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Havelland „Wir wollen helfen“
Lokales Havelland „Wir wollen helfen“
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11:00 20.12.2014
Anja Thiele leitet das Netzwerk Gesunde Kinder, das 800 Familien im Havelland betreut.
Anja Thiele leitet das Netzwerk Gesunde Kinder, das 800 Familien im Havelland betreut. Quelle: Tanja Marotzke
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MAZ: Was für ein Netz ist das Havelländische Netzwerk Gesunde Kinder?

Andrea Thiele: Kinder verändern das Leben. Total. Freude über das Kind und Sorge, ob man der großen Verantwortung gerecht wird, schaffen ein Wechselbad der Gefühle. Das tauchen viele Fragen auf – und da können wir Antworten geben oder Wege dorthin vermitteln. Und deshalb gehören zum Netz Hebammen, Schwangerschaftsberatungsstellen, Tagesmütter, Logopäden, Krisenzentrum für Frauen, Lokale Bündnisse für Familien und vieles mehr.

Wie finden Sie die Familien, oder finden die Familien Sie?

Thiele: Die Eltern hören von unserer Arbeit bei der Schwangerenberatung, in Vorbereitungskursen, bei Hebammen, im Krankenhaus, wenn sie zum Beispiel den Kreißsaal vor der Geburt besichtigen. Manche kennen unseren Flyer. Wir betreuen derzeit mehr als 800 Familien im Havelland. Getragen wird das Netzwerk vom Land, vom Landkreis und den Havelland Kliniken. Das Angebot ist freiwillig und kostenfrei.

Wer nutzt Ihr Angebot?

Thiele: Viele. Das geht durch alle sozialen Schichten, reicht von der Ärztin bis zur Arbeitslosen. Die Akzeptanz unseres Angebots ist eher bei der Generation der Großmütter gering, da hören wir schon mal Sprüche wie: „Das brauchen wir nicht“ oder „Das ging ja früher auch ohne“.

Ging ja auch, oder?

Thiele: Sicher, aber mit unserem Hilfsangebot geht es besser.

Wie machen Sie das?

Thiele: Wir besuchen die Familien, hören zu, sprechen mit ihnen, beantworten Fragen. Oft hilft schon ein Zuspruch, nicht zu viel Angst zu haben, weil die Kita-Frau gesagt hat, das Kind müsste doch langsam dies oder das können. Manchmal ermuntern wir die Mütter, mehr auf ihren Instinkt zu hören. In anderen Fällen geben wir Ratschläge, vermitteln Kontakte. Wir sind wie ein wandelndes Telefonbuch.

In welchen Situationen raten Sie?

Thiele: Wir wollen helfen, dass die Kinder gesund aufwachsen. Da kommen wir schon in Familien, wo in jedem Zimmer ein Fernseher läuft. Wo extrem süße Sachen gegessen werden. Wo Zähne nicht geputzt werden. Es ist erschreckend, so ein kleines Kind mit verfaulten Zähnen zu sehen. Wir treffen Haushalte an, wo nicht mit den Kindern gespielt wird, wo nie etwas vorgelesen wird. Und wir treffen auf Familien, wo sich die Eltern trennen. Auch da versuchen wir zu helfen, denn das ist eine extreme Stresssituation – auch für das Kind.

Und wo Sie nicht helfen können?

Thiele: Da suchen wir Partner. Wir sind ja keine Babysitter oder Rechtsanwälte oder Ärzte. Wir stellen Kontakte her. Einer unserer wichtigen Partner ist dabei der Verein Traglinge.

Warum?

Thiele: Ein Kind verändert das Leben. Noch mehr, wenn es sich um ein schwer krankes Kind handelt, wenn das Kind viel zu früh auf die Welt kommt. Da sind die Frauen vom Tragling-Verein die Fachfrauen für.

MAZ-Weihnachtsaktion

Der Verein Traglinge betreut Familien, die durch eine Frühgeburt oder eine Krankheit ihres Kindes in eine schwierige Lebensphase gekommen sind. Die MAZ sammelt in ihrer Weihnachtsaktion Geld für ein Projekt des Vereins, das Geschwistern von chronisch kranken Kindern zugute kommt.
Wer die Aktion unterstützen will, kann das auf dem Konto des Traglinge e.V. bei der Deutschen Bank PGK AG. Konto: 818 668 601; BLZ: 120 700 24, IBAN: DE57120700240818668601, Verwendungszweck: MAZ-Aktion Traglinge. Spendenquittungen werden ausgestellt.

Was können die leisten?

Thiele: Dort wird mit Herz und Verstand gearbeitet, Sachverstand. In dem Verein sind Kinderkrankenschwestern, Sozialpädagogen, Psychologen und Kinderärzte. Ich bin sehr froh, dass es diesen Verein gibt, der ja auch sehr viel im Havelland aktiv ist, und dass dort so engagierte Fachleute am Werke sind. Aber sie brauchen Unterstützung, um die betroffenen Familien gut betreuen zu können. Deshalb ist es gut, wenn MAZ-Leser die Arbeit unterstützen.

Sie arbeiten mit Ehrenamtlern?

Thiele: Ja, unsere 83 Familienlotsen arbeiten ehrenamtlich, erhalten eine kleine Aufwandsentschädigung. Viele habe früher und arbeiten noch jetzt in der Familienbetreuung oder Kindererziehung.

Was ist die Motivation für diese aufwendige Arbeit?

Thiele: Es wird einem viel zurückgegeben. Viele von uns sagen, sie hätten einfach ein soziales Gen, sie müssen anderen helfen. Bei anderen wohnen die Enkel weit weg, aber sie wollen sich gern einbringen.

Interview: Marlies Schnaibel

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