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Havelland Wendezeit auf dem Dorf
Lokales Havelland Wendezeit auf dem Dorf
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00:27 15.04.2015
Die Besucher in Tremmen fanden in der Schau ihnen bekannte Namen und entdeckten sich selbst auf Fotos. Quelle: Lahn
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Tremmen

Ein Traktor fährt durch den Schlamm. Die Wohnhäuser sind heruntergekommen, die Straßenverhältnisse schlecht. An allen Ecken bröckelt der Putz. Die schwarz-weißen Fotos der am Sonntag eröffneten Sonderausstellung "25 Jahre Wende in Tremmen und Ketzin" im Dorfmuseum Tremmen dokumentieren, wie grau das Leben in der DDR sein konnte.

Man erfährt, dass der Parteisekretär der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft stundenlange Reden über die "Bonner Revanchisten" halten konnte und sieht, wie die Jungen Pioniere des Dorfes demonstrierten. Fotos zeigen aber auch die schönen Seiten des Dorflebens. Die Narren feierten unter dem Motto "Tremmen, Schlamm, Schlamm". Die Kinder lachten zur Einschulung in die Kamera und auch die Kleintierzüchter genossen ihr Vereinsleben.

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Die Wende veränderte den Alltag im Dorfleben

Basis der von Lothar Lehnhardt erarbeiteten Schau sind Zeitungsartikel aus den Jahren 1989/90, die dokumentieren, wie gravierend die Wende den Alltag der Menschen veränderte. Systematisch angeordnet gibt es für jede Phase eine Tafel mit den weltpolitischen Ereignissen sowie eine Tafel, die anhand des Lokalteils der Märkischen Volksstimme (so hieß die Märkische Allgemeine einst) zeigt, was regional berichtet wurde. Während die Reporter der staatlichen Medien im Sommer 1989 die Aufbruchstimmung im Land noch nicht in den Blick nehmen durften, kam die Berichterstattung 1990 in Fahrt. Man erfuhr von den ersten Demos in Tremmen, den Veränderungen in der Nauener SED-Kreisleitung und wie der Ketziner Stadtrat die Vertrauensfrage stellte. Reich dokumentiert werden die Ereignisse von den Neuwahlen bis zur Deutschen Einheit. Die Zeitungen jener Tage hatte Franz Nieter aus Nauen gesammelt. Er hatte 350 Ausgaben der MV aufbewahrt und übergab sie an den Tremmener Lehnhardt. Über den Grund für die Sammlung sagte Nieter: "Ich wollte später darauf hinweisen können, wie wenig bei uns damals über einige wichtige politische Ereignisse berichtet wurde."

Videos mit Zeitzeugen-Interviews

Die Besucher suchten eifrig nach bekannten Namen oder entdeckten sich selbst auf Fotos. So war Elvira Krüger überrascht, als sie sich auf einer Aufnahme zwischen einem Trabant und einem Kaninchenkäfig bei einer Kleintierschau wiederfand. Zu sehen sind auch einige typische DDR-Utensilien, die der Sammler Tobias Bank beisteuerte. Dabei ist die grüne Uniform des Abschnittsbevollmächtigten (ABV).

Lehnhardt interviewte auch Zeitzeugen und zeigte gestern erstmals die entstandenen Filme. In einem Interview sagte Thomas Seelbinder: "Ich glaube, heute lebt keiner mehr zu den gleichen Bedingungen wie vor der Wende. Damals war alles grau und marode. Danach kam die Arbeitslosigkeit, keiner wusste, ob es am nächsten Morgen den Arbeitsplatz noch gibt." Seelbinder ist 1990 mit 24 Jahren Bürgermeister geworden. Über die Wendezeit sagte der Tremmener: "Jeder stand damals vor neuen Herausforderungen." Wer wissen will, welche es waren, kann die Schau bis 31. Oktober samstags, sonn- und feiertags von 13.30 bis 17 Uhr besichtigen.

Von Annett Lahn

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