Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Havelland Verstärkung für die Ärzte
Lokales Havelland Verstärkung für die Ärzte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:09 17.07.2014
Plötzlich Notfallsanitäter: Matthias Stebahne, Personalleiter Karsten Herrmann und Roy Strupat (v.l.). Quelle: Havelland Kliniken
Havelland

„Es war nicht ohne“, seufzt Roy Strupat nach bestandener Prüfung und meint damit den Anspruch, den die Kommission an ihn gestellt hat. Der Wachenleiter aus Rathenow und zwei Rettungsdienst-Kollegen, darunter Matthias Stebahne aus Nauen, haben sich gerade der Prüfung zum Notfallsanitäter unterzogen. Jetzt gehören sie zu den ersten 17 Vertretern dieses neuen Berufs im Land – und sind sichtlich stolz darauf.

Nun dürfen Strupat und Stebahne im Notfall das, was bisher nur ein Notarzt durfte: etwa Herzrhythmusstörungen behandeln, Patienten bestimmte Schmerz- und Beruhigungsmittel verabreichen, den Brustkorb punktieren und Arterien abbinden. Bislang verlangte das Gesetz von den Rettern, auf die Ankunft des Arztes zu warten. Wer als Rettungsassistent trotzdem über die Erste Hilfe hinaus handelte, befand sich stets mit einem Bein im Gefängnis. Das kann dem Notfallsanitäter nicht mehr passieren. Mit seiner Ausbildung ist er nun rechtlich auf der sicheren Seite, trägt dafür aber auch mehr Verantwortung. Dessen sind sie sich offenbar bewusst: Der Nauener Rettungsdienstausbilder Matthias Stebahne hätte mit seinen mehr als fünf Jahren Berufserfahrung eigentlich nur eine mündliche und praktische Prüfung absolvieren müssen. Doch er durchlief den ganzen Vorbereitungskurs; schließlich muss er das Gelernte weitergeben können.

Derzeit arbeiten im Havelland 40 Notärzte und – neben den bislang drei Notfallsanitätern – noch 70 Rettungsassistenten. Bis 2020 müssen alle die neue Qualifikation vorweisen, sonst werden sie nicht mehr beschäftigt. Das Bundesgesetz dafür gilt bereits seit Anfang des Jahres. Als Grund für die Einführung des neuen Berufs nennt die Betreiber-GmbH des Rettungsdienstes, eine 100-prozentige Tochter der kommunalen Havelland-Kliniken, die steigende Zahl pflegebedürftiger Menschen in Deutschland. „Das zunehmende Alter der Patienten führt zu komplexer werdenden Notfallsituationen, einem Anstieg der Einsatzzahlen sowie der Veränderung von Krankheitsbildern“, erklärt Rettungsdienst-Personalleiter Karsten Herrmann. Zu Deutsch: Neue Zeiten bedürfen neuer Berufe.

Notfallsanitäter

Die Ausbildung zum Notfallsanitäter wird an zwei Schulen in Brandenburg angeboten. Vorreiter der Region ist die Landesrettungsschule in Bad Saarow.
Rettungsassistenten mit weniger als fünf Jahren Berufserfahrung können sich dort entweder einer kompletten staatlichen Prüfung unterziehen oder einen Ergänzungslehrgang im Umfang von 480 bis 960 Stunden absolvieren, wozu dann auch ein Klinikpraktikum gehört.
Mit mehr als fünf Jahren Berufserfahrung reichen eine mündliche und die praktische Prüfung.

Dass Bedarf an qualifizierten Rettern auch im Havelland besteht, ist offensichtlich: Jeweils täglich drei der vorhandenen Notärzte arbeiten auf Abruf, doch schon jetzt kann der Rettungsdienst nicht allein mit klinikeigenen Medizinern bestückt werden. Auf dem Land ist zudem das Risiko höher, dass der Notarzt länger zum Einsatzort braucht als der Rettungswagen – wegen der weiten Wege. Oder aber der einzige Arzt kann bereits woanders unabkömmlich sein. Im Raum Falkensee setzt man jedenfalls bereits zusätzliche Honorarärzte ein. Diese Lücke, so hofft man, könnten Notfallsanitäter möglicherweise ein Stück weit schließen. Neueinstellungen von Notärzten seien im Havelland indes nicht geplant – das würden die Einsatzzahlen nicht rechtfertigen.

Kritiker befürchten daher, dass mit den Notfallsanitätern vor allem ein Zweck verfolgt wird: Geld zu sparen, und zwar auf Kosten der Patienten, die ihr Leben nun Nichtmedizinern anvertrauen müssen. Babette Dietrich, Sprecherin der Havelland-Kliniken widerspricht: „Die Notfallsanitäter sollen die Notärzte nicht ersetzen, sondern die Versorgung der Patienten bis zu deren Eintreffen deutlich verbessern.“ Ein Blick in die Bilanzen der Kliniken und der Rettungsdienst GmbH lehrt: Die Unternehmen haben das Sparen wohl tatsächlich nicht nötig.

Von Oliver Fischer

Havelland Einrichtung in der Rathausstraße ist vorerst bis September zu - Ketziner Bibliothek vor dem Aus

Das Überleben der Ketziner Stadtbibliothek hängt am seidenen Faden. Seit Montag ist die Einrichtung in der Rathausstraße 24 bis Ende August komplett geschlossen, worüber sich besonders die Ferienkinder ärgern, die zu Hause sind und das eine andere Buch gern ausgeliehen hätten. Wie es ab September mit der Bibliothek weitergeht, steht in den Sternen.

17.07.2014
Havelland Unternehmen liefert automatische Refraktoren - Optotec Rathenow: Zukunft neu ins Auge gefasst

Das Unternehmen Optotec Optotechnischer Gerätebau GmbH liefert alles, was für die Werkstatt eines Augenoptikers gebraucht wird. Vor Kurzem hat Optotec nun „Refraktor“ genannte Geräte mit ins Angebot genommen, mit denen Augenoptiker die Sehfähigkeiten ihrer Kunden bestimmen können. Mehr dazu hier.

17.07.2014
Brandenburg/Havel Museumschef Rainer Kossian erforscht regionale Gewohnheiten - MAZ-Serie: Alte Brandenburger Küche

Welches das bisher originellste Kochbuch war und ob man die alten Kladden überhaupt noch entziffern kann, verriet Rainer Kossian, Leiter des Archäologischen Landesmuseum jetzt im Interview. Zusammen mit der MAZ rief er die Serie "Alte Brandenburger Küche" ins Leben. Viele, zum Teil sehr alte Rezepte sind schon eingetroffen.

17.07.2014