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Havelland Winfried Ganzer: „Ich wollte etwas bewegen“
Lokales Havelland Winfried Ganzer: „Ich wollte etwas bewegen“
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16:33 22.10.2017
Winfried Ganzer am Havelufer – einer seiner Lieblingsorte.
Winfried Ganzer am Havelufer – einer seiner Lieblingsorte. Quelle: Christin Schmidt
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Milow

Vor 70 Jahren, am 23. Oktober 1947, begossen die Schmiedemeister Paul und Bruno Ganzer die Geburt ihres potenziellen Nachfolgers. Damals konnten sie noch nicht ahnen, dass ihr Sprössling sich später erfolgreich in die Kommunalpolitik einmischt und mit Herzblut für seinen Heimatort einsetzt - sonst hätten sie sicher noch ein weiteres Mal das Glas erhoben.

Es dürften einige Menschen sein, die dem waschechten Milower heute die Hand schütteln. Da sind die zahlreichen Gemeindevertreter, mit denen er sich in den letzten 20 Jahren für seine Heimat eingesetzt hat. Dazu die vielen Freunde und Wegbegleiter aus seiner aktiven Zeit als Handballer sowie Ehrenamtler, mit denen er noch immer gemeinsam Veranstaltungen und Aktionen organisiert. Auch die Vereinsfreunde des TSV Germania Milow sind dabei und natürlich seine Familie, Freunde und gute Bekannte.

Als Kind wollte er Flugzeugkonstrukteur oder Schmied werden

Vielleicht verrät Winfried Ganzer seinen Gästen ja, dass er als Kind träumte, Flugzeugkonstrukteur zu werden oder in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Wünsche, die sich in der DDR nicht verwirklichen ließen, deshalb ließ er sich in Premnitz zum Facharbeiter für Betriebsmess-, Steuerungs- und Regelungstechnik – kurz BMSR – ausbilden. Wenn er schon kein Flugzeugkonstrukteur sein durfte, wollte er wenigstens Ingenieur werden. Dieses Ziel setzte Winfried Ganzer an der Ingenieurschule in Berlin Lichtenberg um. Mit dem Diplom in der Tasche schickte die Studentenvermittlung ihn nach Luckenwalde und damit in die Arme seiner Frau. Sie heirateten und der Havelländer nahm seine Liebe mit nach Milow.

Hier wuchsen sein Sohn und seine Tochter auf. Bis zur Wende konnte Winfried Ganzer in Premnitz als Ingenieur arbeiten, dann folgte wie für so viele Menschen ein Umbruch. Im Verlagswesen wagte er den Neuanfang. Fast zehn Jahre arbeitete er in der Anzeigengestaltung. Die Erfahrungen, die er sammelte, nutzt er heute, um den Milower Ortsteilreport oder Bücher über die Geschichte seiner Heimat herauszubringen. Ende der 1990er Jahre stieg Ganzer dann in die Lokalpolitik ein. Was ihn dazu brachte? Missstände natürlich.

„Wir hatten damals das Gefühl, dass der Sport zu kurz kommt, deshalb gründeten wir die Wählergemeinschaft Sport“, erinnert sich Ganzer. Mit dieser schaffte er mit bei den Kommunalwahlen 1998 den Sprung in die Gemeindevertretung. „Ich konnte fünf Jahre in die Lokalpolitik hineinschnuppern. Dann nahm ich mir vor, über unsere Wählergemeinschaft Ortsbürgermeister zu werden und wurde tatsächlich von den fünf Mitgliedern des Ortsbeirats gewählt.“

Mittlerweile ist er das älteste Mitglied der Gemeindevertretung

Winfried Ganzer leitet nach wie vor die Geschicke des Ortes. 2008 und 2014 wählten ihn die Milower wieder. Er hat die Gemeindegebietsreform ebenso miterlebt wie die Umbrüche 2011, als Felix Menzel die Geschicke der Gemeinde übernahm. Menzel beschreibt den Jubilar als sehr engagierten, angenehmen und streitbaren Weggefährten, der „sein Milow liebt und das Ehrenamt des Ortsvorstehers lebt“. Ganzers Anliegen damals wie heute ist es, etwas zu bewegen. Das ist ihm mehrfach gelungen. Die Naturbadestelle, der neue Spielplatz, der Weihnachtsmark sowie der Kunst- und Bauernmarkt, all das sind Projekte, an denen er maßgeblich beteiligt war. Auch die Gründung des Kulturvereins Milower Land initiierte er mit und leitet diesen bis heute.

Im Mai 2019 endet seine Amtszeit. Ob er noch einmal antritt, vermag er nicht zu sagen. „Dann bin ich 72 Jahre und wer weiß, wie ich mich fühle. Ob ich dann bereit bin, mir noch einmal Kommunalpolitik anzutun, weiß ich noch nicht.“ Immerhin ist er das älteste Mitglied der Gemeindevertretung. Vieles hat sich in 70 Jahren verändert, eines aber nicht. Winfried Ganzer wohnt noch immer im Haus in der Friedensstraße, in dem er 1947 geboren wurde. Hier, in der Nähe des Havelufers fühlt er sich am wohlsten.

Von Christin Schmidt