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Havelland VBB-Chefin: „Nauen hat eine hohe Priorität“
Lokales Havelland VBB-Chefin: „Nauen hat eine hohe Priorität“
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01:16 27.10.2018
Susanne Henckel, Chefin der VBB. Quelle: VBB
Havelland

Sie ist die oberste Chefin über Busse und Bahnen in Berlin Brandenburg: Susanne Henckel, in Iserlohn (Nordrhein-Westfalen) geboren, Ingenieurin für Stadt- und Verkehrsplanung, übernahm Anfang 2014 die Geschäftsführung des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB). Seitdem arbeitet sie an einer Verbesserung der Situation für Brandenburgs Pendler. Die MAZ will wissen, was das für das Havelland bedeutet.

Der Speckgürtel von Berlin wächst und wächst – vor allem in Richtung Falkensee – Nauen. Was tut der Verkehrsverbund Berlin Brandenburg, um sich auf die Situation einzustellen?

Susanne Henckel: Wir müssen mehr Angebote auf die Schienen bringen. Da führt kein Weg dran vorbei. Mit dem Wachstum in der Region steigen auch die Fahrgastzahlen. Das ist die gute Nachricht, aber das bedeutet auch, dass es in den Spitzenzeiten inzwischen schwierig ist noch einen Sitzplatz zu finden. Darauf reagieren wir: Zum kommenden Fahrplanwechsel wird der Takt zwischen Berlin und Nauen in der Hauptverkehrszeit verdichtet und mit dem zurzeit ausgeschriebenen Verkehrsnetz Elbe-Spree werden wir ab 2022 weiter erhebliche Angebotsverbesserungen auf vielen Schienenachsen umsetzen können – z.B. eine vierte Linie zwischen Nauen und Berlin, ein drittes stündliches Angebot auf dem RE1 oder auch ein verdichtetes Angebot in Richtung Spreewald. Das sind spürbare Verbesserungen für die Pendlerinnen und Pendler. Allerdings können wir nicht endlos ausweiten, denn die vorhandene Infrastruktur gibt die Möglichkeiten vor. Und hier gibt es in der Region viele Engpässe. Im Jahr 2014 haben wir bereits mit einer umfassenden Untersuchung von Nachfrage, Angebot und Entwicklungsperspektiven des Nahverkehrs in Berlin-Brandenburg, dem „ÖPNV-Konzept 2030“, begonnen. Aus den Ergebnissen ist unter anderem das „Projekt i2030“ entstanden: Hier untersuchen und planen wir gemeinsam mit den Ländern Berlin und Brandenburg sowie der DB Netze AG, wie sich die Infrastruktur in den kommenden Jahren an die gestiegenen Anforderungen anpassen muss.

Was würden Sie bevorzugen: S-Bahn oder Regionalbahn?

Es gilt, systemunabhängig das Beste für die Fahrgäste und die, die es noch nicht sind, auf der Strecke Berlin – Nauen umzusetzen. Die Antwort, welches System den Aufgaben besser gewachsen ist, welche Kosten damit verbunden sind und welches eine nachhaltige Lösung darstellt, ermitteln wir im weiteren Verlauf der Untersuchungen.

Welche Priorität besitzt die Strecke nach Nauen in Ihren Planungen?

Die Länder Berlin und Brandenburg haben der Strecke nach Nauen, als Teilprojekt i2030-Teilprojekt „West“, jüngst eine hohe Priorität eingeräumt – hier wollen und müssen wir auch schnelle Antworten auf die immer weiter steigende Nachfrage finden. Im Moment haben wir noch viele verschiedene Planungsvarianten, diese gilt es jetzt einzugrenzen.

Was halten Sie von einem Straßenbahnnetz in Spandau mit Anschluss nach Falkensee?

Es ist gut, dass sich viele Menschen Gedanken zum Ausbau von Bus und Bahn machen, um die Klimaziele zu erreichen und die Verkehrswende weg vom Auto unumkehrbar zu machen. Der ÖPNV-Ausbau ist grundsätzlich die Antwort. Über die konkrete Ausgestaltung lässt sich fachlich streiten. Aus heutiger Sicht war es ein großer Fehler, im Westteil Berlins die bestehende Straßenbahninfrastruktur zurückzubauen. Heute diskutieren wir zum Glück über die nächsten Schritte des Ausbaus des Berliner Straßenbahn-Netzes. Ob ein Inselnetz dabei eine gute Lösung sein kann, muss genau geprüft werden.

Ihre Studie „i2030" hat ergeben, dass einiges an Schienen-Infrastruktur zwischen Spandau und Nauen noch notwendig ist – wann rechnen Sie mit konkreten Baumaßnahmen?

Vor dem Bau muss sorgfältig geplant werden. Das geht nicht von heute auf morgen. Planungen und die Umsetzung von Infrastrukturmaßnamen sind langwierig und zeitintensiv. Nachdem die Planung steht, muss diese genehmigt, finanziert und letztlich auch der Bau ausgeführt werden, bevor ein Zug rollen kann. Eigentümer der Deutschen Bahn AG und alleiniger Aktionär ist der Bund. Dieser ist gemäß Grundgesetz für die Finanzierung von Eisenbahninfrastruktur zuständig. Um die Planungsvorläufe zu beschleunigen, sind die Länder Berlin und Brandenburg dankenswerterweise in Vorleistung gegangen und finanzieren die Untersuchungen im Rahmen des Projektes i2030 vollumfänglich.

