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Havelland Landkreis: Windstrom soll gespeichert werden
Lokales Havelland Landkreis: Windstrom soll gespeichert werden
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10:53 27.02.2018
Windräder in Wustermark auf der Nauener Platte. Quelle: Tanja M. Marotzke
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Havelland

Wenn der Wind ordentlich bläst, dann stehen die Windanlagen auf der Nauener Platte nicht mehr still. Permanent drehen sich die Flügel und es wird Strom erzeugt und eingespeist – aber nur, solange die Netze nicht überlastet sind. Das jedoch kann immer wieder geschehen, so wie beispielsweise im windstarken Jahr 2015. Damals wurden die Anlagen insgesamt 184 Stunden abgeregelt, was vor allem das Umspannwerk Neukammer betraf, aber auch die Umspannwerke in Nauen, Ketzin/Havel und Wustermark.

Potenzialstudie zu Nauener Platte erarbeitet

„Sie mussten abgeregelt werden, obwohl man in windstarken Zeiten die Möglichkeit hätte, effektiv Strom zu erzeugen“, sagt Johannes Gansler vom Leipziger Institut für Energie. Könnte man stattdessen den erzeugten Strom zwischenspeichern, hätte man das Problem nicht. Das Institut war deshalb vom Landkreis Havelland damit beauftragt worden, eine „Potenzialstudie zur Ermittlung des Speicherbedarfs erneuerbarer Energien auf der Nauener Platte“ zu erarbeiten, die jetzt vorgestellt wurde. Dabei spielten unter anderem auch Strom aus Photovoltaikanlagen oder aber Biogasanlagen eine Rolle.

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Warum die Speicherung der Energie so bedeutend ist, erläuterte Landrat Roger Lewandowski (CDU): „Für uns als Landkreis ist der Klimaschutz ein wichtiges Thema.“So habe das Klimakonzept fürs Havelland das Ziel, den Anteil erneuerbarer Energien am Energieverbrauch bis 2030 auf 50 Prozent zu steigern. „Bereits 2014 hätten 85 Prozent des Stromverbrauchs im Havelland durch erneuerbare Energien gedeckt werden können. Doch die Praxis sieht anders aus.“ Ein großer Teil des Stroms kann nicht eingespeist werden. „Für uns ist aber wichtig, das wir die produzierte Energie auch nutzen können.“

Unregelmäßige Einspeisung ins Netz

Die Nauener Platte zählt zu den größten, mit Windenergieanlagen bestückten Gebieten in Deutschland. 194 Windräder stehen dort derzeit, weitere 15 sind in Planung. Allein auf Nauener Gemarkung befinden sich 95 Anlagen mit 150 MW Leistung. Hinzu kommen sieben Photovoltaikanlagen. Die Experten haben festgestellt, dass die regionale Stromerzeugung im Jahre 2030 den Stromverbrauch im Untersuchungsgebiet um ein Vielfaches übersteigen werde – wie teilweise auch jetzt schon. Trotzdem kann der Strombedarf vor Ort nicht gedeckt werden, weil die Einspeisung ins Netz übers Jahr unregelmäßig erfolgt.

Um den Überschussstrom, der für 6760 Stunden im Jahr anfällt, zwischenspeichern zu können – maximal 40 MW – , schlägt das Institut mehrere Varianten vor: „Unser Lösungsvorschlag ist, ab 2020 eine Batteriekaskade aus Lithium-Ionen-Batterien am Umspannwerk Neukammer zu installieren“, so Gansler. Im Bereich Ketzin könnte zudem Strom zu Wärme umgewandelt werden, um damit Häuser zu heizen. Zudem gäbe es das Verfahren „Power to Gas“, indem über Elektrolyse aus Strom Wasserstoff entsteht sowie Methan, das ins Erdgasnetz eingespeist oder in Kavernen gespeichert wird.

Keine Motivation für Windanlagenbetreiber

Wie dies alles umgesetzt werden soll, ist aber noch völlig unklar. So wurde bei der Präsentation der Studie deutlich, dass derzeit für Windanlagenbetreiber und Energieunternehmen keine finanzielle Motivation bestehe, in solche Speicher einzuspeisen. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz sei so gestrickt, dass die Betreiber auch im Falle einer Abregelung Geld bekommen.

Förderung ist erforderlich

„Es muss natürlich wirtschaftlich darstellbar sein. Deshalb sollte das Gesetz von Seiten des Bundes geändert werden, um Anreize zu schaffen“, so der Landrat. Damit es attraktiv wird, die Speichertechnologien zu installieren, müssten sie gefördert werden. Kreisbeigeordneter Henning Kellner: „Die Initiative dafür, dass das Netz gleichmäßig belastet wird, müsste eigentlich von den Energieversorgern kommen und nicht von den Kommunen.“ Der Landkreis will die vom Bund geförderte Studie jetzt veröffentlichen und ausloten, was er selbst tun kann, um das Thema Energiespeicherung voranzutreiben.

Von Andreas Kaatz