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Havelland Umgehungsstraße zum Gewerbe gefordert
Lokales Havelland Umgehungsstraße zum Gewerbe gefordert
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02:15 07.04.2017
Den Schutz der Menschen und der Natur forderten zahlreiche Markeer und Wernitzer auf der Demo vor dem Nauener Rathaus. Quelle: Andreas Kaatz
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Nauen

Mit Trommeln und Trillerpfeifen wurden am Montagabend am Rathaus Nauen die Stadtverordneten auf ihrem Weg in den Sitzungssaal empfangen. Bürger aus Markee und Wernitz machten lautstark auf ihre Befürchtungen aufmerksam. Denn an diesem Tag hatten die Abgeordneten darüber zu befinden, ob sie das Planverfahren für ein neues Gewerbegebiet in Markau-Süd einleiten sollen. Somit könnten künftig noch mehr Lkws durch die Orte fahren. Deshalb fordern die schon jetzt vom Verkehr geplagten Anwohner eine Umgehungsstraße.

Der Bauausschuss hatte unlängst die selbe Meinung vertreten und gleich zu Beginn der Debatte in der Stadtverordnetensitzung machte Bürgermeister Detlef Fleischmann (SPD) deutlich: „Wenn die verkehrliche Situation nicht zufriedenstellend gelöst wird, dann sehe ich den Bebauungsplan für das Gewerbegebiet als nicht genehmigungsfähig an.“ Die endgültige Entscheidung werde am Ende auch von den Stadtverordneten getroffen. Jetzt müsse aber erst einmal alles sachlich geprüft werden. „Es geht heute um nicht mehr und nicht weniger als um einen Aufstellungsbeschluss“, so der Bürgermeister.

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Er wies zudem darauf hin, dass es sich bei der momentanen Verkehrssituation um ein Problem handelt, das nicht nur Nauen betrifft, sondern auch Wustermark und Ketzin/Havel. Deshalb habe der Landkreis eine Studie in Auftrag gegeben, die beleuchten soll, wie die Verkehrssituation in dem Gebiet gelöst werden kann. Schon seit Jahren sorgen die Autotransporter der Firma Mosolf auf ihrem Weg zur B 5 für viel Verkehr und Lärm in den Orten. Ab Herbst steigt die Belastung noch mehr, wenn nämlich die Firma Hermes ihren neuen Logistikstandort in Etzin in Betrieb nimmt.

Nach Ansicht des Landes war dies alles bisher noch kein Grund, eine Umgehungsstraße zu finanzieren. Das könnte sich aber mit dem geplanten Gewerbegebiet von Mosolf in Markau, im Bereich Neugarten/Röthehof, ändern. Und so warb auch Fleischmann dafür, den Aufstellungsbeschluss zu fassen. „Er bietet eine Chance, die Gesamtsituation in den Griff zu bekommen.“

Am Ende wurde der Beschluss mit 16 Ja-Stimmen bei zehn Enthaltungen gefasst. Darin enthalten sind drei wichtige Punkte, die dringend geklärt werden müssen: Die genannte leistungsfähige Anbindung an die B 5 die Klärung der Gebietsentwässerung und die Festlegung zu den Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen. Enthalten hat sich insbesondere die Fraktion LWN+Bauern. Für deren Chef Manuel Meger sind noch zu viele Fragen offen, auch was die Finanzierung einer Umgehungsstraße angeht. Mit der Enthaltung möchte man Druck aufbauen.

Das Geld für die Straße wird in erster Linie vom Land Brandenburg erwartet, aber auch die Firma Mosolf als Investor will sich beteiligen. Das machte deren Chef Jörg Mosolf in der Sitzung deutlich. Auch für ihn funktioniert das Ganze nicht ohne Umgehungsstraße. „Das Gewerbegebiet ist nicht umsetzbar, wenn wir nicht eine Umfahrung bekommen. Wir sind bereit, eine neue Verkehrsanbindung, die die Anwohner schützt, finanziell zu unterstützen“, so Mosolf, der jetzt beim Land, aber auch im Bundesverkehrsministerium um Gelder dafür werben will. Im Vorfeld liefen bereits Gespräche mit Landrat Roger Lewandowski und den Bürgermeistern der betroffenen Kommunen.

Auf mehr als 60 Hektar plant die Firma Tätigkeiten im Zusammenhang mit Auto-Zukunftstechnologien wie Elektro oder Hybrid. Aber auch Themen wie Car-Sharing sollen eine Rolle spielen. Rund 500 Arbeitskräfte könnten dort eine Anstellung finden, heißt es. Mosolf bietet jedoch auch an, dass Gewerbetreibende aus der Region auf dem Areal eine Heimstatt finden könnten. Wie viel Fläche dafür zur Verfügung gestellt wird, hänge vom Bedarf ab. Und auf eine entsprechende Frage hin sicherte der Firmenchef zu, dass die Gewerbesteuer für das neue Gebiet der Stadt Nauen zugute kommt. Sei doch geplant, eine extra Firma zu gründen. „Da kann man sich einigen.“

Wie berichtet, haben sich unlängst die Markeer und Wernitzer entschlossen, gemeinsam für eine Umgehungsstraße in der Region zu kämpfen. Nicht nur Ralph Bluhm – Ortsvorsteher von Markee – ärgert, dass Gewerbe angesiedelt wird, ohne die fehlende Infrastruktur zu berücksichtigen. Dabei kritisiert er insbesondere die Ansiedlung des Logistikers Hermes in Etzin. Er fordert, dass das Land Brandenburg die Verkehrskonzepte an die reale Situation anpassen muss.

Die Markeer und Wernitzer haben sich vorgenommen, den Planungsprozess zum Gewerbegebiet mit Argusaugen zu begleiten. Und so sah Bluhm die kleine Demo vor dem Rathaus als „guten Auftakt“. Als Verbündeter ist auch der Naturschutzbund mit im Boot. Denn nördlich des geplanten Gewerbegebietes befinden sich die geschützten Röthehofer Teiche, die auch in Zukunft vor Beeinträchtigungen bewahrt werden sollen. Was es dort an Naturschätzen gibt, das will der Nabu am 13. Mai bei einer Wanderung durch das Teichgebiet zeigen. Alle Interessenten sind dazu eingeladen.

Von Andreas Kaatz