Der Lenkungskreis trifft sich nur zweimal im Jahr, war aus dem Ministerium zu hören. Wann glauben Sie, dass dann die Menschen im Havelland von i2030 profitieren werden?

Der übergeordnete Lenkungskreis befindet über die strategische Ausrichtung des Gesamtprojektes und der Teilprojekte und trifft abschließende Entscheidungen. Es wurde verabredet, sich mindestens zweimal jährlich zu treffen. Bei Bedarf tagt dieses Gremium natürlich öfter - dieses Jahr übrigens bereits viermal. Wesentlich häufiger kommen die verschiedenen Projektarbeitsgruppen zusammen, in denen die Arbeit für die einzelnen Teilprojekte intensiv abgestimmt wird. Erste sichtbare Erfolge werden Anfang bis Mitte der 2020er Jahre z.B. beim Umbau des Bf. Königs Wusterhausen oder des zweigleisigen Ausbaus zwischen Lübbenau und Cottbus erwartet.

Welche kurzfristigen konkreten Maßnahmen und Aktivitäten des VBB führen zur Verbesserung der Situation von übervollen Pendlerzügen von Falkensee nach Berlin?

Hier haben wir in den vergangenen Monaten gemeinsam mit den Verkehrsunternehmen intensiv um Angebotsverbesserungen gerungen. Wir sind sehr froh, dass es der ODEG und DB Regio gelungen ist, zusätzliche Fahrzeuge aufzutreiben. So werden ab Dezember zusätzliche Entlastungszüge der ODEG mit der RE2 am Morgen und Nachmittag verkehren, ab dem zweiten Quartal 2019 wird DB Regio die Züge der Linie RB10 auf Doppelstockwagen umstellen. Beide Maßnahmen erhöhen die Kapazität in den Spitzenstunden deutlich. Zusammen mit dem Land Berlin, dem Landkreis Havelland, der BVG und Havelbus wird derzeit auch an Verbesserungen im Busverkehr auf der Achse Spandau – Falkensee und Spandau – Schönwalde gesprochen. Im Gespräch sind unterschiedliche Szenarien zu Angebotsausweitungen. Einen konkreten Umsetzungstermin gibt es zwar noch nicht, aber diese Maßnahmen sind ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung des regionalen Verkehrs im direkten Stadt Umland Verkehr.

Sollte über ein neues Tarifsystem nachgedacht werden, damit die Fahrgäste von Brandenburg nach Berlin es leichter haben?

Der bestehende VBB-Tarif ist derzeit ein für die Fahrgäste leicht benutzbares System. Wir sehen ihn als Garant für den Erfolg und als eine der Ursachen für die steigenden Fahrgastzahlen. Wir haben zwei Länder, rund 40 Verkehrsunternehmen und einen gemeinsamen Tarif – das ist der Grund, warum viele Menschen die Ländergrenze nicht mehr wahrnehmen. Ein neues Tarifsystem ist aus unserer Sicht nicht erforderlich, insbesondere auch nicht die Verschiebung vorhandener Preisgrenzen, vielmehr müssen wir den Ausbau des digitalen Vertriebs bis hin zum elektronischen Tarif vorantreiben. Eine weitere Bedeutung haben auch tariflich integrierte Angebote mit weiteren Mobilitätsangeboten wie zum Beispiel Leihfahrrädern.

Was sagen Sie als Geschäftsführerin des VBB als Trost einem Fahrgast, der sich derzeit morgens in eine übervolle Regionalbahn begibt?

Natürlich ist es sehr unangenehm, wenn die Fahrzeuge sehr voll sind. Das erfahre ich auch oft, wenn ich mit dem Zug unterwegs bin. Die Pendlerinnen und Pendler wissen aber auch zu schätzen, dass das Bahnangebot im VBB-Land stetig besser geworden ist. Wir haben mehr und bequemere Züge als in der Vergangenheit, sie sind klimatisiert und man kommt vor allem schneller voran. Aber der Erfolg bringt uns nun eben auch die Fülle mit der wir umgehen müssen.

Was sagen Sie zu dem Vorwurf der IGEB / des Berliner Fahrgastverbandes, dass die Politik die S-Bahn nach Falkensee schon längst hätte haben können und dieses verhindert hat?

Wir untersuchen im i2030-Projekt gerade intensiv, wie es weitergeht und werden gemeinsam mit den Ländern und der Bahn zu einem Ergebnis kommen. Wir schauen jetzt nach vorn. Prinzipiell bin ich immer dankbar für die kritische Begleitung des IGEB, der sich für die Interessen der Fahrgäste einsetzt.

Warum wurden die Vorschläge des S-Bahn-Sprechers der Geschäftsführung, Peter Buchner, aus dem Jahre 2016 von der Politik nicht aufgegriffen und einfach umgesetzt?

Wie gesagt: vor einer „einfachen Umsetzung“ stehen langwierige Planungsphasen und letztlich der Bau von Infrastrukturanlagen, also Schienen und Stationen – so einfach und vor allem so schnell geht das nicht. Wir sind aber zuversichtlich, dass die Ideen vom S-Bahn Chef in unserem Projekt auch Berücksichtigung finden.

Von Ulrich Hansbuer

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