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Havelland Uhrmacher finden einfach keinen Nachwuchs
Lokales Havelland Uhrmacher finden einfach keinen Nachwuchs
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17:42 27.04.2018
In der Brieselanger Filiale des Uhrenhauses Kunze: Verkäuferin Petra König im Gespräch mit den Kundinnen Rita Krutke (Mitte) und Ina Schulz (li.) aus Nauen.  Quelle: Tanja M. Marotzke
Elstal

 Ganze acht Uhrmacher oder Azubis, die diesen Beruf lernen, gibt es derzeit noch im Landkreis Havelland. Die meisten arbeiten in dem seit 1955 existierenden Schmuck & Uhrenhaus Kunze in Elstal. So richtig erklären kann sich Inhaber Matthias Kunze (58), der den Familienbetrieb 1989 von seinem Vater Benno übernommen hat und jetzt gemeinsam mit seiner Frau Romy (53) führt, das schwindende Interesse an dem Beruf nicht: „Vielleicht denken die jungen Leute, dass Uhrmacher perspektivisch aussterben, weil keiner mehr Uhren reparieren lässt.“

Das aber stimme nicht, im Gegenteil. Seine kleine Werkstatt im Elstaler Geschäft erlebt gerade einen wahren Boom. „Wir kommen mit dem Reparieren und Goldschmiedearbeiten kaum hinterher“, sagt Kunze. Vier Leute seien nur damit beschäftigt. Der Trend gehe hin zu teuren Uhren, und die schmeiße man nicht weg, wenn sie defekt sind.

Insgesamt 16 Mitarbeiter haben im Uhrenhaus Kunze, zu dem Filialen in Falkensee, im Elstaler Outletcenter und in Brieselang gehören, einen Arbeitsplatz – einige als Verkäufer, einige in der Werkstatt. Dazu gehören auch drei Auszubildende.

Matthias Kunze mit Lehrling Frederik Tastow in der Werkstatt. Quelle: Jens Wegener

Im Laufe der letzten knapp 18 Jahre hat Matthias Kunze 25 Lehrlinge ausgebildet, darunter sechs Uhrmacher. Gerade mal drei sind nach Abschluss der Lehre in seinen Filialen geblieben. „Die anderen gehen in ihre Heimat in anderen Bundesländern zurück, weil sie dort offenbar bessere Chancen auf eine Anstellung haben“, bedauert Kunze. Er könne sich schon gar nicht mehr erinnern, ob und wann er mal einen Uhrmacherlehrling aus dem Havelland hatte. „Wir schalten Anzeigen, wir sind auf der Ausbildungsmesse in Paaren im Glien, aber dort meldet sich kein Interessent. Die Bewerbungen kommen übers Internet aus ganz Deutschland.

Auch die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Havelland, Claudia Seeligmann, weiß keine Antwort: „Uhrmacher ist wohl ein exotisches Handwerk. Wer nicht in der Familie irgendwie damit zu tun hat, findet offenbar keinen Zugang.“ Sie habe noch nie eine Anfrage eines Jugendlichen aus dem Havelland erhalten, der Uhrmacher werden will. Erschwerend komme hinzu, dass es so wenige Uhrmachermeister im Landkreis gebe, und nur die können Lehrlinge ausbilden.

Für Matthias Kunze, der stellvertretender Innungsobermeister für den Bereich Berlin/Frankfurt/Oder/Potsdam der Uhrmacherinnung ist, jedenfalls steht fest: Sein Uhrenhaus wird weiterleben. Seine Tochter Isabelle als Bürokauffrau und Schwiegersohn Marco, der Uhrmacher ist, sollen mal übernehmen. Im Moment denkt Matthias Kunze sogar darüber nach, „im Nahbereich zu erweitern“. Einzelheiten will er aber noch nicht verraten.

Vor wenigen Tagen erst gab es Grund zum Feiern. Die Filiale am Markt in Brieselang, in der Petra König und Sandy Noack verkaufen, hatte 20. Geburtstag. „Er war damals eine schwierige Entscheidung, dort ein Geschäft zu eröffnen, weil es am jetzigen Markt nichts gab außer Feld. Wir waren dann fast ersten, die einen Mietvertrag unterschrieben haben“, erinnert sich der Chef.

Ebenso richtig sei 2000 der Schritt gewesen, sich im Elstaler Outletcenter ein Standbein zu sichern. „Im dortigen Geschäft verkaufen wir in einem Monat mehr Uhren, als in den anderen Filialen zusammen“, sagt Kunze. Generell würde der Verkauf von Schmuck und Uhren etwa 80 Prozent des Umsatzes des Familienunternehmens ausmachen, 20 Prozent entfallen auf die Reparaturleistungen.

Von Jens Wegener

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