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Havelland Was ist „Rathenower Roulette“ ?
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17:55 20.02.2014
Diese Luftaufnahme vom Schloss Lötze schoss Martin Keune im Sommer 2013. Quelle: M. Keune
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Semlin

Was hat der weltberühmte Architekt Mies van der Rohe mit Rathenow zu tun? Wieso dreht ein amerikanisches Kamerateam im Schloss Lötze bei Semlin? Was ist „Rathenower Roulette“ und wieso besucht ein Architekt aus Chicago das Havelland? Die Antworten auf diese Fragen und viele andere spannende Details stecken in dem neuen Semliner Heft, dass dieser Tage erscheint. Martin Keune, der wortgewandte Wahlsemliner, hat damit mal wieder einen echten Coup gelandet. Gemeinsam mit Heike Brett grub er Geschichten aus, die nicht nur die Semliner staunen lassen.

In der 15. Ausgabe, die den Titel „Es geschah im Schloss“ trägt, dreht sich alles um die Lötze. Jene Villa am Hohennauener See, deren hellblaue Farbe sich sofort ins Gedächtnis des Betrachters gräbt. Zur intensiven Recherchearbeit stöberten Martin Keune und Heike Brett in Archiven, Grund- und Kirchenbüchern. Sie begaben sich auf Spurensuche weit über die Grenzen des Westhavellandes hinaus, bemühten die Datenbank der Shoah-Opfer Yad Vashem und nahmen Kontakt nach Chicago auf. Bisher waren nur ein paar Anekdoten über den schillernden Bauherrn Robert Hennecke bekannt. Der ließ das Schlösschen 1914 bauen und lebte darin, bis er sich 1927 im selbigen erschoss. Insgesamt aber lag die Geschichte des Hauses weitestgehend im Dunkeln.

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Dank Keune können die Westhavelländer nun ein weiteres Stück Heimatgeschichte ins heimische Bücherregal einordnen. Wobei der Autor und Geschäftsführer einer Berliner Werbeagentur auch eingesteht, dass er nicht alles auf-

decken konnte. Zum Beispiel bleibt die Frage offen, wer Alfred Jacob aus Leipzig war und warum er die Lötze Ende 1936 abgab. „Da war meine Recherche unterm Strich leider weitgehend Fehlanzeige. Es gibt eine Reihe von Indizien, die darauf hindeuten könnten, dass der Mann ein Jude gewesen ist – aber nicht genug, um das wirklich zu behaupten“, so Keune. Nichtsdestotrotz hat er Beachtliches in dem 30-seitigem Büchlein zusammengetragen. Keune geht der Frage nach, was in der Lötze in Zeiten des Dritten Reichs lief. „Da gibt es allerhand Erstaunliches zu berichten. „Die Semliner glauben, dass die Lötze ab 1936 dem Baumschulenbesitzer Hugo Spannuth gehörte, aber der war nur eingesetzter Verwalter. (...) Die Lötze lag im direkten Fokus der Nazis...“, heißt es in dem Heft. Was bisher auch nicht bekannt war: Im Keller der Lötze waren Zwangsarbeiter eingesperrt. Der größte Knaller mit dem Keune aufwartet, dürfte die Verbindung des Mies van der Rohe nach Rathenow sein. Wer wusste schon, dass die Tochter des berühmten Mannes erst in Rathenow und später in der Lötze lebte?

100 Jahre Lötze – eine spannende Geschichte. Übrigens, wer flüssig ist kann die Lötze für schlappe 1,8 Millionen Euro kaufen und der nächste schillernde Schlossherr werden.

Von Christin Schmidt

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