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Havelland Willkommen in Falkensee
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11:00 17.12.2014
Mitten im Falkenseer Zentrum wird das erste Asylbewerberheim der Stadt gebaut.
Mitten im Falkenseer Zentrum wird das erste Asylbewerberheim der Stadt gebaut. Quelle: Tanja Marotzke
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Falkensee

Mit Patenschaften, Freizeitangeboten, Kleidungs- und Sachspenden und Deutschunterricht will die Initiative "Willkommen in Falkensee" die 63 Flüchtlinge unterstützen. Neue Ideen und Mitglieder sind immer willkommen.

Dafür, dass die Initiative ins Leben gerufen wurde, spielt Facebook eine maßgebliche Rolle. Wegen ablehnender Kommentare in einer Facebook-Gruppe zum im Bau befindlichen Asylbewerberheim an der Kremmener/Ecke Bergstraße, schlossen sich Befürworter des Heims zusammen. Zunächst virtuell – im vergangenen Februar trafen sich 20 Mitglieder im Mehrgenerationenhaus des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB), um Pläne zu schmieden. Jeder kann sich mit seinen persönlichen Kompetenzen einbringen, das reicht vom Angebot, Fahrräder zu reparieren über Kinder hüten bis zum Lehren von Deutsch.

Jeder kann sich mit persönlichen Kompetenzen einbringen

Die Sozialpädagogin Kathleen Kunath gehört zu den Mitbegründern der Initiative. „Dass das Falkenseer Heim mitten in der Stadt gebaut wird, ist richtig“, findet sie. So werde einer möglichen Ghettoisierung entgegengewirkt. Dass das nicht alle Falkenseer so sehen, bestürzt sie, dennoch nimmt sie die Bedenken ernst. Einige Anwohner äußerten direkt nach Bekanntwerden des Standortes Angst vor Kriminalität und Lärm. „Es geht um Menschen und ihre persönliche Geschichte“, sagt sie.

Deshalb rief sie zur Gründung des Netzwerkes auf. Dessen Ziel ist auch, Anwohnern die Angst vor Fremden zu nehmen. Gerade bei der Ankunft der Flüchtlinge seien Hilfen und Ansprechpartner für Flüchtlinge und Nachbarn wichtig. „Denn da werden die Weichen für ein gutes Zusammenleben gestellt“, sagt Kathleen Kunath. Auf Facebook schrieb sie diejenigen an, die sich in Kommentaren für Flüchtlinge stark machten. Darunter ist Martin Nguyen, das jüngste aktive Mitglied der Initiative.

Angst vor dem Heim ist oft nur ein Reflex

Der 18-Jährige besucht die elfte Klasse der Falkenseer Kant-Gesamtschule und ist politisch sehr interessiert. „Ich habe gar nicht verstanden, wieso man überhaupt gegen ein Flüchtlingsheim sein kann“, erzählt er. Für ihn sind alle Menschen gleich, egal woher sie kommen und welches Geschlecht sie haben. Durch die Gespräche über die Willkommensinitiative habe er aber auch verstanden, dass die Angst vor dem Heim oft nur ein Reflex ist, die sich durch Gespräche relativieren lässt. „Wir hatten einige gute Gespräche, zum Beispiel auf der Angerweihnacht“, erzählt er. Dort sammelte die Initiative Spenden.

Bürgerinitiative "Willkommen in Falkensee"

Seit Oktober wird das erste Falkenseer Asylbewerberheim an der Kremmener/Ecke Bergstraße gebaut. Im Frühjahr soll es fertig sein, die ersten 63 Flüchtlinge werden dort voraussichtlich im Frühsommer 2015 einziehen können.
Die Mitglieder der Initiative „Willkommen in Falkensee“ treffen sich seit vergangenem Februar etwa alle drei Wochen, um über anstehende Projekte zu sprechen und die Ankunft der ersten Flüchtlinge zu planen. Gemeinsam mit ihnen soll besprochen werden, woran es wirklich mangelt. So wird eine Bedarfsliste erstellt.
Das nächste Treffen ist am 13. Januar um 18 Uhr im Mehrgenerationenhaus des ASB in der Ruppiner Straße 13.

Weitere Informationen sind unter www.willkommen-in-falkensee.jimdo.com abrufbar.

Martin Nguyen schätzt die Willkommensinitiative sehr. „Wir sind wie eine große Familie“, erzählt er. Sein Plan ist, sich im Rahmen der Schule zu engagieren. „Viele meiner Mitschüler machen Musik, ich würde gern ein Bandprojekt mit Flüchtlingen starten“, sagt er.

28 Falkenseer haben sich bislang für eine Einzelpatenschaften eingetragen und wollen „Alltagslotsen“ werden. Auf der Internetseite der Initiative können Falkenseer Gesicht zeigen und ihr Statement für die Aufnahme von Asylbewerbern abgeben.

Von Anja Meyer

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