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Havelland Wenn Menschen einsam sterben
Lokales Havelland Wenn Menschen einsam sterben
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05:06 31.01.2018
Impressionen von der Urnengrabanlage des Weinberg Friedhofs in Rathenow
Impressionen von der Urnengrabanlage des Weinberg Friedhofs in Rathenow Quelle: Christin Schmidt
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Westhavelland

Am Lebensende ganz allein zu sein und einsam zu sterben, das ist für viele Menschen eine furchtbare Vorstellung aber keine Seltenheit. Immer wieder geht ein Leben zu Ende, ohne dass jemand Notiz davon nimmt. Wenn weder Familie noch Freunde da sind, die sich kümmern und die Bestattung organisieren, wird das Ordnungsamt zum letzten Begleiter.

Um etwa 20 solcher Sterbefälle kümmern sich die Mitarbeiter des Rathenower Ordnungsamtes jedes Jahr. In etwa der Hälfte der Fälle können später noch Angehörige ermittelt werden, die für die Kosten aufkommen müssen, so schreibt es das Brandenburgische Bestattungsgesetz vor. Dass die Hinterbliebenen den Kontakt zum Verstorbenen vielleicht schon vor Jahr abgebrochen haben, spielt keine Rolle.

Immer wieder kommt es vor, dass Menschen in ihrer Wohnung gefunden werden – nicht selten erst nach einigen Wochen oder Monaten, so Rathenows Bauamtsleiter Matthias Remus. Die Polizei verständigt dann das Ordnungsamt und die Suche nach Anhaltspunkten beginnt. Häufiger kommt der Anruf aus dem Krankenhaus oder einem Pflegeheim, weiß Remus zu berichten.

Der einsame Tod auf Staatskosten

Das Brandenburgische Bestattungsgesetz regelt, dass bei fehlenden Angehörigen die Ordnungsbehörde für die Beerdigung zu sorgen hat.

Das gleiche gilt für jene Fälle, in denen ein Angehöriger erst später ermittelt wird.

Die Zahl derer, die bundesweit auf Staatskosten beerdigt werden, ist nicht bekannt.

Schätzungen gehen von Zehntausenden jährlich aus – landesweit ist der Trend steigend.

Das Amt organisiert und beauftragt dann alles. Viel Zeit für Recherche bleibt nicht, denn die Erdbestattung oder Einäscherung muss laut Gesetz innerhalb von zehn Tagen nach Feststellung des Todes erfolgen. In der Regel erfolgt eine Urnenbeisetzung, es sei denn der oder die Verstorbene hat den Wunsch nach einer anderen Bestattungsform hinterlassen. Die Gemeinde Milower Land hat zum Beispiel entsprechend des Wunsches eines Verstorbenen, eine Beisetzung auf See veranlasst. Solche Fälle sind aber die Ausnahme. Üblicherweise entscheiden sich die Ämter für die günstigste Variante.

„Es wird ein einfacher, aber würdiger Rahmen gewählt. Wenn jemand keine Angehörigen hat, die sich um die Bestattung kümmern müssen, heißt das nicht, dass nicht Nachbarn und Freunde den Sarg oder die Urne begleiten. Man sieht den Beisetzungen normalerweise nicht an, dass nicht Angehörige die Beisetzung organisiert haben, sondern ein Amt“, erklärt Rhinows Amtsdirektor Jens Aasmann.

Wenn Menschen einsam sterben, kümmert sich das Ordnungsamt um die Bestattung. Auch im Westhavelland gibt es immer wieder Menschen, die am Lebensende niemanden mehr haben. Quelle: Christin Schmidt

Sind keine gesonderten Beisetzungswünsche des Verstorbenen bekannt, wird die Urne im Regelfall auf dem örtlichen Friedhof beigesetzt. „Falls Grabfelder von bereits verstorbenen Angehörigen existieren, erfolgt die Beisetzung auf diesem Grabfeld, ansonsten auf der Urnengemeinschaftsanlage“, erklärt Jens Aasmann die Vorgehensweise im Amt Rhinow.

Im Westhavelland werden regionale Bestatter beauftragt

Die Gemeinde Milower Land musste in den Jahren 2015 und 2016 zweimal tätig werden, 2017 gab es einen solchen Todesfall. Auch das Amt Rhinow übernahm 2016 und 2017 die Kosten für jeweils eine Bestattung. Das Amt Nennhausen hatte zuletzt 2016 einen solchen Sterbefall.

Mit der Durchführung der Bestattung und der Beisetzung werden im Westhavelland in der Regel Bestattungsunternehmen aus der Region beauftragt, das handhaben die Kommunen alle ähnlich. Anders in Brandenburg/Havel. Hier schrieb die Stadt den Auftrag vor mehr als einem Jahr aus. Ein Bestatter aus Rostock bekam den Zuschlag und bringt die Toten nun zur Einäscherung zum Krematorium Lichterfelde bei Eberswalde – 141 Kilometer von Brandenburg/Havel entfernt.

Matthias Remus hält von dieser Praxis nichts: „Das ist ein sensibles Thema und der ganze Vorgang soll doch möglichst schnell und reibungslos vonstatten gehen, da ist es wichtig einen Ansprechpartner vor Ort zu haben.“

Die Kosten differieren im Einzelfall, im Schnitt fallen zwischen 1200 und 1800 Euro pro Bestattung an. Die Kommunen rechnen derzeit nicht damit, dass die Zahl der Bestattungen ohne Angehörige in den nächsten Jahren steigt.

Von Christin Schmidt