei mit müden Augen. Er weiß: Mit einem Spaziergang kann er in den nächsten Stunden nicht rechnen, denn Ton braucht Zeit. So kann es passieren, dass man mehrere Tage oder Wochen an einem Stück arbeitet, weiß Lötzsch. „Ton muss langsam trocknen, darf allerdings nicht zu trocken werden. Ich arbeite fast ausschließlich mit der Aufbautechnik – zwischen den einzelnen Schritten liegt also immer etwas Zeit.“

Mit viel Fingerspitzengefühl arbeitet Stephanie Lötzsch in der heimischen Küche an ihren Kunstwerken, formt florale Elemente für Kaffeetassen oder Butterdosen aus Keramik. Ihre wunderbaren Einzelstücke möchte die 30-jährige Staakenerin nun unter die Leute bringen.

Für die Aufbautechnik bedarf es einige Übung. Schnell kann es passieren, dass die Wandstärke ungleichmäßig wird, was zu Problemen beim Brennen führen kann. „Das Brennen ist sowieso so eine Sache, vor allem was die Glasur betrifft. Es ist nie sicher, wie die Stücke aus dem Ofen kommen – ich finde das sehr spannend“, sagt die Künstlerin, die derzeit an einer eigenen Webseite für ihre Keramik arbeitet. Bisher profitierten Freunde und Familie von ihrer Leidenschaft, künftig kann jeder eines der speziellen Einzelstücke besitzen, die die Künstlerin unter ihrem Label „SAL-Keramik“ vermarktet.

SAL-Keramik aus Staaken

Vom Eierbecher über Kerzenhalter, Schmuckdöschen oder kunstvoll verzierte Seifenschalen, bis hin zur einzigartigen Teetasse – kein Stück gleicht dem anderen und genau das mache die Arbeit mit Keramik für die 30-Jährige so interessant. „Ich entspanne mich, sobald ich ein Stück Ton in der Hand und die Drehscheibe vor der Nase habe. Einen festen Stil habe ich nicht, vielleicht finde ich den noch“, lacht die Staakenerin, die ihre Leidenschaft in einem Volkshochschulkurs entdeckte. „Keramik war immer ein Thema für mich, vor vier Jahren habe ich endlich einen Kurs belegt. Die Teilnehmer waren sehr gemischt, es wurde schnell zu einem kreativen Kaffeekränzchen“, erzählt Stephanie Lötzsch. „Hier habe ich die Basics von einer Keramikerin gelernt und besuche den Kurs nach wie vor. Ich musste jedoch feststellen, dass mir zwei Stunden in der Woche nicht reichen.“

Auf über 1000 Grad hochheizen

Kurzerhand installierte sie eine mobile Keramikstation in ihrer Wohnung. Viele Werkzeuge brauche sie nicht, einiges ließe sich aus den Küchenschränken ganz einfach zweckentfremden. „Nur einen eigenen Brennofen habe ich nicht. Das ist mein Traum“, so die Studentin. Der bräuchte jedoch einen Starkstromanschluss und einen geeigneten Standort, schließlich heizt er auf über 1000 Grad hoch. Bis es soweit ist, arbeitet Stephanie Lötzsch daran, all ihre industriell gefertigten Tassen, Teller und Schüsseln durch eigene zu ersetzen.

Von Laura Sander